Tipps: So hält die Beziehung

Charlotte Roche spricht und schreibt nicht mehr nur über Sex - sondern auch über Liebe, Ehe und Co.

Charlotte Roche. Diesen Namen verbindet man meist mit dem Thema Sex. Nun widmet sie sich auch dem „Drumherum“; der Liebe, der Beziehung – und allem was dazu gehört. Im Podcast „Paardiologie“ arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Mann, Martin Keß-Roche, die ihre Beziehung auf. Untermalt von einer Paartherapeutin. Diese „Therapie“ erschien nun auch als Buch – und zeigt am Beispiel der Roches viele Paarprobleme auf. Therapeutin Ursula Nuber gibt damit auch nicht nur dem Ehepaar Roche Tipps für die funktionierende Beziehung - von der ersten Verliebtheitsphase bis zu den Kindern.

von Beziehung © Bild: iStockphoto
© imago/Lumma Foto Charlotte Roche schrieb viel über Sex. Nun spricht und schreibt sie über Beziehung, Liebe, Ehe und alles, was damit zusammenhängt.

Verliebtsein und Kennenlernen

So extrem wie der Beginn der Beziehung von Charlotte Roche und ihrem Mann (beide waren verheiratet und hatten Kinder und trennten sich von ihren jeweiligen Partnern) ist es wohl bei den meisten Paaren eher selten, dennoch ist das Gefühl der Verliebtheit, der ersten Phase, bei den meisten ähnlich. Dieser verrückte Zustand, indem nur der andere zählt und wichtig ist und einen alles rundherum vergessen lässt. Und auch wenn dieser Zustand natürlich nicht ewig aufrechterhalten werden kann, gilt es, diesen immer wieder gemeinsam in Erinnerung zu rufen, rät die Therapeutin Nuber, denn „auch Jahrzehnte nach dem schicksalhaften Ereignis kann sich ein Paar noch an kleinste Details erinnern und vergisst darüber sogar aktuelle Konflikte.“

Dazu auch interessant: Das Geheimnis einer glücklichen Beziehung

Liebe

Eine lange, funktionierende Beziehung basiert auf ewiger Liebe. Diese Annahme hegen viele Paare – und verwechseln damit ihre Beziehung mit einer Hollywoodromanze. Die Paartherapeutin der Roches findet: „Gefühle allein sind kein stabiles Fundament für eine Partnerschaft“, denn „kein Gefühl bleibt konstant, auch das Gefühl der Liebe nicht“. Vielmehr brauche es festere und dauerhaftere Grundlagen, wie etwa Kameradschaft, Nähe, Vertrauen – und Freundschaft. Denn: „Ohne Freundschaft hat keine Liebe Bestand.“

Zum Thema: Die fünf Phasen der Liebe

Sex

Natürlich wird in dem Podcast – und somit auch in dem Buch – von Charlotte Roche auch über Sex gesprochen. Und Sexualität gehört ja auch zu einer Liebesbeziehung dazu. Doch gerade hier offenbare sich, so die Therapeutin, nach längerer Beziehung sehr oft eine Lücke: Das Begehren hat sich aus der Beziehung verabschiedet und keiner sei zufrieden. „Die Sexualität ist wohl der Bereich einer Paarbeziehung, in dem es zu den größten Missverständnissen und zur größten Sprachlosigkeit kommt. Auch in unserer übersexualisierten Zeit wagen es viele Paare nicht, klar und deutlich über eigene Wünsche und Bedürfnisse zu reden.“ Dieses Problem hat natürlich eine Charlotte Roche nicht, das Nicht-darüber-reden-können. Doch ein Paar müsse gar nicht so detailliert darüber sprechen, wie es die Moderatorin tue, die sexuellen Wünsche müsse man nicht unbedingt mitteilen, denn „es reicht schon aus, wenn das Paar von der Existenz solcher Fantasien weiß.“ Damit entstehe nämlich bereits Neugier auf das Unbekannte.

»Wenn Beziehungen älter werden, reicht es völlig aus, sich sexuell nicht aus den Augen zu verlieren «

Prinzipiell sei es wichtig, so Nuber, dass sich ein Paar nahe bleibe, dabei käme es aber nicht auf die Häuftigkeit von Sex oder Intensität eines Orgasmus an. „Wenn Beziehungen älter werden, reicht es völlig aus, sich sexuell nicht aus den Augen zu verlieren und sich einigermaßen regelmäßig zu einer „Bindungsstärkung“ zu verabreden, die mehr als nur Routine ist“, rät die Expertin. Und: Auch Charlotte Roche und ihr Mann „verabreden“ sich zum Sex, denn sonst komme auch bei diesem Ehepaar stets der Alltag dazwischen.

Kinder

Charlotte Roche und ihr Mann, Martin Keß-Roche haben zwei Kinder - jedoch jeder eines aus früheren Beziehungen. Gemeinsam hat das Ehepaar nach einer Abtreibung zu Beginn der Beziehung und einer Sterilisation des Mannes keine Kinder mehr bekommen. Für viele andere Paar ist jedoch ein gemeinsames Kind „die Krönung der Liebe“. Doch sobald das Kind da ist, erklärt Therapeutin Nuber, was so vielen Paaren passiert: „Das Glück zerplatzt meist schnell.“ Das Paar entferne sich voneinander. Besonders groß sei die Ernüchterung meist im ersten Lebensjahr des Kindes – sie könne aber sogar anhalten und die Partnerschaft bis zu fünf Jahre nach der Geburt belasten. Der Grund ist natürlich nicht das Kind, sondern das Leben, das sich von einen Tag auf den anderen komplett verändert habe.

Die Lösung? „Liebende sollten sich von Anfang an bewusst machen, dass sie mehr sind als Mama und Papa.“ Nur wenn Paare „mit gutem Gewissen regelmäßig das ‚alte‘ Paar wieder aufleben lassen, haben sie eine Chance, sich als „Frau“ und „Mann“ zu begegnen“, rät die Therapeutin. Noch schwieriger sei – wie bei den Roches – Patchwork-Situationen. Hier seien „in besonderem Maße Geduld, Flexibilität, Kompromissbereitschaft und eine hohe Frustrationstoleranz gefragt“.

Auch interessant: Immer über dieselben Dinge streiten - so kommen Sie aus dem Teufelskreis

Streiten

Kennt man Charlotte Roche aus dem TV oder von ihren Büchern kann man sich durchaus vorstellen, dass die Moderatorin durchaus streiten kann. Und im Buch erzählt das Ehepaar auch von Streits in denen sie ihrem Mann einen Tisch auf ihren Mann werfen wollte und einen Metallbecher heißer Milch tatsächlich fliegen ließ. (Sie hat ihn beide Male nicht getroffen.) Bei den meisten Paaren kracht es mehr oder weniger häufig – doch wie genau, das ist meist ein großes Tabu. Über Streits in der Beziehung wird sehr selten nach außen gesprochen.

Und so glauben viele Paare: „Wahre Liebe kennt keinen Streit. Weshalb sie sich bemühen, möglichst wenig oder gar nicht zu streiten“, schreibt die Paartherapeutin. Was natürlich völlig falsch sei, denn „ein Paar, das keinen Streit kennt, verleugnet Unterschiede. Herrscht in einer Beziehung nur Harmonie, dann haben beide Partner ihre Individualität aufgegeben.“ Darum sei streiten in einer Beziehung immens wichtig und helfe auch Platz zu schaffen für Lösungen oder Kompromisse. Allerdings sei es auch wichtig, dabei eine Streitkultur zu etablieren und auch während der Auseinandersetzung emotional miteinander verbunden zu bleiben – wie etwa durch leichte Berührungen, Blickkontakt oder Humor.

Das Buch:

Das Buch können Sie hier bestellen. (*)

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn Sie auf so einen Affiliate-Link klicken und über diesen Link einkaufen, bekommen wir von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für Sie verändert sich der Preis nicht.

"Paardiologie. Das Beziehungs-Buch" zum Podcast von Charlotte Roche und ihrem Ehemann Martin Keß-Roche. Es geht um die zentralen Themen, die jedes Paar umtreiben: Liebe nach der Verliebtheit, Sex, Eifersucht, Geld, Zuhören, Kinderkriegen und -haben, Erziehung, Lust, Fremdgehen. Wie schafft man es, glücklich eine lange Beziehung zu führen? Charlotte Roche und Martin Keß-Roche sagen: Indem man redet. Für das Buchen wurden die Themen des Podcasts geordnet und neu aufbereitet, die Paartherapeutin Ursula Nuber kommentiert und gibt weitergehende Informationen.