Chaos bei bwin: Vorstände frei, Verfahren eingeleitet, Aktienkurs total eingebrochen!

Entscheidung über Strafverfahren binnen eines Jahres Vorstände hinterlegten eine Kaution von 600.000 Euro

Chaos bei bwin: Vorstände frei, Verfahren eingeleitet, Aktienkurs total eingebrochen!

Die beiden Vorstände des börsenotierten österreichischen Internet-Sportwettenanbieter bwin, Manfred Bodner und Norbert Teufelberger, die in Südfrankreich wegen Verdachts auf illegales Glücksspiel festgenommen wurden, sind wieder frei. Gegen sie wurde ein Untersuchungsverfahren eingeleitet. Ob es zu einem Strafverfahren kommt, soll binnen eines Jahres entschieden werden. Die Aktie brach nach der Wiederaufnahme des Handels zur Eröffnung ein. Die EU-Kommission hat indes Bedenken gegen strafrechtliche Sanktionen vorgebracht.

Ein französisches Gericht in Nanterre soll binnen eines Jahres entscheiden, ob ein Strafverfahren gegen die beiden eingeleitet wird, hieß es von bwin. Die für die beiden Vorstände hinterlegte Kaution in Höhe von insgesamt 600.000 Euro diene dazu, allfällige Geldstrafen abzudecken und sicherzustellen, dass die beiden Vorstände zukünftigen Ladungen Folge leisten, teilte bwin mit. Theoretisch betrage die Höchsthaftstrafe bei einer Verurteilung drei Jahre.

Oliver Drewes, Sprecher des zuständigen Kommissars Charlie McCreevy, sagte in Brüssel: "Wenn die nationalen Bestimmungen bezüglich Glücksspiel nicht im Einklang mit EU-Recht stehen, sind grundsätzlich auch die Strafmaßnahmen aus der Sicht des Binnenmarktes problematisch". Die EU-Kommission arbeite an weiteren Vertragsverletzungsverfahren gegen EU-Staaten, die den freien Wettbewerb von Sportwetten-Anbietern einschränken, und will voraussichtlich am 18. Oktober über weitere Fälle entscheiden. "Viele nationale Gesetze zum Glücksspiel und zu Sportwetten sind unvereinbar mit der Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit", so der Sprecher.

bwin geht davon aus, dass vor einer Entscheidung durch das Gericht in Nanterre ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in der Rechtssache "Placanica" vorliege und in die Entscheidungsfindung des Richters in Nanterre einfließe. bwin muss laut Anordnung des Untersuchungsrichters auf seiner Homepage "innerhalb der nächsten Wochen" einen Hinweis anbringen, wonach das Angebot in Frankreich gegen nationale Glücksspielvorschriften verstoßen könnte.

bwin negiere die europäische Rechtslage der Glücksspielmonopole, meinte der Rechtsexperte der Casinos Austria, Dietmar Hoscher, auf APA-Anfrage. In Österreich dürfe bwin mit der entsprechenden Lizenz zwar Sportwetten anbieten, nicht aber Glücksspiele.

Der französische Sportminister Jean-Francois Lamour verteidigte indes das in Frankreich geltende Glückspielmonopol im Bereich der Sportwetten. In Frankreich verfügen die Gesellschaften "Francaise des Jeux" (FDJ) und "Pari mutuel urbain" (PMU) über das Glücksspielmonopol. Die beiden in Nanterre angesiedelten Staatsbetriebe hatten gegen bwin wegen Verletzung des Monopols Anzeige erstattet und somit die Ermittlungen gegen den börsennotierten österreichischen Sportwettanbieter ausgelöst. Die beiden Vorstände waren im Zuge einer in Monaco geplanten Pressekonferenz festgenommen worden.

Neben Frankreich kämpft bwin auch in Deutschland ums Geschäft. Wie zuvor Hessen und Sachsen hatte kürzlich auch Bayern bwin die Vermittlung von Sportwetten per Internet verboten.

Aktie nach Kursrutsch vorerst stabilisiert
Die bwin-Aktie hat sich im Späthandel nach ihrem Kursrutsch vorerst stabilisiert. Die Aktie schloss nach ihrer Handelsaussetzung bei 21,28 Euro und damit 17,04 Prozent unter dem letzten Kurs. Das Papier war nach der Verhaftung der beiden bwin-Vorstände in Monte Carlo vom Handel ausgesetzt worden.

Nach der Wiederaufnahme des Handels war die Aktie zunächst mit einem Minus von rund 26 Prozent gestartet, konnte sich im weiteren Handelsverlauf aber von ihren Tagestiefs erholen. Aktienhändlern zufolge dürfte das aktuelle Kursniveau nun vorerst verteidigt werden. "Auf diesem Niveau ist wieder deutlich Kaufinteresse da", berichtete ein Aktienhändler.

Wichtige Impulse für die Kursentwicklung bei bwin erwarten Börsianer auch von der EU-Kommission. Die Kommission arbeitet zur Zeit an Vertragsverletzungsverfahren gegen EU-Staaten, die den freien Wettbewerb von Sportwetten-Anbietern einschränken. Am 18. Oktober will die Kommission über mehrere Fälle entscheiden.

Europäischer Wettanbieterverein entrüstet
Die europäische Vereinigung der Wettanbieter EBA hat ihrer "Entrüstung" über die zeitweise Verhaftung der bwin-Vorstände Ausdruck verliehen und die EU-Kommission aufgefordert, "dringend gegen die französischen Behörden vorzugehen". In einer Aussendung erinnert die Vereinigung weiter daran, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) im einem Urteil vom November 2003 festgehalten hatte, dass die Wetten "den Dienstleistungen gleichgestellt" seien, und dass in dem Bereich Konkurrenzfreiheit bestehe.
(apa/red)