Chaos-Rennen in Kanada: Hamilton feiert ersten Sieg, Wurz wird sensationell Dritter!

Perfekte Taktik: Austro-Pilot von Platz 19 auf Stockerl Wunder: Kubica bei Horror-Crash praktisch unverletzt

Chaos-Rennen in Kanada: Hamilton feiert ersten Sieg, Wurz wird sensationell Dritter!

Ein chaotischer Grand Prix von Kanada brachte einen Premierensieg und einer sensationelle Leistung von Alexander Wurz: Während Lewis Hamilton in einem von Unfällen und vielen Safety-Car-Phasen geprägten Rennen die Nerven behielt und den ersten Formel-1-Sieg seiner Karriere errang, bestach Alexander Wurz durch eine sensationelle Leistung: Der Österreicher profitierte vom Chaos auf der Strecke und fuhr vom 19. Startrang auf den dritten Platz. Geschlagen wurde der Niederösterreicher nur von Hamilton und Nick Heidfeld. Überschattet wurde das Rennen von einem fürchterlichen Unfall des Polen Robert Kubica, der allerdings wie durch ein Wunder fast unverletzt blieb.

Hamilton triumphierte in seinem erst sechsten WM-Lauf und übernahm damit wieder die alleinige WM-Führung. Doppel-Weltmeister Fernando Alonso kam nach einem extrem fehlerhaften Rennen nicht über Rang sieben hinaus und hat nun als WM-Zweiter acht Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen Hamilton.

Wurz mit perfekter Strategie aufs Stockerl
Während der dunkelhäutige Brite einen überlegenen Start-Ziel-Sieg feierte, "spülten" Wurz insgesamt vier Safety-Car-Phasen und eine perfekte Boxen-Strategie - der 33-jährige Niederösterreicher kam als einziger Pilot mit nur einem Stopp aus - vom 19. Startplatz auf Platz drei, der ihm sechs wertvolle Punkte für die WM brachte. Die Leistung von Wurz, der nun mit acht Zählern WM-Achter ist, war umso bemerkenswerter, war er doch ab der zehnten Runde durch einen eingerissenen Heckflügel gehandicapt.

Horror-Crash von Kubica
Das Rennen verlief zunächst bis zum Abflug von Spyker-Fahrer Adrian Sutil in Runde 22 mit Ausnahme von zwei Ausrutschern von Weltmeister Alonso - kurz nach dem Start und in der 19. Runde - praktisch ereignislos. Aber nach dem Unfall des Deutschen, der beim seitlichen Einschlag in die Mauer unverletzt blieb, überschlugen sich die Ereignisse im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn in Runde 26 stockte allen Zuschauern der Atem, als der Pole Robert Kubica schwer verunglückte. Der 22-Jährige verlor bei hoher Geschwindigkeit während eines Duells mit Toyota-Fahrer Jarno Trulli die Kontrolle über seinen Boliden. Kubica krachte zunächst in einen Reifenstapel und in eine Mauer, ehe er zurück auf die Strecke geschleudert wurde, sich überschlug und schließlich schwer in die Leitschiene einschlug.

Pole hatte mehrere Schutzengel
Der BMW-Sauber "löste" sich bei dem fürchterlichen Unfall in seine einzelnen Bestandteile auf, Kubica blieb im Monocoque abseits der Strecke liegen. Sofort waren Rettungskräfte zur Stelle, auch das Safety-Car rückte sogleich erneut aus. Kubica klagte nach dem Crash vor allem über Schmerzen im Hals- und Beinbereich und wurde deshalb per Helikopter zu einer genauen Untersuchung in eine lokale Klinik geflogen. Doch BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen gab Entwarnung. "Es ist ihm fast nichts passiert", meinte der Deutsche nach dem Rennen.

Der Knöchel sei nicht gebrochen, hieß es. Vor dem nächsten Rennen in Indianapolis solle Kubica noch einmal untersucht werden. Erst dann werde über einen Start des Polen entschieden.

Fisichella und Massa disqualifiziert
Renault-Pilot Giancarlo Fisichella und Ferrari-Star Felipe Massa wurde die dritte Safety-Car-Phase zum Verhängnis, als sie bei Rotlicht in die Boxen fuhren. Aus diesem Grund wurden sowohl der Italiener als auch der Brasilianer von der Rennleitung disqualifiziert. Nach dem Unfall von Toro-Rosso-Pilot Vitantonio Liuzzi musste das Safety-Car zum vierten Mal auf die Strecke, womit der Rekord für Renn-Neutralisationen in der Königsklasse egalisiert wurde.

Reaktionen der Podest-Fahrer
Anthony Hamilton: "Die Saison ist schon vor diesem Sieg für mich fantastisch verlaufen. Ich wusste schon länger, dass ich die Fähigkeit zum Siegen habe. Das Team hat mir das beste Auto gegeben, deshalb tut es mir Leid, wenn es für die Zuschauer etwas fad war. Diesen Sieg widme ich meinem Vater, denn er hat mir diese Karriere ermöglicht."

Nick Heidfeld: "Das war ein perfektes Wochenende für mich. Ich hatte einen fantastischen Start, bei dem ich Alonso überholt habe und gleich auf Platz zwei vorgestoßen bin. Auch mein Team hat fantastisch gearbeitet. Ich war sehr, sehr glücklich, als ich gehört habe, dass es meinem Teamkollegen Robert Kubica gut geht. Er hat möglicherweise einen Knochenbruch erlitten, doch angesichts der Schwere seines Unfalls ist das fast nichts. Das Problem hier ist, dass du schon beim geringsten Fehler von der Strecke fliegst. Besonders glücklich machte mich die Tatsache, dass ich auch ohne das Chaos Zweiter geworden wäre."

Alexander Wurz: "Dieses Ergebnis ist ein Traum. Ich hatte das ganze Wochenende Probleme, doch dann im Rennen endlich einmal das Glück auf meiner Seite. Ich habe ja schon das ganze Jahr angegriffen. Ich habe heute keine Fehler gemacht und Platz drei heimgefahren. Nachdem ich vor zehn Jahren hier mein Debüt in der Formel 1 gegeben habe, ist das heute so wie ein Geburtstag für mich. Riesendank an das Team, das mir ein super Auto hingestellt und mich während des Rennens auch optimal informiert hat."

(apa/red)