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Champions League: Real Madrid
will Revanche an Dortmund nehmen

Borussen sehen sich als "klarer Außenseiter" - Paris St. Germain empfängt Chelsea

Real Madrids Cristiano Ronaldo im Zweikampf gegen Borussia Dortmunds Lukas Pisczek © Bild: APA/EPA/BERND THISSEN

Vom Finalisten zum "Aschenputtel" - vor der erhofften Fußball-Champions-League-Sternstunde bei Real Madrid (20.45 Uhr LIVE im NEWS.AT-Ticker) gibt sich BVB-Coach Jürgen Klopp als Tiefstapler. Mit Verweis auf die großen Unterschiede beim Budget und auf die Personalnot seines Teams vergleicht er Borussia Dortmund kurzerhand mit der Märchenfigur. Real will diesmal Revanche für das Halbfinal-Out 2013 nehmen und die "Decima" schaffen.

Seit dem Triumph 2002 warten die Madrilenen auf diesen zehnten Gewinn des wichtigsten Europacup-Bewerbs. "Wir nähern uns dem Bewerbsende und sind in guter Verfassung. Jeder im Verein hat den Traum von der Decima, den wir zusammen realisieren können", betonte Real-Trainer Carlo Ancelotti im Vorfeld des Viertelfinal-Hinspiels am Mittwochabend in Madrid gegen Dortmund.

Watzke sieht Borussen als Underdogs

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht seine Borussen trotz der Endspielteilnahme im Vorjahr als Underdog. "Die Chancen stehen nicht übermäßig gut. Wir sind klarer Außenseiter. Aber das waren wir in der vorigen Saison auch", erklärte Watzke vor dem Abflug.

Sein Team wolle "ein starker, unangenehmer Gegner sein", ergänzte Klopp mit dezentem Optimismus. Und: "Ich bin ruhig. Wir werden unsere Möglichkeiten haben." Den meisten Fachleuten fällt es indes schwer, an ein neuerliches Fußball-Wunder zu glauben. Denn im Gegensatz zur Saison 2012/2013, als der BVB sowohl in der Gruppenphase als auch im Halbfinale über die Königlichen triumphierte, steht diesmal nur eine Rumpfelf zur Verfügung.

Dortmund muss zahlreiche Spieler vorgeben

Von der Startformation, die beim 4:1-Heimsieg im Halbfinal-Hinspiel über Real im April 2013 für Furore gesorgt hatte, sind am Mittwoch nur noch vier Profis dabei. Neben den Dauerverletzten Ilkay Gündogan, Neven Subotic, Jakub Blaszczykowski, Sven Bender und Marcel Schmelzer fehlt im Estadio Bernabeu auch noch Real-Schreck Robert Lewandowski, der nach der Saison zu den Bayern wechselt. Die Gelb-Sperre des polnischen Nationalspielers wiegt besonders schwer: Schließlich hatte er in den vergangenen vier Duellen mit den Spaniern fünfmal getroffen - allein viermal beim 4:1 im Halbfinal-Hinspiel. "Auf jeden Fall besitzen wir im vorderen Bereich ein paar Optionen. Aber eines ist klar: Robert ist nicht zu ersetzen", gestand BVB-Kapitän Sebastian Kehl.

Cristiano Ronaldo beim Training
© REUTERS/Sergio Perez Real hat Ronaldo, Dortmund muss die meisten seiner Stars vorgeben.

Das neuerliche Kräftemessen mit dem europäischen Dauerrivalen wird damit zum Herkules-Akt. Schließlich ist der spanische Rekordmeister neben dem Lokalrivalen Atletico das einzige im laufenden Bewerb noch ungeschlagene Team. Zudem trifft Weltfußballer Cristiano Ronaldo, der am Mittwoch sein 100. Spiel in der Königsklasse bestreitet und nach bereits 13 erzielten Treffern den Saisonrekord von 14 Champions-League-Toren angreift, derzeit nach Belieben.

Das bekam im Achtelfinale schon der BVB-Erzrivale Schalke (1:6, 1:3) zu spüren. Den jüngsten Niederlagen von Real in der Primera Division gegen den FC Barcelona und beim FC Sevilla misst Dortmund-Verteidiger und DFB-Teamspieler Mats Hummels deshalb keine große Bedeutung bei: "Ich sehe da keine Krise. Ich sehe da eine Anhäufung von verdammt vielen Weltklassespielern."

Real muss allerdings auf seinen Verteidiger Marcelo verzichten. Der Brasilianer erlitt am Montag im Training einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel und wird damit auch das Rückspiel am kommenden Dienstag in Dortmund verpassen.

Paris St. Germain empfängt Chelsea

Im zweiten Mittwoch-Viertelfinale empfängt Frankreichs Top-Club Paris St. Germain den englischen Titelaspiranten Chelsea, der neben dem am Knie verletzten Außenverteidiger Ashley Cole auch auf Stürmer Samuel Eto'o verzichten muss. Der 33-jährige Kameruner fehlt wegen einer Oberschenkelverletzung, teilten die Londoner am Dienstag mit.

Chelsea-Coach Jose Mourinho
© REUTERS/Andrew Winning PSG hat keine Angst vor Mourinho.

PSG-Topstürmer Edinson Cavani hat keine Angst vor etwaigen Psychotricks von Cheleas Star-Trainer Jose Mourinho. "Der Coach spielt nicht", meinte der Torjäger aus Uruguay. "Jeder weiß, dass er ein großartiger Trainer und Anführer ist. Wir haben gesehen, was er erreichen kann bei den Teams, die er dirigiert. Aber ich fürchte weniger den Coach als die Spieler von Chelsea."

Vor dem Duell mit den Londonern erinnerte sich Cavani auch an das knappe Achtelfinal-Aus mit seinem damaligen Club SSC Napoli gegen Chelsea vor zwei Jahren: "Persönlich nehme ich dieses Treffen als Revanche." Cavani war vor dieser Saison zu PSG an die Seite des schwedischen Starstürmers Zlatan Ibrahimovic gewechselt, der mit bisher zehn Toren hinter Ronaldo die Nummer zwei in der CL-Torschützenliste ist. Den Rekord von 14 Saisontreffern teilen sich Lionel Messi (Barcelona, Saison 2011/12), Ruud van Nistelrooy (Manchester United, 2002/03) und Jose Altafini (AC Milan, 1962/63).

Für Ibrahimovic ist Chelsea der "Super-Favorit"

Für PSG-Superstar Zlatan Ibrahimovic ist Chelsea der "Super-Favorit". "Wir stehen in jeder Beziehung am Anfang, während Chelseas Projekt schon zehn Jahre dauert. Erfahrung ist ein Vorteil. Wir befinden uns in der Position von Chelsea vor acht oder neun Jahren", betonte der Schwede und erinnerte damit an die Chelsea-Übernahme durch den russischen Milliardär Roman Abramowitsch im Jahr 2003.

Die "Qatar Sports Investments"-Gruppe hat Paris St. Germain dagegen erst vor zwei Jahren übernommen und mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe zum französischen Top-Club gemacht. Coach Laurent Blanc bat deshalb um Geduld. "Wir entwickeln uns sehr, sehr schnell, aber Erfahrung in der Champions League braucht seine Zeit", betonte der ehemalige Welt- und Europameister und verwies auf den englischen Titelaspiranten Manchester City, der nicht mehr im Viertelfinale vertreten ist.

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