Champions League Finale 2013 von

Duell der Trainergenerationen

Jupp Heynckes ist 68 und hört bald auf. Jürgen Klopp fängt mit 45 erst richtig an.

Jupp Heynckes und Jürgen Klopp in der Deutschen Bundesliga © Bild: 2013 AFP/Getty Images/Andersen

Das Champions League Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion ist auch ein Duell der Trainergenerationen. Auf der einen Seite der 45-jährige, leidenschaftlich-emotionale Jürgen Klopp, der dank seiner kommunikativen Qualitäten als Popstar im Trainergeschäft gilt. Dort der 68-jährige, abgeklärte Routinier Jupp Heynckes, der seine Karriere mit einem Paukenschlag ausklingen lassen will.

Vor einem Jahr, nach dem verlorenen "Finale dahoam" gegen Chelsea, nach gleich drei bitteren zweiten Plätzen, wirkte Heynckes auf viele nur noch alt und verbraucht, er galt als Auslaufmodell. Zwölf Monate später ist wieder alles anders: Heynckes hat Bayern und sich selbst weiterentwickelt und dabei Anleihen am Spielstil des inzwischen überflügelten BVB genommen – was Klopp prompt zum Plagiats-Vorwurf verleitete. Heynckes’ Version des frühen Pressings in allen Formationen hat sich in der aktuellen Saison jedenfalls als hocheffektiv erwiesen - nur 18 Tore hat man in 34-Bundesligapartien kassiert, dabei mit 91 Zählern einen neuen Rekord aufgestellt.

Heynckes habe das Bayern-Spiel "weiterentwickelt", sagte Kapitän Philipp Lahm über den ältesten Meistertrainer in 50 Jahren Bundesliga. Er wäre bei einem Erfolg in London erst der dritte Coach neben Ottmar Hitzfeld (Dortmund 1997, Bayern 2001) und Jose Mourinho (FC Porto 2004, Inter Mailand 2010), der mit zwei Vereinen die Champions League gewonnen hätte. 1998 war ihm das mit Real Madrid gelungen, auch bei den "Königlichen" war danach übrigens Schluss.

Glamour gegen Ruhrpott
So unterschiedlich die aktiven Karrieren des Welt- und Europameisters Heynckes und des Zweitliga-Kickers Klopp verliefen, so verschieden ist auch der Boden, auf dem die Trainererfolge der beiden wuchsen. Der eine ist es gewohnt, mit großen Namen zu arbeiten, der andere entwickelt sie. Jungprofis wie Mats Hummels, Sven Bender, Marcel Schmelzer, Mario Götze und Kevin Großkreutz verhalf Klopp zum Sprung in die deutsche Nationalmannschaft. Solche Erfolgsgeschichten treiben den Schwaben an: "Es ist ein großes Glück, dabei zu sein, wie die Jungs erwachsen werden. Wie sie aus Talent Qualität machen. Wie sie bereit sind, sich so einzubringen, dass Wunder möglich sind."

Der augenfälligste Unterschied der beiden Protagonisten liegt aber in ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit. Während Heynckes nie aus der Rolle fällt, höchstens innerlich kocht und sich dank hochroten Kopfs schon als Spieler den Spitznamen „Osram“ erarbeitete, beherrscht der leidenschaftliche Klopp das Spiel auf der Medienklaviatur perfekt. Schon als TV-Experte konnte er beim Publikum punkten, ist redegewandt und muss nie um Worte ringen. An der Seitenlinie explodiert der "Vulkan" dann auch hin und wieder. "Manchmal, wenn ich mich selbst so im TV sehe, erkenne ich mich gar nicht wieder", sagte Klopp einmal.

Beide haben Erfolg
Beide Trainer aber eint der Erfolg. Heynckes hat mit drei deutschen Meisterschaften (mit Bayern) und einem CL-Titel (Real) einen kleinen Vorsprung auf den zweifachen deutschen Meister Klopp, der freilich erst am Anfang einer möglicherweise ganz großen auch internationalen Karriere steht. Die Überraschung am Samstag vor Augen gab sich Klopp dennoch bescheiden: "Wenn wir gewinnen, sind wir nicht das beste Team der Welt. Dann haben wir das beste Team der Welt geschlagen.“

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