"Etwas für die Ewigkeit"

Borussia Dortmund zwischen Pathos und Vorfreude. Die Bayern können kommen.

von Neven Subotic und Robert Lewandowski © Bild: imago sportfotodienst/Team 2

16 Jahre nach dem Triumph der Borussia im Champions-League-Finale von München spürten alle Beteiligten den Hauch der Geschichte. "Es wird darum gehen, etwas für die Ewigkeit zu schaffen", sagte Innenverteidiger Neven Subotic. Nicht minder pathetisch stimmte sich Trainer Jürgen Klopp auf das historische Duell mit den Bayern ein. "Wembley wird einer der größten Momente in unserem Leben."

In London wollen die Dortmunder zum zweiten Mal nach 1997 den europäischen Fußball-Thron besteigen. Wie schon damals gegen Juventus Turin gelten sie auch diesmal als Außenseiter. Doch der Abstand der Bayern in der abgeschlossenen Bundesliga-Saison von beängstigenden 25 Punkten taugt nach Einschätzung von Kapitän Sebastian Kehl nicht als Gradmesser für einen Vergleich zwischen beiden Teams: "Wir haben eine Spielweise, die den Bayern wehtun kann. Ich glaube, dass ihr Respekt vor uns groß ist."

Zumindest in psychologischer Hinsicht wähnen sich die Borussen im Vorteil. Nach zwei verlorenen Champions-League-Endspielen in den vergangenen drei Jahren stehen Bastian Schweinsteiger und Co. mehr unter Druck als die Klopp-Schützlinge.

Watzke am Klo
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der in der nervenaufreibenden Schlussphase des Halbfinales in Madrid vom Tribünensitz auf das stille Örtchen geflüchtet war, wirkt diesmal vergleichsweise gelassen: "Wir haben überhaupt nichts zu verlieren und empfinden totale Lust." Sportdirektor Michael Zorc beschreibt die Ausgangslage ähnlich: "Wembley ist eine Kultstätte. Das ist Vorfreude pur."

Nach zwei Meistertiteln und einem Cupsieg in den vergangenen zwei Jahren bietet sich der noch 2005 von der Insolvenz bedrohten Borussia die Chance auf das bisher größte Husarenstück. "Die Mannschaft ist vor zwei Jahren eigentlich zu früh Meister geworden, hat vor einem Jahr zu früh das Double gewonnen und steht nun zu früh im Finale der Champions League", kommentierte Klopp, "aber das hat uns jeweils nicht davon abgehalten, Titel zu gewinnen".

45.000 Fans in Dortmund
Gala-Vorstellungen auf internationaler Bühne verhalfen dem Revierclub zu mehr Popularität denn je. Allein in Dortmund werden am Samstag 45.000 Zuschauer zum Public Viewing erwartet. Flügelflitzer Jakub Blaszczykowski - unmittelbarer Gegenspieler von David Alaba - hofft, dass es nach der Rückkehr aus London eine ähnlich rauschende Party geben wird wie in den beiden Jahren zuvor: "In Dortmund ist die Borussia wie Religion."

Das Fehlen des künftigen Münchners Mario Götze im Finale war schon beim Flug in die englischen Hauptstadt kein Thema mehr. Zur Erleichterung von Klopp blieben weitere schlechte Nachrichten aus der medizinischen Abteilung aus. Gerade noch rechtzeitig kurierte Mats Hummels seine Bänderdehnung im Knöchel aus.

Die Aussicht, den Bayern nach einer bisher bärenstarken Saison mit einem Schlag Katzenjammer bereiten zu können, ist für den BVB-Abwehrchef kein zusätzlicher Anreiz: "Es wäre der falsche Ansatz, die Motivation aus dem Scheitern anderer zu ziehen. Wir können die wichtigste Vereinstrophäe gewinnen. Das ist Motivation genug."

Dortmund fast ungeschlagen
Mut schöpft der Bundesliga-Zweite aus den bisherigen Spielen in der Königsklasse. Schließlich schloss er die sogenannte Gigantengruppe mit den Landesmeistern Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam als Sieger ab und behielt auch im zweiten Kräftemessen mit den "Königlichen" aus Madrid im Halbfinale die Oberhand. "Wir sind nicht per Freilos ins Finale gekommen", betonte Zorc, der als Profi beim Endspiel 1997 dabei war. Darüber hinaus erinnert man sich in Dortmund derzeit gern an das 5:2 im DFB-Cup-Finale vor einem Jahr gegen den FC Bayern.

In der Bundesliga gab es im Duell der Finalisten zuletzt zwei Unentschieden, im Cup eine 0:1-Niederlage für die Borussia. "Wir hatten in all diesen Spielen Momente, in denen wir den Bayern richtig Probleme bereitet haben. Daran orientieren wir uns", sagte Klopp. Zur Einstimmung seiner Profis auf Wembley wird sich der Fußball-Lehrer etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Der Glaube soll helfen, Berge zu versetzen: "Wenn angepfiffen wird, werden die Jungs alles für möglich halten - im positivsten Sinn."

Borussia Dortmund - FC Bayern München
(London, Wembley-Stadion, 20.45 Uhr, SR Nicola Rizzoli)

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Gündogan - Blaszczykowski, Reus, Großkreutz - Lewandowski
Ersatz: Langerak - Santana, Bittencourt, Kehl, Sahin, Leitner, Schieber
Es fehlt: Götze (Muskelfaserriss)
Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Martinez, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribery - Mandzukic
Ersatz: Starke - Van Buyten, Rafinha, Luiz Gustavo, Tymoschtschuk, Shaqiri, Gomez
Es fehlen: Kroos (Muskelbündelriss), Badstuber (Kreuzbandriss)

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