Champions League von

Violette Nacht in Zagreb

Aufstieg in die Königsklasse zum Greifen nah - Austria bleibt auf dem Boden

Jubel der Wiener Austria nach dem Hinspielsieg in Zagreb © Bild: APA/Neubauer

Der große Traum von der Champions League ist für die Austria zum Greifen nah. Nach dem 2:0 (0:0)-Auswärtssieg im Play-off-Hinspiel der Qualifikation gegen Dinamo Zagreb winkt dem österreichischen Meister zum ersten Mal in der Clubgeschichte der Einzug in die Gruppenphase der "Millionenliga". Trainer Nenad Bjelica und seine Kicker warnten jedoch vor dem Rückspiel am Dienstag in der heimischen Generali-Arena eindringlich vor übertriebener Euphorie.

"Das war ein guter Tag und ein großer Schritt. Aber wir müssen jetzt sehr, sehr bescheiden bleiben", forderte Bjelica. "Mir ist bewusst, dass wir jetzt ein gute Ausgangsposition haben. Aber wir haben noch ein hartes Stück Arbeit vor uns. Die Party beginnt frühestens am Dienstag um 22.35 Uhr", fügte Bjelica hinzu. Nach einer weiteren Nacht in Zagreb ging es für die Austria bereits am Donnerstag mit dem Bus nach Kärnten, wo am Samstag (19.00 Uhr) in der 6. Bundesliga-Runde das Match gegen Bjelicas Ex-Club Wolfsberger AC auf dem Programm steht.

"Das hätte auch ins Auge gehen können"

Der Kroate vergaß nicht, dass seine Truppe im Zagreber Maksimir-Stadion in den fünf Minuten vor der Pause bange Momente durchleben musste. Dies sei eine eindringliche Warnung fürs Rückspiel gewesen. "Da hatten wir ein Blackout, das hätte auch ins Auge gehen können", strich Bjelica hervor. In dieser Phase bewahrte vor allem der starke Tormann Heinz Lindner die Austria vor einem Rückstand.

In der Pause hat Bjelica dann offenbar genau die richtigen Worte gefunden. "Der Trainer hat uns gesagt, dass wir den Respekt ablegen sollen und ruhig auch nach vorne laufen dürfen", meinte Marko Stankovic, der nach dem Führungstor von Marin Leovac (68.) das 2:0 (75.) nachlegte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Austrianer bereits einen Mann mehr auf dem Rasen, denn Ante Rukavina sah nur wenige Augenblicke nach seiner Einwechslung die Rote Karte (71.).

Anfangs zu viel Respekt

"Vor der Pause hatten wir einfach zu viel Respekt. Defensiv war die Leistung 90 Minuten lang sehr gut, offensiv erst in den zweiten 45 Minuten", analysierte Bjelica, der nicht einmal von der bisher besten Saisonleistung sprechen wollte. Mit großer Freude hat der 42-Jährige aber auch beobachtet, dass sein Team "genau zum richtigen Zeitpunkt" erstmals in dieser Saison vor dem gegnerischen Tor wirklich effektiv zu Werke ging.

Und das selbst ohne ein Tor von Goalgetter Philipp Hosiner. "Wir haben aus vier, fünf gefährlichen Situationen zwei Tore gemacht, das war sehr effektiv", war Bjelica angesichts der stolzen Ausbeute hoch zufrieden. Dass Bjelica die Austria perfekt auf den kroatischen Serienmeister eingestellt hat, kam wenig überraschend.

Fans geben Dinamo auf

Schließlich kennt der ehemalige kroatische Teamspieler Dinamo fast wie seine Westentasche. Und Bjelica hatte auch die Stimmungen auf den Rängen in Zagreb exakt richtig vorausgesagt. Denn als offensichtlich wurde, dass Dinamo kein wirkliches Mittel gegen die kompakte Austria-Defensive findet, wurde es unter den 24.000 Kroaten von Minute zu Minute unruhiger. In die Pause wurden die "Blauen" bereits mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedet, beim Schlusspfiff war das Stadion dann sogar schon halb leer.

Nenad Bjelica, Dinamo Zagreb gegen FK Austria Wien
© APA/Neubauer Schnappschuss: Trainer Nenad Bjelica beim Jubel mit den mitgereisten Austria-Fans

Die Zagreber Resignation hat sich die Austria vor allem mit einer starken Defensivleistung erarbeitet. Kapitän Manuel Ortlechner und der Kroate Kaja Rogulj waren die Felsen in der Brandung. Auch für Rogulj, der eine Tätowierung von Dinamos Erzrivalen Hajduk Split trägt, war es ein ganz besonderer Abend. "Ich habe zum ersten Mal in meiner Karriere ein Match gegen Dinamo gewonnen. Und das zum bestmöglichen Zeitpunkt. Nach der Pause haben wir einen sehr guten Fußball gezeigt und die wenigen Chancen eiskalt verwertet."

Im Tor der Austria lieferte Lindner eine seiner bisher reifsten Leistungen ab. "Die Defensive ist gut gestanden. Und alles was durchgekommen ist, habe ich zum Glück halten können", blieb Lindner bescheiden. Den Fehler, dass man sich zu früh auf Lionel Messi und Co. freuen könnte, wird man laut Lindner ganz sicher nicht machen. "Denn es wäre fatal, wenn wir jetzt glauben würden, dass wir schon mit einem Bein in der Champions League stehen."

Kommentare

Forest w.

Das sollten sich die Bullen als Vorbild nehmen, kosten weniger und sind effizienter! Glückwunsch!

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