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Champions-League-Halbfinale bringt
Pep Guardiola zurück nach Barcelona

Erfolgreichster Trainer der Barca-Vereinsgeschichte kommt mit den Bayern als "Feind"

Pep Guardiola vor Barca-Logo © Bild: LLUIS GENE/AFP/GettyImages

Einst war der kleine Josep Balljunge im Camp Nou, später erfolgreicher Profi bei den Fußballern und als Cheftrainer schließlich der Architekt einer der besten Mannschaften der Sportgeschichte. Eines Ensembles, das als Inbegriff des schönen Fußballs galt. Nun kehrt Pep Guardiola als Gegner ins katalanische Nationalheiligtum zurück.

"Es ist meine erste Rückkehr nach Barcelona, meinem Zuhause. Natürlich ist es speziell für mich", gestand der 44-Jährige vor dem Halbfinalduell seines aktuellen Clubs FC Bayern gegen seine langjährige Liebe FC Barcelona am Mittwochabend. Das Duell Pep gegen Barca vergrößert die ohnehin gewaltige Strahlkraft des Gigantentreffens noch einmal.

Es geht für den charismatischen Star-Coach nicht nur um sportlichen Ruhm, sondern auch um die Ehre. Der Katalane, der mit dem Credo vom ständigen Ballbesitz einst Lionel Messi und Co. von Titel zu Titel lenkte, wird sich nach den zwei Partien auch Bewertungen gefallen lassen müssen: Wie gut ist die einstige und durch Stars wie Neymar oder Luis Suarez entscheidend veränderte Gefolgschaft ohne ihren global bewunderten Trainer - und wie gut wird er sein aktuelles Team auf die Spiele einstellen.

Spalier für Guardiola
© David Ramos/Getty Images Pep Guardiola genießt bei den Spielern höchste Anerkennung

Verliert sich Guardiola in der Taktik

Schon im Vorfeld wird bewertet, geschätzt und orakelt. Gepriesen wird allseits die detailversessene Spielvorbereitung Guardiolas. Aber genau darin lauert womöglich eine Gefahr: Der ewige Grübler kennt den Gegner besser als jede andere Mannschaft auf der Welt. Er wird bei seinem Matchplan Variante um Variante durchspielen - und könnte sich darin verlieren.

"Ich glaube, dass er den einen oder anderen ziemlich durcheinander bringt mit seinen zum Teil extremen Wechseln und taktischen Veränderungen", kritisierte etwa Stefan Effenberg in einem Interview mit dem deutschen "kicker".

Guardiola sucht den Anti-Messi-Plan

Trophäensammler Pep Guardiola

Im Alter von 13 Jahren stieß der aus der 7.400-Seelen-Gemeinde Santpedor stammende Guardiola zu Barcelonas Jugendakademie La Masia. Mit 19 debütierte der defensive Mittelfeldspieler in der Liga. Zwei Jahre später gewann er 1992 unter Trainer Johan Cruyff den Europacup der Landesmeister. Im selben Jahr bejubelte er olympisches Gold mit Spanien, Seite an Seite mit dem nunmehrigen Barcelona-Trainer Luis Enrique. Das Gedankengut seines Förderers Cruyff trug Guardiola als Trainer weiter und trieb das Kurzpassspiel zur Perfektion.

Insgesamt gewann der Fußball-Stratege 16 Titel in 17 Jahren mit Barca, dessen Kapitän der 47-fache Nationalspieler von 1997 an war. Noch eindrucksvoller ist die Trophäen-Ausbeute als Trainer. Sagenhafte 14 Titel, darunter zweimal die Champions League, holte Guardiola in der vierjährigen Amtszeit. "Guardiola sollte mit Ehren empfangen werden", erklärte Barcelonas Präsident Josep Maria Bartomeu vor dem Spiel am Mittwoch.

Pep Guardiola Plakat
© LLUIS GENE/AFP/GettyImages Die Fans haben Pep Guardiola nicht vergessen

Ein glorreicher Empfang

Dass den Star-Trainer und "verlorenen Sohn" ein glorreicher Emnpfang bereitet werde, ist für Lionel Messi nur "normal". "Er hat hier alles gewonnen und dem Verein alles gegeben", erklärt der viermalige Weltfußballer, hält aber auch fest. "Sobald das Spiel losgeht, stehen die Fans auf unserer Seite." Das Wiedersehen mit dem ehemaligen Übungsleiter würde Messi und Co. auch nicht extra motivieren. "Uns motiviert die Partie, nicht Guardiola."

Warum, ist schnell erklärt. Als sich die Bayern das letzte Mal dem FC Barcelona in den Weg gestellt hatten, im CLHalbfinale vor zwei Jahren, fegten die Deutschen über die Katalanen mit 7:0 in Hin- und Rückspiel hinweg. Pep Guardiola war da schon nicht mehr im Amt. Der dreifache Familienvater hatte seinen Abschied aus Barcelona auf eigenen Wunsch im Sommer 2012 gegeben.

Barca vs. Bayern - Mögliche Aufstellungen

Barcelona, Camp Nou, 20.45 Uhr/live ZDF und Sky, SR Rizzoli/ITA

FC Barcelona: Ter Stegen - Alves, Pique, Mascherano, Alba - Rakitic, Busquets, Iniesta - Messi, Suarez, Neymar

Ersatz: Bravo - Bartra, Adriano, Rafinha Alcantara, Roberto, Xavi, Pedro
Es fehlt: Mathieu (Achillessehne)

FC Bayern: Neuer - Rafinha, Boateng, Benatia - Lahm, Schweinsteiger, Alonso, Bernat - Thiago Alcantara - Müller, Lewandowski

Ersatz: Reina - Dante, Martinez, Gaudino, Weiser, Götze, Pizarro
Es fehlen: Alaba (Knie), Badstuber (Oberschenkel), Robben (Wade), Ribery (Sprunggelenk), Rode (muskuläre Probleme)

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