Champagner nach dem Überraschungssieg:
Walchhofer gewinnt Super-G in Val d'Isere

Salzburger holt 15. Weltcup-Sieg seiner Karriere<br>ÖSV-Team damit endgültig wieder auf Siegerstraße Weltcup-Führender Carlo Janka erneut nicht im Ziel

Champagner nach dem Überraschungssieg:
Walchhofer gewinnt Super-G in Val d'Isere © Bild: AP/Trovati

Michael Walchhofer hat in Val d'Isere einen völlig verrückten Super-G gewonnen. Der Salzburger, der sich kaum Chancen auf eine Top-Ten-Platz gegeben hatte, setzte sich bei leichtem Schneefall und schlechter Bodensicht in dem einem Riesentorlauf ähnlichen Rennen vor dem US-Amerikaner Ted Ligety (+0,28 Sekunden) und dem Südtiroler Werner Heel (0,75) durch. Super-Kombinationssieger Benjamin Raich machte als Fünfter wertvolle Punkte für den Gesamtweltcup, ihm fehlen nur noch 34 Zähler auf den Schweizer Carlo Janka, der wie schon am Vortag ausschied.

Im zur Kombi zählenden Super-G am Vortag hatte Walchhofer 1,79 Sekunden Rückstand auf die Topzeit und stapelte danach tief. Dementsprechend überrascht war er nach dem 15. Karriereerfolg im Weltcup und erst dem zweiten in dieser Disziplin nach Gröden 2004. "Das ist eine Riesenüberraschung. Ich hatte einen Riesenfehler, als ich im Ziel gesehen habe, dass ich Erster bin, habe ich mich erst überhaupt nicht ausgekannt", sagte Walchhofer, den der nach einer Rückenoperation bei den Rennen noch immer fehlende Trainer Andreas Evers per Telefon gesagt habe, dass er um den Sieg mitfahren könne.

1. Saisonsieg trotz Riesenpatzer
Speed-Spezialist Walchhofer hatte sich am Start ein paar Läufer angesehen und erkannt, dass er kämpfen müsse, denn auch mit ein paar Fehlern sei auf der technisch anspruchsvollen "Face Bellevarde" noch einiges drinnen. Wie der fast im Schnee liegende Ligety hatte dann auch Walchhofer einen Riesenpatzer, trotzdem reichte es zum dritten Sieg eines Österreichers im Olympiawinter nach Reinfried Herbst (Slalom Levi) und Raich am Freitag, der sogar einen Dreifacherfolg angeführt und Marcel Hirscher (Samstag 11.) sowie Romed Baumann (18.) auf die Plätze verwiesen hatte.

"Froh, gesund und mit einer halbwegs guten Platzierung im Ziel" zu sein war Raich. "Die Sicht nicht gut, die Piste wellig, und dass das ein steiler Hang ist, wissen wir ja. So wie gestern, wenn die Sonne scheint, ist das ja ganz lässig, aber heute hat es nicht so viel Spaß gemacht", gab der Tiroler zu. Der Sieg von Walchhofer habe ihn nicht überrascht. "Der Michi fährt auch im steilen Gelände extrem stark, das habe ich mehrmals gesehen, auch als wir in Sölden trainiert haben. Und er kann sich vor allem überwinden im Rennen, und das hat er heute ausgepackt und das war heute sehr wichtig", wusste Raich, was vielleicht der Schlüssel zum Erfolg gewesen ist.

Tolles Comeback von Scheiber
Sehr guter Sechster als drittbester Österreicher wurde Mario Scheiber, der sich nach der Verletzungspause mit diesem Ergebnis Selbstvertrauen holte. "Der Schritt in die richtige Richtung, Richtung Stockerl, Richtung Sieg. Dass es jetzt für das Stockerl noch nicht reicht, ist klar", meinte der Tiroler, der von großer Überwindung sprach. "Man sah überhaupt nichts, keine Wellen. Es war von oben bis unten ein brutaler Kampf, ich habe mich überwinden müssen, dass ich mich voll traue. Teilweise habe ich eh die Ski zu viel angestellt", berichtete er nach seiner Fahrt.

Nach den Verletzungen brauche er momentan eigentlich noch bessere Sicht für gute Rennen, aber dank Konzentration und Überwindung gelang ihm bereits ein Spitzenplatz und das zweite Top-Ten-Ergebnis (Platz zehn in Abfahrt von Beaver Creek) seit dem Comeback. Der Super-G war ein Ausfallrennen, knapp 50 Prozent der Läufer sahen das Ziel nicht, darunter auch die Österreicher Florian Scheiber, Hannes Reichelt und Georg Streitberger. Christoph Gruber landete ex aequo mit Baumann auf Platz 18, Klaus Kröll wurde 22..

Endstand:
1. Michael Walchhofer AUT 1:20,78 Min.
2. Ted Ligety USA 1:21,06 +0,28 Sek.
3. Werner Heel ITA 1:21,53 +0,75
4. Patrick Staudacher ITA 1:21,92 +1,14
5. Benjamin Raich AUT 1:21,95 +1,17
6. Mario Scheiber AUT 1:21,97 +1,19
7. Aksel Lund Svindal NOR 1:22,21 +1,43
8. Ales Gorza SLO 1:22,43 +1,65
9. Bode Miller USA 1:22,45 +1,67
9. Didier Cuche SUI 1:22,45 +1,67
11. Marcel Hirscher AUT 1:22,48 +1,70
12. Didier Defago SUI 1:22,61 +1,83
13. Manfred Mölgg ITA 1:22,73 +1,95
14. Silvan Zurbriggen SUI 1:22,85 +2,07
15. Gauthier de Tessieres FRA 1:22,97 +2,19
16. Kjetil Jansrud NOR 1:22,99 +2,21
17. Christof Innerhofer ITA 1:23,09 +2,31
18. Christoph Gruber AUT 1:23,43 +2,65
18. Romed Baumann AUT 1:23,43 +2,65
20. Andrej Sporn SLO 1:23,55 +2,77
21. Manuel Osborne-Paradis CAN 1:23,67 +2,89
22. Klaus Kröll AUT 1:23,68 +2,90
23. Marco Büchel LIE 1:23,88 +3,10
24. Sebastien Pichot FRA 1:23,93 +3,15
25. Ambrosi Hoffmann SUI 1:24,10 +3,32
26. Stefan Thanei ITA 1:24,37 +3,59
27. Andrej Krizaj SLO 1:24,38 +3,60
28. Niklas Rainer SWE 1:25,46 +4,68
29. Truls Ove Karlsen NOR 1:25,70 +4,92
30. Alexander Horoschilow RUS 1:26,42 +5,64

(apa/red)