Interview von

Was macht eigentlich
Cesar Sampson?

Der erfolgreiche Song-Contest-Teilnehmer hat wenig von sich hören lassen. Doch jetzt gibt es Neuigkeiten.

Cesar Sampson © Bild: APA/Punz

Er wurde beim letztjährigen Song Contest in Lissabon dritter. Doch danach hörte man wenig von Cesar Sampson. Nun meldet er sich mit einer neuen Single zurück - und spricht im Interview mit News.at darüber, was der ESC für ihn verändert hat.

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News.at: Was hast du seit dem Song Contest gemacht?
Cesar Sampson: Eine feine Balance aus Studioarbeit, Songwriting und sozialen Events, auf denen ich mich sehen lassen habe. Zusätzlich habe ich Initiativen, die mich interessieren, wie die Urheberrechtsnovelle in Straßburg und Brüssel, für meinen Berufsstand unterstützt.

Was hat sich mit dem Song Contest für dich verändert?
Es war einfach der Startschuss. Ich wusste, egal ob es gut oder schlecht rennt, dass sich etwas verändert, sonst hätte ich es ja nicht gemacht. Ich hätte in den letzten zehn Jahren jederzeit eine Solo-Single rausbringen können. Dementsprechend hat sich mein Lebensschwerpunkt wieder mehr in Richtung Ursprung verlagert, in Richtung Songwriting und Performing. Das was vorher der kleinste Teil war, ist jetzt der größte Teil.
Wenn du darauf hinaus möchtest, ob ich in der Öffentlichkeit erkannt werde: Ja, das hat sich auch verändert, aber das fällt mir gar nicht mehr auf.

Was hat dich die Teilnahme gelehrt? Und worauf hättest du verzichten können?
Das passiert selten, aber es ist der beste Fall eingetreten, den man sich erhoffen kann. Es hat sich alles genau so entwickelt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es brachte eine gute Coverage für meine erste Single und war auch eine Art Gütesiegel, weil ich in einem Wettbewerb gut abgeschnitten habe.

Stört es dich, wenn du für Leute nur der bist „der einmal beim Song Contest war“?
Wenn ich der bin, dann nur für Leute die davon begeistert waren und nicht im negativen Sinne. Und da hab ich nichts dagegen.

»Der dritte Platz ist nicht „ganz gut“ sondern sehr gut.«

Du hast als Dritter beim Song Contest ganz gut abgeschnitten. Aber was bringt ein dritter Platz – im Gegensatz zu einem 15. Platz? Macht das eigentlich einen Unterschied?
Der dritte Platz ist nicht „ganz gut“ sondern sehr gut. Ich war der Jurygewinner, das spricht auch eine klare Sprache und laut Analyse war mein Beitrag der einzige Act, der in allen Ländern in jeder Demografie gewinnen konnte. Und das ist mir sehr wichtig, weil das natürlich um einiges aussagekräftiger ist als ein mittlerer Platz oder ein gleicher Platz, wenn man bei Jury und Publikum „ganz gut“ abschneidet.

Cesar SAmpson
© APa/AFP/Leong Cesar Sampson ist stolz auf seinen 1. Platz bei der Jurywertung beim Song Contest

Wie hat sich das angefühlt, als es kurzzeitig danach aussah, als hättest du gewonnen? Denkst du oft an diesen Moment zurück?
Nein, ich war nie auf den Sieg fokussiert. Ich wusste, wenn es gut läuft, ist ein Top-Platz drinnen, aber wenn es nicht der erste Platz ist, ist es egal ob der zweite, dritte oder vierte. Der Wettbewerb ist eher für den Zuseher interessant. Für mich war es spannend, was die Music Professionals sagen, was die Jury sagt und wie wird was wo aufgenommen.

„Nobody But You“ ist für einen Amadeus Award als „Song des Jahres“ nominiert. Was würde so ein Award-Gewinn für dich bedeuten?
Bei Awards ist das immer so: Es ist cool, wenn man sie hat, aber wenn nicht, ist es auch kein Beinbruch.

Jetzt gibt es deine neue Single „Stone Cold“. Worum geht es?
Es geht um eine Beziehung wo der Mann ausnahmsweise einmal der ist, der mehr Gefühlstiefe haben möchte, der Frau aber reicht das Körperliche, sie ist eher der Typ „Du spielst nach meinen Regeln“. Also so wie Männer eher früher waren. Ich spiele also mit vertauschten Rollen und das war spannend für mich.

Was hat dich dazu inspiriert?
Es ist eine Story, keine Message, es ist nicht autobiografisch. Ich beobachte einfach, was um mich herum so passiert und solche umgekehrten Geschichten höre ich immer mehr und das finde ich interessant, denn in einer anderen Generation wäre es anders herum gewesen und jetzt dreht sich das gerade um. Jetzt ist die Frau vielleicht so, wie der Mann früher vielleicht wollte, dass sie ist, also ein bisschen cooler, dafür ist jetzt der Mann nicht mehr so wie er früher war…

»Eigentlich gibt es keine Alben mehr. «

Ist ein Album auch geplant?
Geplant wäre zu viel gesagt. Ich hätte zwar gerne eines, weil ich noch aus einer Generation komme, in der es eben Alben gab als künstlerische Rahmen. Aber eigentlich gibt es in Zeiten des Streamings keine Alben mehr. Ich könnte natürlich ein Album rausbringen, aber in Wirklichkeit wären das zwölf Singles. Dieses Gefühl des abgeschlossenen Ovums existiert nicht mehr. Ich werde bestimmt noch mehr Singles machen und dann werden wir überlegen, ob ein Album smart ist.

Wie geht es für dich weiter? Wird es Konzerte geben?
Wenn ich angefragt werde, mache ich das. Aber sonst hätte ich gerne zunächst mehr eigene Lieder, um einen Abend füllen zu können und nicht immer auf andere Kompositionen, bei denen ich mitgearbeitet habe oder Covers zurückgreifen zu müssen. Es wird aber eine Tour dieses Jahr geben und zwar mit einem anderen Act gemeinsam, damit ich nicht den ganzen Abend bestreiten muss. Neue Musik zu machen ist mir jetzt in erster Linie wichtiger.

Fühlst du dich wohl auf der Bühne?
Ja, das ist in meine DNA eingebaut, ich habe damit ja schon als Kind begonnen.

Heuer wird ja Paenda mit „Limits“ für Österreich starten. Was würdest du der Künstlerin mit auf den Weg geben?
Also fachlich ist ja bestimmt alles gut organisiert, aber ich würde ihr raten, die Zeit zu genießen und den Kontakt zu den anderen Künstlern zu suchen, denn das habe ich besonders genossen, mit den anderen gemeinsam abzuhängen. Wir sind immer noch gute Freunde.