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Cannabis, kaltgepresst

Cannabis © Bild: News/Ricardo Herrgott

Hanf ist weltweit eine der ältesten Kulturpflanzen. Eine Zeit lang war der Anbau wegen der psychoaktiven Inhaltsstoffe verboten. Nun setzen immer mehr Bauern wieder auf Cannabis, aus dessen Samen hochwertiges Speiseöl gewonnen wird.

Rund 1.400 Menschen leben in der idyllischen oststeirischen Gemeinde Wenigzell. Einer von ihnen ist Biobauer Franz Fast. Sein Hof liegt auf rund 830 Metern Höhe. Von hier hat man eine hervorragende Fernsicht auf die sanften Hügel und die Wälder und Felder der Umgebung.
"Diese Gegend ist klassisches Grünlandgebiet", sagt Fast, der auch Rinder hält. Doch der Biobauer ist laufend auf der Suche nach neuen, alternativen Sorten, die er auf seinen Feldern anbauen kann, und probiert gerne "Kulturen abseits des Mainstreams" aus. Und nur wenige Meter unterhalb des Hofes wird sofort sichtbar, was er damit meint: Hier bewirtschaftet Fast ein rund zwei Hektar großes Hanffeld.

Cannabis
© News/Ricardo Herrgott Die Aussaat fand Mitte Mai statt, demnächst können die Samen geerntet werden

Die Pflanzen mit ihren charakteristischen schmalen, gesägten Blätter sind bereits bis zu zwei Meter hoch. Sobald man dem Feld näher kommt, wird auch der typische Cannabis-Geruch wahrnehmbar. "Ich muss aber alle enttäuschen, die glauben, man kann diese Pflanzen rauchen", sagt Fast sofort. "Man bekommt nur Halsund Kopfweh davon, denn der THC-Gehalt liegt unter 0,3 Prozent. Für eine berauschende Wirkung wären aber mindestens sieben Prozent notwendig."

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Lange Tradition

Hanf gehört weltweit zu den ältesten Kulturpflanzen. Er wurde als Nahrungsmittel und zur Papiererzeugung verwendet. So druckte Gutenberg die erste Bibel auf Hanf. Da die Faser sehr stark ist, wurden daraus außerdem Seile und Taue hergestellt, auch die ersten Jeans waren aus diesem Material. Zudem wurden die Blüten als Heilmittel eingesetzt.

Doch aufgrund der psychoaktiven Wirkung der Pflanze wurde ihr Anbau schließlich verboten. Erst in den 1990er-Jahren, als neue Züchtungen mit einem THC-Gehalt von unter 0,3 Prozent gelangen, wurde diese in den EU-Sortenkatalog aufgenommen und wieder zugelassen. Um sicherzustellen, dass diese Grenzwerte eingehalten werden, kontrolliert die Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) regelmäßig die Hanffelder.

Pflegeleichte Pflanzen

Anfang Mai, als kein Bodenfrost mehr zu erwarten war, säte Franz Fast die Hanfsamen aus. "Wenn der Boden passt, beginnt schon bald das Wachstum. Doch die Pflanzen sind auch ein sehr guter Gradmesser, wenn etwas mit dem Boden nicht passt. Dann gedeihen sie nämlich nicht", erklärt der Bauer. Generell ist Hanf pflegeleicht. Es wächst kaum Unkraut zwischen den Pflanzen, es gibt nur wenige Schädlinge, die ihn befallen könnten, und diese breiten sich auch nicht allzu schnell aus, da die Zahl der Hanffelder in Österreich sehr gering ist.

Franz Fast ist nicht der Einzige in der Region, der gerne Neues ausprobiert und offen für Innovationen ist. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich die Ölmühle Fandler. Hier werden Fasts Hanfsamen weiterverarbeitet. Denn neben traditionellen Sorten wie Kern-, Raps- und Leinöl werden unter anderem auch Distel-, Traubenkern-und Hanföl gepresst.

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© News/Ricardo Herrgott Julia Fandler ist Geschäftsführerin der Ölmühle

"Mein Vater hat immer schon gerne die Dinge anders gemacht als andere. Er hat oft monatelang getüftelt, um eine neue Sorte zu bekommen", sagt Geschäftsführerin Julia Fandler, die großen Wert auf Regionalität legt. Sie will als Unternehmerin "mit hoher Menschlichkeit wirtschaftlich erfolgreich sein." So gibt es etwa eine im Betrieb, die täglich warmes Mittagessen für die 45 Mitarbeiter zubereitet, das anschließend gemeinsam gegessen wird.

Peter Schloffer, ebenfalls Geschäftsführer und Pressmeister der Ölmühle, besucht die Bauern regelmäßig, um die zu erwartende Qualität der Ernte zu prüfen. Mit den Pflanzen auf Fasts Feld ist er sehr zufrieden und freut sich schon auf die Ernte, die - je nach Witterung - in den nächsten Tagen bis Wochen stattfinden wird.

Nach der Ernte werden die Samen getrocknet und gereinigt. Anschließend kommen sie in ein Kühllager. Gepresst werde dann nach Bedarf, erklärt Schloffer. Für einen Liter Hanföl werden rund 3,5 Kilo geschälte Hanfsamen benötigt. Zum Vergleich: Für einen Liter Walnussöl sind rund zwei Kilo Walnüsse, für einen Liter Leinsamenöl 4,5 Kilo Leinsamen erforderlich.

Der bei der Pressung zurückbleibende Presskuchen wird seit einiger Zeit in der Ölmühle zu Mehl weiterverarbeitet. "Hanfmehl ist glutenfrei, sättigt gut und ist leicht verdaulich. Dazu ist es proteinreich und enthält viele Mineralstoffe wie etwa Magnesium. Daher ist das Mehl bei Sportlern sehr beliebt", erklärt Patrick Thurner, der ebenfalls seit fünf Jahren Hanf für die Ölmühle anbaut. "Ich kenne Leute, die bekamen beim Radfahren immer Muskelkrämpfe. Seit sie Hanfmehl in ihren Speiseplan aufgenommen haben, sind diese Krämpfe weg."

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© News/Ricardo Herrgott Patrick Thurner Allgemeinmediziner in Hartberg und Bauer. Auf seinen Feldern pflanzt er unter anderem Hanf an

In Rezepten darf aber nicht einfach herkömmliches Mehl gegen Hanfmehl ausgetauscht werden, warnt Julia Fandler: "Es fehlt im Hanfmehl das Gluten, also der ,Kleber'." Daher würden von ihrem Team laufend neue Rezepte entwickelt, damit die Speisen auch gelingen.

Hanf als Medizin

Patrick Thurner ist nicht nur Landwirt, sondern auch Allgemeinmediziner. Er betreibt eine Kassenpraxis in Hartberg. Auch als Arzt schwört er auf Hanföl - allerdings auf jenes, das im Gegensatz zum Speiseölen Cannabidiol (CBD) enthält. CBD ist neben THC der zweite bekannte Wirkstoff der Hanfpflanze. Es wirkt schmerzlindernd und angstlösend, schlaffördernd und antiepileptisch. Es kommt unter anderem bei Tumor- und Schmerzpatienten, aber auch bei Epileptikern zum Einsatz. In seiner Praxis bekommt Thurner "sehr viele positive Rückmeldungen zum CBD-Öl".
Selbst baut Thurner aber keine CBD-haltigen Pflanzen an, da ihm die Rechtslage diesbezüglich zu unsicher sei.

Auch Franz Fasts Hanf enthält kein CBD. Bei der Ernte werden die Pflanzen so hoch wie möglich abgeschnitten. Die verbleibenden Stängel bleiben den ganzen Winter am Feld stehen. Sie werden erst im Frühjahr geerntet und schließlich zu Dämmplatten verarbeitet.

Fast ist zufrieden mit dem Hanf - und experimentiert bereits mit neuen Pflanzen. Er hat ein kleines Feld mit Lein. Auch Nachtkerzen baut er an, damit aus diesen Pflanzen schon ebenfalls bald wertvolles Öl gewonnen werden kann.

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© News/Ricardo Herrgott Mit Hanfmehl können beispielsweise Stangerl gebacken werden

Rezept für einen Hanfmehl-Kornspitz:
Zubereitung

Die lauwarme Milch mit Germ und einer Prise Zucker verrühren. Alle Zutaten zu einem glatten Teig kneten und eine halbe Stunde ruhen lassen. Danach in vier Laibe teilen, so gut wie möglich quadratisch ausrollen, diagonal in vier gleiche Dreiecke teilen und von der breiten zur schmalen Seite aufrollen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und nochmals fünf Minuten ruhen lassen. Mit verquirltem Ei bestreichen, mit Kümmel und Salz bestreuen und bei 200 Grad 15-20 Minuten goldbraun backen.
Zutaten
300 g Hanfmehl 700 g Dinkelmehl 4 TL Salz 1 Ei 750 ml lauwarme Milch 1 Würfel frischer Germ 1 Prise Zucker 3 EL Rapsöl Ei zum Bestreichen Kümmel, Salz