Canas entwickelt sich zu Angstgegner von Federer: Argentinier bezwingt Schweizer!

Canas kann sich seine Serie selbst nicht erklären Spitzenposition von Federer trotzdem ungefährdet

Canas entwickelt sich zu Angstgegner von Federer: Argentinier bezwingt Schweizer!

Der "Unbesiegbare" hat seinen Angstgegner gefunden. Nach einer Serie von 41 Siegen in Folge und Lobeshymnen für den einzigartigen Tennis-Dominator ist Roger Federer auf dem Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Binnen 16 Tagen kassierte der zehnfache Grand-Slam-Sieger die zweite Niederlage gegen den Argentinier Guillermo Canas, der ihm nach Indian Wells auch im Achtelfinale von Key Biscayne mit 6:7(2),6:2,6:7(5) einen Strich durch die Titelverteidigung machte.

Schon in Indian Wells war Canas, der nach verbüßter Doping-Sperre erst im vergangenen Herbst zurück auf die ATP-Tour gekommen war, zum Stolperstein für den dreifachen Sieger des Masters-Turniers in der kalifornischen Wüste geworden. Deshalb auch hatte Federer für die Hartplatz-Veranstaltung in Miami, die er gleichfalls in den beiden Vorjahren gewonnen hat, Revanche geschworen.

"Ich habe viel, viel besser gespielt als vor zwei Wochen in Indian Wells. Ich hatte erwartet, dass ich die Partie gewinne. Nie und nimmer hätte ich dieses Spiel aus der Hand geben dürfen", sagte der Eidgenosse, der nach den bitteren 2:38 Stunden seine beispielhafte Haltung bewahrte.

Angst und bange war der Branche geworden, als Federer in fast unmenschlicher Art vor knapp zwei Monaten die Australian Open beherrscht und seinen zehnten Grand-Slam-Titel geholt hatte. Ausgerechnet Doping-Sünder Canas hat nun bewiesen, dass auch Federer seine Schwächen hat. "Na klar habe ich super gespielt", meinte der 28-Jährige und ergänzte noch immer ungläubig auf das Ergebnis starrend: "Aber vor allem hatte ich wohl eine Menge Glück. Viele Spieler werden mich nun fragen, wie ich das zwei Mal geschafft habe. Ich kann es ihnen nicht sagen, denn ich weiß es selber nicht."

Federer fühlte sich zu sicher
Ganz schlüssig war sich auch Federer nicht, warum das Match schief gegangen war. "Nach dem Break zum 5:5-Ausgleich im ersten Satz habe ich das Spiel kontrolliert. Es hätte nie zu einer so knappen Sache kommen dürfen." Doch nach dem glatten Satz-Gleichstand fühlte sich Federer offensichtlich zu sicher und gab im entscheidenden Durchgang selbst einen 2:0 bzw. 3:1-Vorsprung noch aus der Hand. "Da hätte ich den Sack zumachen müssen", ärgerte sich der entthronte Dominator.

Von Niedergeschlagenheit war freilich nichts zu spüren. Es hatte sogar den Anschein, als würde der nach wie vor unangefochten in der Weltrangliste führende Federer die Pleiten als notwendiges Übel abhaken. Denn seine Träume sind in diesem Frühjahr mehr denn je auf Sand gebaut. Als Vorbereitung auf die in gut zwei Wochen in Monte Carlo startende Sandplatz-Saison trainierte er in Florida beinhart mit Fitnesstrainer Pierre Paganini. "Seit den Australian Open geht es in meiner Planung um die French Open", sagte Federer, der den ersten Grand-Slam-Titel auf Sand will. "In Paris geht es um die Wurst."

Spitzenposition ungefährdet
Trotz der beiden Titelverluste aus dem Vorjahr ist die Spitzenposition von Roger Federer freilich ungefährdet: Auch nach den vorzeitigen Niederlagen in Indian Wells und Miami, wo er jeweils Titelverteidiger war, kann sein erster Verfolger, Rafael Nadal, zwar Boden gutmachen, bleibt aber weiter auf Respektsabstand.

Nadal holt auf
Federers Vorsprung wird aber weiter schrumpfen. In Indian Wells holte Nadal fast 800 Punkte auf. In Miami kann der Spanier mit einem Turniersieg weitere 920 gutmachen, denn Federer büßte als Vorjahressieger 425 Zähler ein, wogegen Nadal 2006 in der 1. Runde gescheitert war. Selbst wenn Nadal a la Federer das Double Indian Wells/Miami holen sollte, ist die Situation für den Schweizer nicht beunruhigend. Nadal hat als Titelverteidiger in Monte Carlo, Rom und bei den French Open sowie als Wimbledon-Finalist bis Juli kaum eine Chance, seine Punktekonto aufzustocken.

Formkurve nicht erfreulich
Allerdings ist die Formkurve Federers gerade im Hinblick auf sein großes Ziel in Paris für den Eidgenossen nicht erfreulich. Die Geduld, die ihn noch in Melbourne auszeichnete, hat die Nummer 1 der Welt zumindest vorübergehend verloren. Das ist kein gutes Zeichen für die bald beginnende Sandplatz-Saison. Federer startet in zweieinhalb Wochen mit so wenigen Siegen wie seit 2002 nicht mehr in Monte Carlo in sein erstes Aschen-Turnier 2007. In Sachen Fitness fühlt er sich aber besser denn je: Trotz zweieinhalb Stunden fühlte Federer sich gar nicht müde. "Ich hätte noch fünf Stunden lang auf dem gleichen Niveau weiterspielen können", behauptete er.

(apa/red)