Royals von

Camilla: Auf dem
Weg zur Königin

Zum 70. Geburtstag beschreibt eine Biografie ihre Liebesgeschichte neu

Camilla © Bild: Getty Images/Chris Jackson

Eine Biografie zum Siebziger von Camilla, Herzogin von Cornwall, zeichnet ein neues Bild der Gattin von Prinz Charles und enthüllt Lady Dianas dunkle Seiten. Es könnte Camilla den Weg für Größeres ebnen.

Sie war die meistgehasste Frau Großbritanniens, die Ehebrecherin, welche die als Prinzessin der Herzen verehrte Diana in die Bulimie getrieben hatte. Ein ganzes Land nannte sie Rottweiler und schob ihr die Schuld für das Scheitern der Märchen-Ehe zwischen Prinz Charles und Lady Diana in das robuste Schuhwerk. Sie war "die dritte Person" in der royalen Ehe gewesen. Das hatte Diana im Fernsehinterview die ganze Welt wissen lassen.

© imago/Independent Photo Agency Int. Camilla und Prinz Charles

Selbst 13 Jahre nach der Trennung des Thronfolgers von "Lady Di" und acht Jahre nach deren Tod hatte sich wenig geändert, als Camilla Parker Bowles 2005 mit Prinz Charles vor den Altar trat. Der Großteil der Öffentlichkeit sah in ihr noch immer die Ehezerstörerin. Nicht einmal ein Drittel der Briten freuten sich über die royale Hochzeit. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung waren auch dagegen, dass Camilla Königin würde, sollte Prinz Charles dereinst den Thron besteigen. Das Königshaus beugte sich damals dem Willen des Volkes: Camilla werde niemals mehr als den Titel Prinzgemahlin tragen, wurde verlautbart.

Doch das letzte Wort ist nicht gesprochen, und die detaillierten Enthüllungen in einer neuen Biografie über die Herzogin zu deren 70. Geburtstag am 17. Juli sind dazu angetan, die Geschichte von Charles, Diana und Camilla in ein völlig neues Licht zu rücken. "Was Diana in ihrer Biografie Andrew Morton erzählt hat, war ihr Blick auf die Wahrheit. Aber es war nicht, wie alle anderen die Wahrheit erlebt haben", schreibt Autorin Penny Junor in "The Duchess: The Untold Story". Der Vorabdruck war soeben in der britischen "Daily Mail" zu lesen. Die Enthüllungen der 67-jährigen Journalistin, die schon Biografien über Diana, Charles, Prinz William und Bücher über die königliche Familie geschrieben hat, beruhen auf zahlreichen Gesprächen mit engen Vertrauten des Königshauses und Freunden der Porträtierten. Pikant: Auch Charles hat sie vor Jahren zum langen Interview getroffen.

Dianas zerstörerische Kraft

Unsicher, egoistisch, unberechenbar, mit einem Hang zur Dramatik die eine. Umsichtig, bodenständig, humorvoll und selbstlos die andere - derart unerwartete Bilder entwirft Junor in ihrer Biografie. Lady Di ist da die manipulierende, zerstörerische Kraft. Camilla hingegen habe vieles still ertragen, um Prinz Charles und die eigene Familie zu schützen. So habe Diana die Rivalin Ende der 80er-Jahre mit nächtlichen Telefonanrufen bedroht, wie im Vorabdruck zu lesen ist: "Ich habe jemanden geschickt, um dich zu töten." Überdies sei Diana manisch eifersüchtig gewesen, sowie Charles seine Zeit nicht ihr gewidmet habe, so die Biografin. Während der Hochzeitsreise habe Charles an Deck der "Britannia" lange gemalt und sich dann kurz entfernt. Nach seiner Rückkehr habe er Bilder und Malutensilien zerstört vorgefunden: Wieder einmal habe Diana ihren Drang nach Aufmerksamkeit nicht bändigen können. In einer Fantasie wie aus Barbara-Cartland-Romanen habe Diana gelebt: zu unreif, zu naiv und zu unsicher, um ihre Aufgaben innerhalb der Familie erfüllen zu können.

Prinz Charles und Lady Diana
© imago/ZUMA/Keystone

Architekt des Desasters

Charles wird dabei nicht als schuldlos dargestellt. Vielmehr bezeichnet ihn Junor als "Architekten des Desasters", der zwar die besten Vorsätze für eine glückliche Ehe gehegt habe, aber außerstande gewesen sei, Dianas Bedürfnisse und Probleme zu verstehen. So habe er auf die Hochzeitsreise Manschettenknöpfen mitgenommen, die ihm Camilla geschenkt hatte. Das hätte freilich auch ein Versehen sein können: Der Prinz packt nicht selbst.

Die große Liebe kam spät

Junor räumt weiters mit der vorherrschenden Meinung auf, Camilla und Charles hätten seit ihrem ersten Treffen Anfang der Siebzigerjahre eine andauernde Affäre gepflogen. Camilla sei vielmehr in Andrew Parker Bowles verliebt gewesen, als sie Charles kennenlernte. Der allerdings hatte ihr nach fünf gemeinsamen Jahren noch immer keinen Heiratsantrag gemacht und sie mehrfach betrogen. Charles diente ihr eher zur Ablenkung und sollte Andrew eifersüchtig machen. "Sie wollte Mrs. Parker Bowles sein, nicht Prinzessin von Wales", schreibt Junor.

Prinz Charles 1969
© Getty Images/Hulton Archive Prinz Charles als junger Mann mit Queen Elizabeth, 1969

Camilla wurde 1973 Mrs. Parker Bowles, obwohl Charles sie noch im letzten Moment bat, von der Eheschließung Abstand zu nehmen. Jahrelang verband die beiden daraufhin eine platonische Freundschaft. Erst die Jahre an der Seite des lieblosen und untreuen Gatten hätten Camilla 1979 Charles in die Arme getrieben. Die Affäre endete freilich bald: 1981 heirateten Charles und Diana unter den Augen der Welt. Damals, so Junor, habe Charles sein eheliches Gelübde ernst genommen und entsprechend gelebt.

Das Wiederaufflackern der Liebe zu Camilla fünf Jahre später beschreibt die Autorin als unausweichliche Folge unglücklicher ehelicher Verhältnisse. Jahrelang hätten Charles und Camilla keinen Kontakt gepflogen, so Junor. Doch nach fünf Jahren Ehe sei der Prinz dem Nervenzusammenbruch nahe gewesen. Enge Freunde baten Camilla daraufhin, den Prinzen anzurufen und ihm eine Schulter zum Ausweinen zu offerieren. Erst damals, als beider Ehen schon irreparabel waren, habe die bis heute andauernde Liebesgeschichte begonnen. Schreibt zumindest Autorin Penny Junor, der freundschaftliche Nähe zu Charles nachgesagt wird. Im "Independent" dementierte sie allerdings: "Wir sind keine Freunde." Es gehe ihr bloß um die Darstellung der Wahrheit. "Ich bin mein einziger Maßstab. Ich muss glauben, dass stimmt, was ich schreibe."

Was sie schreibt, könnte die Briten indes derart für Camilla einnehmen, dass Prinz Charles sie doch noch zur Königin machen darf. Charles' Biografin Sally Bedell Smith glaubt daran: "Es ist sein absoluter Wunsch, und sie hat das Recht darauf."