Calderon kürt sich zu Mexikos Präsidenten: Einmalige Zeremonie und Demonstrationen

Nicht anerkannt: Opposition will Parlament belagern

Der umstrittene Sieger der mexikanischen Präsidentenwahl, Felipe Calderon, hat vor dem Parlament in Mexiko-Stadt trotz Protesten und Blockadeversuchen der Opposition seinen Amtseid abgelegt. Zuvor war es zu Tumulten im Plenarsaal gekommen. Die linksgerichtete Opposition warf dem konservativen Politiker Wahlbetrug vor und hatte angekündigt, den in der Verfassung vorgeschriebenen Amtseid im Kongress verhindern zu wollen.

Bei einer in der Geschichte Mexikos einmaligen Zeremonie ist der rechtskonservative Politiker Calderon als Präsident des Landes eingesetzt worden. Bei der vom Fernsehen übertragenen Veranstaltung im Präsidentenpalast Los Pinos bekam der 44-jährige Calderon in Anwesenheit seines Amtsvorgängers Vicente Fox eine mexikanische Fahne überreicht und sang die Nationalhymne.

An der Zeremonie nahmen auch die neuen Minister für Verteidigung, Marine und öffentliche Sicherheit teil. Calderon erklärte, dass er sich ins Parlament begeben werde, um dort gemäß der Verfassung in sein Amt eingeführt zu werden. Bei dieser Gelegenheit sollte ihm Fox die Präsidentenschärpe in den Nationalfarben Grün, Weiß und Rot übergeben.

Calderon, der mit einem hauchdünnen Vorsprung als Sieger aus der Präsidentschaftswahl hervorgegangen war, wird von seinem Widersacher Manuel Lopez Obrador von der oppositionellen Mitte-links-Partei der Demokratischen Revolution (PRD) nicht anerkannt. Aus Protest gegen mutmaßliche Unregelmäßigkeiten beider Wahl hatte sich Lopez Obrador vor hunderttausenden Anhängern selbst zum "rechtmäßigen Präsidenten" ausrufen lassen. Die Opposition kündigte an, dass sie die Zeremonie von Calderons Amtseinführung im Parlament notfalls mit Gewalt verhindern werde.

Zuvor war es im Parlament zu einer Prügelei zwischen Mitgliedern von Calderons rechtskatholischer Partei der Nationalen Aktion und PRD-Anhängern gekommen. Abgeordnete beider Parteien kampierten seitdem auch nachts im Parlament - die einen, um Calderons Amtseinführung sicher zu stellen, die anderen, um sie zu verhindern.

(apa/red)