bWin fusioniert mit PartyGaming: Große Zustimmung bei Hauptversammlungen

Weltweit größter Internet-Glücksspielanbieter entsteht bwin.digital will bald US-amerikanischen Markt erobern

bWin fusioniert mit PartyGaming: Große Zustimmung bei Hauptversammlungen © Bild: dpa/ Weihrauch

Die Aktionäre des börsenotierten Wiener Online-Sportwettenanbieters bwin sowie jene des britischen PartyGaming haben die Fusion zu "bwin.digital" abgesegnet. Durch den Zusammenschluß entsteht der weltgrößte börsennotierte Internet-Glücksspielanbieter.

Die Zustimmung bei bwin erreichte 99,9 Prozent, bei Party-Gaming 99,40 Prozent. Mit dem Merger entsteht ein international bereit aufgestellter Player. Die Österreicher und die Briten ergänzen sich gut: Während bwin in den ersten neun Monaten 2010 rund 54 Prozent seiner Nettospielerträge mit Sportwetten machte, war PartyGaming in den Bereichen Casino (43 Prozent) und Bingo (15 Prozent) stark. Online-Poker haben beiden Konzerne im Angebot.

Gemeinsam wollen sie nun den US-Markt eintreten, der schon bald geöffnet werden und Riesensummen hereinspielen könnte. Generell hat bwin.digital ein Auge auf alle regulierten Märkte "und Märkte geworfen, in denen eine Regulierung absehbar ist". Außerdem will man an der "zukünftigen Konsolidierung der Online-Gaming-Branche" teilnehmen. Durch die Verschmelzung, die bilanziell rückwirkend zum 30. September 2010 vorgenommen werden soll, sollen jährliche Synergieeffekte von 55 Millionen Euro entstehen, wobei im ersten Jahr nur etwa drei Viertel realisiert werden.

Synergieeffekte könnten Jobs kosten
Synergieeffekte werden wohl unter anderem im Bereich Personal entstehen, was vor allem den rund 850 bwin-Mitarbeitern in Wien, davon knapp 600 IT-Kräfte, Sorgen bereitet. Laut früheren Angaben von Teufelberger soll die IT der neuen Gesellschaft großteils aus der indischen Stadt Hyderabad kommen, dort sitzen bereits hunderte PartyGaming-Computerspezialisten. Das hat auch historische Gründe: Mitbegründer von PartyGaming war ein Softwareingenieur aus Hyderabad.

Von offizieller Seite wird ein großflächiger Jobabbau in Abrede gestellt. "Es wird Veränderungen geben, aber ein konkreter Abbau ist nicht ins Auge gefasst." Dem Vernehmen haben viele bwin-Beschäftigte in Wien keine allzugroße Lust, nach Gibraltar zu übersiedeln. Einige Mitarbeiter sind dem Konzern schon abhandengekommen: Technikchef Thomas Kiessling wechselte zur Deutschen Telekom, Sprecherin Katharina Riedl zu S&T. Der derzeitige Kommunikationsverantwortliche Matthias Winkler, früher Kabinettschef von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, macht sich nach dem Merger selbstständig.

Androsch nicht im bwin.digital-Board
Chefs von bwin.digital werden der bisherige bwin-Co-CEO Norbert Teufelberger und PartyGaming-Boss Jim Ryan. Teufelbergers Vorstandskollege bei bwin, Manfred Bodner, wird Non-Executive Director (Aufsichtsrat) der neuen Gesellschaft. bwin-Großaktionär und -Aufsichtsrat Hannes Androsch wird entgegen früherer Spekulationen nicht im bwin.digital-Board vertreten sein. Statt ihm zieht sein Anwalt Georg Riedl ein.

Androsch hält derzeit über seine Privatstiftung rund 8,8 Prozent an bwin, durch die Fusion schrumpft sein Anteil an bwin.digital auf etwa 4,6 Prozent. Die Kernaktionäre von bwin und PartyGaming hatten sich bereits im Sommer verpflichtet, dem Merger zuzustimmen. Bodner, der mit Teufelberger gemeinsam über die New Media Gaming and Holding auf Malta 5,58 Prozent hält, hatte die Möglichkeit, vor dem Merger 600.000 bwin-Aktien zu verkaufen, davon aber bisher nicht Gebrauch gemacht.

Marken sollen bestehen bleiben
Das Unternehmen betandwin wurde 1997 gegründet, ein Jahr später ging die Sportwettenplattform online. 2000 folgte der Börsegang, sechs Jahre später die Umbenennung in bwin. Mittlerweile hat der Wiener Konzern rund 20 Millionen registrierte Kunden und 1.600 Mitarbeiter. In den ersten neun Monaten 2010 kam bwin auf Nettospielerträge von rund 305 Millionen Euro. PartyGaming, mit 1.300 Mitarbeitern, erzielte im selben Zeitraum Nettospielerträge in der Höhe von umgerechnet 260 Millionen Euro. Die beiden Marken bwin und PartyGaming sollen nach der Verschmelzung bestehen bleiben.

(apa/red)