Busunfall in der Schweiz von

Rätseln über Ursache

Kein Gegenverkehr, Fahrer nicht übermüdet. Eltern müssen Kinder identifizieren.

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    Tausende Menschen haben in Lommel (Belgien) an den Trauerfeierlichkeiten für die Opfer des Busunglücks in der Schweiz teilgenommen.

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    Ein Schülerchor eröffnete die Zeremonie.

Nach dem schweren Busunglück im Schweizer Kanton Wallis mit 28 Toten wird weiter nach der Unglücksursache gesucht. Experten wollen das Bus-Wrack untersuchen, um Erkenntnisse zum Unfallhergang zu erhalten. Möglicherweise wollte der Busfahrer kurz vor dem Unfall eine DVD wechseln. Das sollen mehrere der verletzten Kinder erzählt haben. Die Schweizer Polizei sprach jedoch von reiner Spekulation.

Keines der 24 verletzten Kinder konnte bis dato das Spital verlassen, es befindet sich aber kein einziges mehr in Lebensgefahr. Eltern und Angehörige müssen nun ihre toten Kinder identifizieren. Sollte es nicht möglich sein, die Toten am Aussehen oder an den Kleidern zu erkennen, wird eine DNA-Analyse in Auftrag gegeben.

Tausende bei Gedenkgottesdienst
Sieben der 24 verletzten Kinder stammen aus einer Grundschule in Lommel an der niederländischen Grenze, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga in der Nacht zum Donnerstag berichtete. Die anderen 17 kommen aus Heverlee bei Brüssel. Unter den Verletzten befindet sich auch ein deutscher Jugendlicher. In Leuven gedachten am Mittwochabend rund tausend Menschen in einem Gedenkgottesdienst der Opfer.

Die Kinder waren nach einer Skifreizeit in der Region Val d'Anniviers am späten Dienstagabend auf der Heimreise, als ihr Bus in einem Autobahntunnel von der Fahrbahn abkam und gegen die Wand einer Nothaltestelle prallte. 28 Menschen starben, darunter 22 Kinder im Alter von etwa zwölf Jahren.

Ursache noch unklar
Die Unfallursache ist noch völlig unklar: Nach belgischen Angaben war kein weiteres Fahrzeug an dem Unglück beteiligt. In der Röhre gibt es keinen Gegenverkehr. Der Fahrer kann nach Ansicht des belgischen Verkehrsministerium nicht übermüdet gewesen sein. Auch auf technische Ursachen gab es zunächst keinen Hinweis. Spekuliert wird darüber, ob der Busfahrer eine DVD einlegen wollte. Die flämische Boulevardzeitung "Het Laatste Nieuws" schrieb, ein Lehrer aus dem belgischen Heverlee habe dem Busfahrer kurz vor dem Unfall eine DVD gebracht. Die Schweizer Polizei meinte dazu, diese Geschichte sei durch die ausgewerteten Videoaufzeichnungen im Tunnel nicht belegt.

Diskutiert wird auch über der Form der Pannenbuchten. Eine Norm, die rechtwinklige Mauern für solche Buchten vorsieht, müsse möglicherweise geändert werden, erklärte ein Sprecher des Schweizer Straßen-Bundesamtes. Angesichts des Unfalls sei "nicht ausgeschlossen, dass etwas neu diskutiert oder geändert wird", sagte der Sprecher. Der Schweizer "Tages-Anzeiger" kritisierte, nur durch die Form der Pannenbucht sei es möglich gewesen, dass der Bus frontal gegen die Mauer prallte.