Coronavirus oder: Wer zu spät klatscht, klatscht alleine

Wenn man merkwürdige Verhaltensweisen nach einigen Wochen social distancing an sich und seinen Mitmenschen feststellt.

von "Die Buschtrommel" - Coronavirus oder: Wer zu spät klatscht, klatscht alleine
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Liebe Freundinnen und Freunde da draußen, also ich weiß nicht wie es euch geht – aber ich habe den Eindruck, die Klatsch-Lust nimmt ab. Abends um 20:00 Uhr. Zumindest in meiner Nachbarschaft. Ich meine die Klatschgeste, bei der die Handflächen zusammengeschlagen werden, um Beifall zu spenden. In diesem Fall dem Pflegepersonal und vielen unermüdlich arbeitenden Ärztinnen und Ärzten. Ich bitte dies nicht zu verwechseln mit klatschen und tratschen über andere Menschen. Obwohl selbst Klatsch und Tratsch positive Effekte haben soll. Es stärkt zum Beispiel das ‚Wir-Gefühl’ der Tratschenden, dient der allgemeinen Unterhaltung und handelt häufig von grenzwertigen Themen. Zum Beispiel wer mit wem wann / wo und in welcher Stellung im Gebüsch gelegen hat. Klatsch und Tratsch lässt selten etwas aus. Hat die jetzt gebotoxt oder nicht? Und hat man ihn nicht neulich im Ferrari mit diesem jungen Häschen gesehen, kurz nachdem er seine Frau für 4 Stunden beim Coiffeur geparkt hat?

Aber zurück zum in die Hände klatschen. Ich stehe also vorgestern Abend punkt 20:00 Uhr auf meinem Balkon. Auf einigen anderen Balkonen stehen meine Mithäftlinge und wir klatschen in die Hände. Nach einer Minute ist der Spuk vorbei. Das war vor zwei Wochen noch anders. Da wurde mindestens bis 20:15 Uhr so was von in die Hände gepfeffert, dass es eine helle Freude war. Dazu blies irgendwoher ein Schiffshorn, ein Alt-Hippie spielte Gitarre und irgendwie hatte das ganze etwas von einer kurzen Party. Aber jetzt: antreten, klatsch, klatsch, abtreten. Man unterscheidet übrigens vier verschiedene Arten des Klatschens: Flachhandklatschen, Hohlhandklatschen, Rückhandklatschen und Brunnenklatschen. Wusstet ihr nicht? Auch egal.

Da es zurzeit angenehm warm ist, lasse ich meine Balkontür abends nun länger auf. Und so höre ich um 20:03 meine Nachbarin zur Linken auf den Balkon treten. Sie fängt an zu klatschen und wundert sich, dass sonst niemand klatscht. Sie haut in die Tasten, Verzeihung Hände, dass es eine wahre Freude ist, ihr zuzuhören. Dabei spricht sie sehr laut mit sich selbst und fragt sich, warum sonst niemand klatscht. Schließlich geht sie in ihr Wohnzimmer und brüllt ihren Mann an (die Stimmung ist nach 5 Wochen Ausgangssperre an der ein oder anderen Stelle jetzt doch ein wenig gereizt) und fragt / schreit, was die Scheiße soll. Ob das Klatschen abgesagt worden sei. Warum er ihr denn nichts gesagt habe. Der arme Kerl ist völlig überrumpelt, weiß von nichts und kommt mit ihr gemeinsam zurück auf den Balkon. Die Frau brüllt laut von ihrem Balkon "los ihr Deppen, warum klatscht ihr nicht" und fängt dann gemeinsam mit ihrem Mann erneut an zu klatschen. Beide klatschen dann eine Weile vor sich hin, geben schließlich ermattet auf und gehen zurück in ihr Wohnzimmer.

Ich genieße die plötzliche Stille. Ja, man kann merkwürdige Verhaltensweisen nach einigen Wochen social distancing an sich und seinen Mitmenschen feststellen. Es ist übrigens nicht schlimm, wenn ihr zu Hause anfangt, mit Gegenständen zu sprechen. Alles völlig normal. Bedenklich wird es erst, wenn die Gegenstände antworten.

Und jetzt seid ihr dran liebe Leserinnen und Leser! Was werdet ihr euren Enkelkindern einmal über diese Zeit erzählen? Schreibt mir eine E-Mail an info@corinnabusch.com

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