Burmesische Militär setzt Repression fort: Wieder zahlreiche Festnahmen in Rangun

Neben Verhaftungswellen aber auch Dialogangebot Der Junta-Chef will mit Suu Kyi zusammentreffen

Burmesische Militär setzt Repression fort: Wieder zahlreiche Festnahmen in Rangun

Die Militärjunta in Burma hat der Opposition nach weltweiten Protesten gegen die Niederschlagung friedlicher Demonstrationen überraschend ein Gesprächsangebot gemacht. Junta-Chef Than Shwe sei bereit, sich mit der Oppositionsführerin und Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zu treffen. Allerdings seien daran Bedingungen geknüpft: Suu Kyi müsse ihren Konfrontationskurs und die Unterstützung für westliche Sanktionen gegen das Land aufgeben.

Die Verhaftungswelle ging unterdessen in Rangun weiter. Menschen wurden wieder mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und weggeschafft. In der Nacht zum Donnerstag waren die Kommandos nach Angaben von Einwohnern in der Nähe der Shwedagon-Pagode unterwegs. Im Visier waren demnach Menschen, die während der Demonstrationen vergangene Woche am Straßenrand standen oder Fotos machten. "Ihr Verbrechen ist, dass sie geklatscht und die Mönche angefeuert haben", sagte ein Augenzeuge.

Das Regime räumte die Festnahme von 2.093 Menschen ein. 692 seien wieder freigelassen worden. Nach Informationen des Exilsenders "Democratic Voice of Burma" in Norwegen sind auch mindestens 20 einheimische Journalisten verschwunden. An der Shwedagon-Pagode hatten sich Anfang vergangener Woche zehntausende Mönche zu ihren Protesten gesammelt. Bürger hatten dort spontan Menschenketten gebildet, um die Mönche vor Übergriffen zu schützen.  

Ban "höchst besorgt"
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte in New York, er sei "höchst besorgt" über die Lage in dem südostasiatischen Land. Der Weltsicherheitsrat setzte noch für Donnerstag eine Sondersitzung an, um die Regeln für das Zusammentreffen mit dem UN-Sondergesandten Ibrahim Gambari an diesem Freitag festzulegen. Gambari war über das vergangene Wochenende zu Krisengesprächen in Burma. Er wollte Ban noch am Donnerstag über seine Gespräche informieren. Er sei "schon recht zufrieden", dass Gambari "überhaupt mit Vertretern von Burmas Führung und Frau Aung San Suu Kyi zusammentreffen konnte", sagte Ban. Gambari werde im November ein zweites Mal nach Burma reisen.

"Ich mache mir große Sorgen über das Schicksal der Gefangenen", sagte der finnische Botschafter in Rangun, Lars Backstrom. "Die Zahl der Festgenommenen ist offenbar recht hoch, und niemand darf die Menschen besuchen." Das Regime verweigert dem Roten Kreuz seit Monaten den Zugang zu Gefangenen. Freigelassene berichten von Internierungslagern im Umkreis von Rangun mit verheerenden hygienischen Zuständen. Dort sollen neben Zivilisten auch hunderte festgenommener Mönche eingekerkert sein.

Die Razzien legen nach Meinung von Beobachtern den Schluss nahe, dass das Militär vergangene Woche schon vor der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Einsatz war: mit Geheimdienstlern in Zivil, die Demonstranten und Zuschauer fotografierten. "Wir haben Bilder, wir wissen, wer dabei war", tönte es nach Angaben von Einwohnern in den letzten Tagen von Lautsprecherwagen, die durch die Straßen fuhren. In den engen Gassen von Rangun blieben die Festnahmen trotz der nächtlichen Ausgangssperre nicht unbemerkt. Die Menschen versuchten, Nachbarn durch Lärm zu alarmieren.

Der Militäreinsatz vergangene Woche hatte weltweit Empörung ausgelöst. Das Regime räumte zehn Tote ein, Dissidentengruppen sprechen dagegen von 200. Suu Kyi hatte mit ihrer "Nationalliga für Demokratie" die Wahlen von 1990 haushoch gewonnen, doch erkannte das seit 1962 regierende Militär das Ergebnis nie an.

(apa/red)