Burgtheater von

Russischer Denver-Clan

Susanne Zobl über die Premiere von Maxim Gorkis „Wassa Schelesnowa“

Wassa Schelesnowa © Bild: Georg Soulek

Unter Nikolaus Bachler war Andreas Kriegenburg Hausregisseur an der „Burg“. Nach 15 Jahren Abwesenheit kehrt er mit einer grandiosen Arbeit zurück. Er zeigt Maxim Gorkis Familiendrama „Wassa Schelesnowa“ als Kampf der Generationen um Macht und Geld. Harald B. Thor hat ihm dafür mit einer schwebenden Holzbühne das kongeniale Ambiente geschaffen.

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Der Samowar darf nicht fehlen. Auch sonst erinnert alles irgendwie an Tschechow, man hadert mit Langeweile, Leben und Liebe. Und man sehnt sich nach Moskau. Niemand in dieser Familie Schelesnow hat es zu einer glücklichen Ehe gebracht. Als der Hauspatriarch im Sterben liegt, spitzt sich zwischen den beiden Söhnen Pawel (Tino Hillebrand), Semjon (Martin Vischer) und der Tochter Anna (Andrea Wenzel) der Kampf um das Erbe zu. Im Zentrum steht Wassa (Christiane von Poelnitz), die Mutter, die Matrone, die mit List, Intrigen und Networking, die Firma der Familie an sich bringt, um sie vor dem missratenen Nachwuchs zu bewahren.

Ein veritables Kunstwerk ist Harald B. Thors Bühne. Eine gewölbte Konstruktion aus Holzbrettern und –schindeln dient je nach Bedarf als Zimmerboden oder als Dach. An vier Seilen wird sie gehoben, gesenkt oder in Schieflage gebracht. So wie es eben zugeht mit dem Haussegen. Das verlangt den Schauspielern ein enormes Balancegefühl ab, aber es bereichert die Aufführung. Kriegenburg zeigt die Urfassung Gorkis aus dem Jahr 1910, nach der ersten Revolution hat er das Stück umgearbeitet. Der Text hat Schärfe und bringt alles mit, was Fernsehserien wie Dallas oder Denver-Clan gebraucht haben. Eine starke Führungspersönlichkeit, am besten eine Frau wie Wassa, einen lebenshungrigen, aber herzkranken Onkel (Peter Knaack), der ebenso hinter dem Vermögen her ist, wie seine Neffen und Nichten und eine Schwiegertochter, die nach dem Leben giert.

Vorzügliches Theater

Kriegenburg erzählt die Geschichte dieser russischen Familie kurzweilig, flott, rhythmisch. Er vermittelt die Langeweile des russischen Landlebens ohne dieselbe zu erzeugen, er zeigt die Hysterien seiner Figuren mit präziser Personenführung, Schon der Einstieg ins Geschehen reißt einen mit, wenn die in historischen Kostümen gewandeten Figuren mit auf Leintüchern gedruckten Texten das Geschehen kommentieren. Was folgt, ist vorzügliches Theater.

Christiane von Poelnitz zeigt eine starke, eindrucksvolle Familienchefin, Andrea Wenzel beeindruckt als ihr ebenbürtige Tochter. Alina Fritsch hat als Dienstmädchen Lipa viele starke Momente und die versteht sie zu nützen. Aenne Schwarz (Ludmilla) und Frida-Lovisa Hamann (Natalja) könnten an Entäußerung etwas mehr sparen. Sabine Haupt (Dunjetschka) und Dietmar König (Michailo) ergänzen sehr gut.

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