Wirtschaftsprüfung von

Burgtheater: Entlassene Vizedirektorin belastet

Verdachtsmomente gegen Silvia Stantejsky "bestätigt", Verlust zumindest 8,3 Mio.

Burgtheater in Wien © Bild: APA/Georg Hochmuth

Der Zwischenbericht zur wirtschaftlichen Lage des Burgtheaters weist "deutliche Indizien für gefälschte Belege und die Vorspiegelung falscher Tatsachen" auf. Wie der Aufsichtsrat des Theaters in seiner heutigen Sitzung unterrichtet wurde, ist daher für das Jahr 2012/13 mit einem Bilanzverlust von "voraussichtlich" 8,3 Mio. Euro zu rechnen. Dazu könnten 5 Millionen Euro Steuernachzahlungen kommen.

Diese stünden "aufgrund formaler Versäumnisse der kaufmännischen Direktion im Raum", wie es in einer Aussendung der Bundestheater Holding heißt. Die Wirtschaftsprüfer hätten bereits eine Offenlegung an die Finanzbehörde übermittelt. Die endgültige Bilanz für 2012/13 soll Ende April vorliegen, das laufende Geschäftsjahr sei mit Ausnahme der Steuernachzahlungen "nicht belastet". Bundestheater-Chef Georg Springer betont in der Aussendung, das Burgtheater arbeite "künstlerisch äußerst erfolgreich und ist in keiner Weise in seiner Existenz gefährdet."

Gegen die mittlerweile entlassene ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky habe der Zwischenbericht die bisherigen Verdachtsmomente "vollinhaltlich bestätigt". Es sei zu nicht nachvollziehbaren Ein- und Auszahlungen gekommen. Die rechtliche Prüfung des Falles soll bis Ende Februar abgeschlossen sein - bis dahin werde auch der Endbericht vorliegen. Man behalte sich "alle notwendigen rechtlichen Schritte bis hin zur Einleitung strafrechtlicher Maßnahmen" vor.

Stantejsky: Vorwurf der Fälschung "ungeheuerlich"

Silvia Stantejsky, die entlassene Vizedirektorin des Burgtheaters, weist die jüngsten Vorwürfe gegen ihre Gebarung mit Entschiedenheit zurück. "Der Vorwurf, dass ich Belege gefälscht hätte, ist unrichtig und ungeheuerlich", so die frühere Kaufmännische Geschäftsführerin des Theaters am Montagnachmittag in einer schriftlichen Stellungnahme.

"Ich habe weder Belege gefälscht, noch habe ich irgendjemanden Informationen über die finanzielle Situation des Burgtheaters vorenthalten, sondern habe sämtlichen Kontrollinstanzen immer vollständig und wahrheitsgemäß Auskunft erteilt. Die schwierige budgetäre Situation des Burgtheaters war allen verantwortlichen Personen bekannt. Aufgrund dieser Situation bin ich ab September 2013 nicht mehr als kaufmännische Direktorin zur Verfügung gestanden", heißt es weiter.

Sämtliche Auszahlungen seien rechtmäßig erfolgt. Sie sei immer bereit gewesen, "jeden Zahlungsfluss zu erklären. Auch nach meiner Entlassung wurde ich regelmäßig zu Besprechungen im Burgtheater hinzugezogen, um eine ordnungsgemäße Erstellung des Jahresabschlusses zu gewährleisten. Dies erfolgte natürlich immer unter Teilnahme und in Kenntnis der Geschäftsführung des Burgtheaters."

Vom Inhalt des heute dem Burgtheater-Aufsichtsrat vorgelegten forensischen Zwischenberichts der Wirtschaftsprüfer und den darin enthaltenen schwerwiegenden Vorwürfen habe sie nur aus den Medien erfahren, beklagte Stantejsky. "Ich bin weiterhin zuversichtlich, dass sich die Haltlosigkeit sämtlicher gegen mich geäußerten Vorwürfe vor Gericht herausstellen wird." Stantejsky hat gegen ihre Entlassung Klage beim Wiener Arbeits- und Sozialgericht eingereicht. Nachdem eine erste Tagsatzung zunächst einvernehmlich verschoben wurde, ist nun für 7. April ein erster Termin anberaumt.

Die prognostizierten Verluste im Detail:

Voraussichtlicher Bilanzverlust des Burgtheater 8,3 Mio. Euro
2012/13
Sich zusammensetzend aus:
Geänderte Abschreibungsmethodik 5,6 Mio. Euro
Wertberichtigungen aus nicht nachvollziehbaren 1,1 Mio. Euro
Buchungen
Gestiegene Personal- und Betriebskosten 0,9 Mio. Euro
Falsch kalkulierte Gastspielerträge und sonstige 0,7 Mio. Euro
Einnahmen

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