Burgstaller im FORMAT: Landeshauptfrau
über Gusenbauer, Festspiele und Fußball

Burgstaller über SPÖ-ÖVP:"Der Anfang war mühsam" Welche Aufgaben sollen Länder künftig übernehmen?

Burgstaller im FORMAT: Landeshauptfrau
über Gusenbauer, Festspiele und Fußball

Der August ist für Gabi Burgstaller alles andere als ein Ferienmonat. August ist in Salzburg Festspielzeit, und für sie bedeutet das: repräsentieren, repräsentieren und nochmals repräsentieren. Macht sie das gerne? Aber ja - schließlich ist sie ja Landeshauptfrau. Ein Gespräch mit der Frau, die um ein Haar Bundeskanzlerin geworden wäre.

FORMAT: Frau Landeshauptfrau, wenn man in diesen Festspieltagen durch Salzburg geht und überall in Touristen und Festspielgäste reinläuft, wird einem als Nicht-Salzburger ganz mulmig. Leben Sie nicht in einer ziemlich eigenartigen Stadt?

Burgstaller: Aber nein! Salzburg ist eine der schönsten Städte der Welt und vor allem im Sommer sehr lebhaft. Gehen Sie durch die Gassen, Sie werden glauben, Sie sind in Italien. Wir sind im Sommer die Kulturhauptstadt, hier sind die besten Künstler der Welt …

FORMAT: Lassen Sie uns zur Politik kommen. Sie waren bis Ende Juni Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz. Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf der Finanzausgleichsverhandlungen?

Burgstaller: Ich glaube, dass man hier durchaus grundsätzlich etwas ändern muss, und ich habe mich dafür auch eingesetzt. Aber dieses Thema gehört zu den komplexesten des Landes, und darum wurde ich von vielen Leuten gewarnt, hier etwas zu verändern. Es schaut so aus, als gäbe es keine Mehrheit in Österreich, hier etwas zu verändern. Der Bund hat genauso Schwierigkeiten wie die Länder, niemand will über den Tisch gezogen werden.

FORMAT: Dann umreißen Sie uns einmal Ihre Vision. Was sollte sich ändern? Welche Aufgaben sollten Ihrer Meinung nach die Länder übernehmen?

Burgstaller: Es bräuchte dringend einige Klarstellungen. Probleme, die in allen Bundesländern gleich sind, sollen auch vom Bund gelöst werden, der Gesundheitsbereich etwa. Hier soll der Bund die Linie vorgeben, die Länder sollen sich um die Organisation kümmern. Oder beim Jugendschutz - warum gibt es hier in allen Bundesländern unterschiedliche Gesetze? Auch hier soll der Bund Regeln vorgeben, wir als Länder sollten das dann kontrollieren.

FORMAT: Die große Koalition hat sich auch für diesen Bereich der Verwaltungsreform viel vorgenommen, passiert ist aber noch wenig. Kann die große Koalition einfach keine Probleme lösen?

Burgstaller: Wenn ich mich richtig erinnere, gibt es die Koalition seit Jänner. Es wurde das große Demokratiepaket verabschiedet, der Rest wird gerade erarbeitet, Man hat sich vorgenommen, diese Reform in mehreren Etappen zu machen, und das halte ich für richtig. Es besteht die Chance, die Themen für sich zu erarbeiten und auf den Weg zu bringen, das halte ich für realistischer, als im stillen Kämmerchen einen großen Wurf auszuhecken.

FORMAT: Trotzdem hat die Koalition alles andere als einen guten Ruf.

Burgstaller: Es war am Anfang sicherlich etwas mühsam. Und das verstehe ich auch. Die Erwartungen der Parteien an den Wahltag waren andere, als die Wähler dann entschieden haben. Die ÖVP hatte einen ziemlichen Frust, dass sie nicht mehr Erste war, und bei uns war die Überraschung sehr groß, dass wir Erste wurden. Dass wir nun aufeinander angewiesen sind, weil es keine andere Regierungsform gab, hat es auch nicht einfach gemacht. Das Programm ist stärker geprägt von der Suche nach einem Kompromiss als von großen Visionen einer großen Koalition, aber es ist einiges passiert, auf das vor einem Jahr niemand gewettet hätte.

FORMAT: Sind Sie nicht ein wenig traurig, dass Sie 2005 den Lockrufen Ihrer Parteifreunde nicht nachgegeben haben und nicht Parteivorsitzende wurden?

Burgstaller: Ich habe das damals bewusst entschieden, darum bin ich weder traurig noch froh. Ich kenne mich selbst gut genug und weiß deswegen, wo meine Position ist, nämlich hier. Ich mag den direkten Zugang zu den Menschen. Als Minister oder Kanzler wäre das etwas schwieriger. Ich leide jetzt schon darunter, dass ich als Landeshauptfrau nicht mehr so viel Zeit für Begegnungen habe.

FORMAT: Trotzdem: Sie könnten jetzt Bundeskanzlerin sein.

Burgstaller: Ich bin überzeugt davon, dass Alfred Gusenbauer das viel besser kann, mit seiner internationalen Vernetzung, mit seiner Kenntnis der Politik.

FORMAT: Eine letzte Frage, eher die Bitte um Klarstellung für Nicht-Salzburger. Wer ist eigentlich der wichtigste Salzburger? Die Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler oder doch Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz?

Burgstaller: Beide sind sehr wichtig für uns. Ich bin sehr froh, dass die Zusammenarbeit mit den Festspielen so friktionsfrei läuft. Ich achte darauf, dass die Festspiele möglichst viele Menschen ansprechen, Helga Rabl-Stadler achtet auf das Geld und geht auf die Sponsoren zu. Bei Herrn Mateschitz bin ich der Meinung, dass er für Salzburg ein Volltreffer ist. Was er für Salzburg getan hat, ist unglaublich, und vieles davon passiert im Stillen.

FORMAT: Das klingt für einen Marketingmenschen wie Mateschitz dann doch eher ungewöhnlich.

Burgstaller: Doch, das ist so, vor allem im sozialen Bereich. Da stellt er sich nicht ins Schaufenster. Aber natürlich passiert bei ihm auch manches im Hellen, etwa der Erfolg unserer Fußballer und Eishockeyspieler. Das hätte sich der Steuerzahler nicht leisten können. Als Landeshauptfrau bin ich froh, dass er den Fußballklub macht und dass so die Miete für unser Stadion pünktlich bezahlt wird. Noch froher bin ich, dass wir Meister geworden sind und hoffentlich bald in die Champions League kommen.

Lesen Sie das gesamte Interview mit Landeshauptfrau Gabi Burgstaller in der aktuellen FORMAT-Ausgabe (08/33)!