Burgenland eröffnet die Wahlkampfarena:
Opposition schmiedet "Allianz gegen Niessl"

ÖVP, Grüne und FPÖ holen sich prominente Hilfe

Im Burgenland stehen die Zeichen seit vergangenem Wochenende ganz auf Wahlkampf: Für ihren offiziellen Wahlkampfstart holten sich die Landesgruppen von ÖVP, Grünen und FPÖ durch die Bank prominente Unterstützung aus der Bundespartei.

In familiärer Atmosphäre haben die Grünen am Sonntag in der Cselley Mühle in Oslip (Bezirk Eisenstadt Umgebung) ihren Wahlkampf offiziell gestartet. Neben Spitzenkandidat Michel Reimon präsentierten sich auch die vier weiteren Kandidaten der Landesliste, allen voran Klubobfrau Grete Krojer. Unterstützung gab es auch von Bundessprecherin Eva Glawischnig und ihrem Vorgänger Alexander Van der Bellen. Für die Landtagswahl in 28 Tagen sei laut Glawischnig ein "drittes oder gar ein viertes Mandat" möglich.

In den Sprachen Deutsch, Burgenland-Kroatisch und Ungarisch begrüßte Landessprecher Josko Vlasich die rund 120 Besucher im Großen Saal der Cselley Mühle. Nach einigen Worten von Julia Tinhof, Christian Schreiter und Christiane Brunner - sie treten auf den Plätzen drei, vier und fünf an - übernahm Krojer den Platz am Rednerpult. Sie betonte zum wiederholten Mal am Beispiel der Windenergie, dass die "Grünen Konzepte von gestern", die "Realität von heute" seien. Krojer will gemeinsam die Menschen davon überzeugen, "dass jetzt eine absolute Mehrheit der SPÖ ein Ende haben muss, dass endlich Grüne Politik wieder stärker wird", so die Klubobfrau.

Spitzenkandidat Reimon setze sich "hohe Ziele". Schließlich habe man ja erst vor einer Woche eine Wahl gewonnen, reklamierte er den Wahlsieg von Heinz Fischer bei der Präsidentschaftswahl auch ein wenig für die Grünen. "Mit einem Kandidaten, den wir unterstützt haben, ohne dass wir uns intensiv dahinter geklemmt haben, haben wir 80 Prozent gemacht. Wenn wir jetzt vier Wochen richtig laufen, dann ist einiges möglich", meinte Reimon.

Es gehe beim Erfolg nicht darum, dass man als Partei einen Erfolg habe. "Es geht schon gar nicht darum, wenn man ein drittes Mandat kriegt, dass wir einer Person, die 23, talentiert und frech ist, einen Job verschaffen", so der Spitzenkandidat mit Bezug auf die Listen-Dritte Tinhof. "Es geht darum, dass wir unserem Ziel, unseren Idealen, unseren Werten mehr Gewicht geben. Ohne Gewicht, werden wir sie nicht umsetzen können. Das müssen wir einpacken in einen Erfolg. Ohne Erfolg werden wir das so nicht schaffen", sagte Reimon.

Von einem Gegenangebot für die "wahrscheinlichste", nämlich eine "rot-blaue Arbeitsvariante" sprach Reimon auch am Sonntag erneut. Außerdem kritisierte er ein weiteres Mal die beiden Regierungsparteien, die immer mehr am "rechten Rand" stünden.

Bundessprecherin Eva Glawischnig zeigte sich nach dem Auftritt des Spitzenkandidaten "stolz". Sie sei sehr stolz auf Reimon, dass er "unser Grüner Spitzenkandidat im Burgenland ist und zweitens wie er's auch macht". "Ich bin überzeugt, dass sich das auswirken wird, mit einem dritten oder gar vierten Mandat", so die Bundespolitikerin. Generell sei sie auf die Burgenländischen Grünen sehr stolz. "Das Burgenland ist ein Ort wo sehr viele grüne Ideen verwirklicht worden sind", so Glawischnig. Die Bundespartei und sie würden die Landesorganisation "unterstützen wo es immer geht", auch wenn diese die Hilfe "eigentlich gar nicht brauchen".

Glawischnig verglich bei ihrer Rede erneut den burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl (S) mit dem verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider. Dieser habe seinerzeit begonnen, ganz unverschämt Geld aus der Landesregierung in Parteiwerbung umzuwidmen. "Wir kommt man als Steuerzahler dazu, das Gesicht Niessls mit seinem eigenen Steuergeld plakatiert überall im Land zu sehen, wo man ganz andere Bedürfnisse und Sorgen und Probleme hat" , so Glawischnig.

Mit prominenter Unterstützung aus den Reihen der Bundespartei ist die ÖVP Burgenland am Abend des 1. Mai in den Intensiv-Wahlkampf für die in 29 Tagen stattfindende Landtagswahl gestartet. Neben Vizekanzler Josef Pröll nahmen auch Außenminister Michael Spindelegger, Umweltminister Niki Berklakovich und Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka an der Veranstaltung zum "Tag der neuen Arbeit" teil, zu der die Landes-ÖVP mit Parteichef Franz Steindl in die Vinothek "Weinwerk" in Neusiedl am See geladen hatte.

Der Vizekanzler erklomm trotz Gips - von dem er zwei Wochen vor der Burgenland-Wahl befreit werden soll - die Bühne, auf der Steindl und die VP-Regierungsmitglieder ihre Statements abgaben. Bei der Landtagswahl im Burgenland gelte es, "die Roten vom hohen Ross zu holen in diesem Bundesland."

Die SPÖ habe bei den kommenden Urnengängen einen Landeshauptmann in der Steiermark und zwei Absolute in Wien und im Burgenland zu verteidigen. "Und wenn es gelungen ist, das alles zu brechen, starten wir im Bund 2013 zum nächsten Höhenflug", skizzierte der Parteiobmann die Marschrichtung in der ÖVP für die kommenden Monate. Im Burgenland erfolge ein wichtiger Startschuss.

Dass es "um sehr viel" gehe, unterstrich auch Steindl, der erneut das seit 2005 in der Landesregierung herrschende Klima kritisierte. Die SPÖ habe "einen Stil entwickelt, der entspricht nicht der burgenländischen Mentalität." Das Burgenland gehöre nicht einer Partei, sondern allen Burgenländern. Man habe ein Tief überwunden, es gehe wieder aufwärts, meinte Steindl. Es gebe die Chance, die Absolute zu brechen.