Schlossherren von

"Sonntags trage ich Rüstung"

Khevenhüller-Metsch lädt auf einen Rundgang durch die Burg Hochosterwitz

Burg Hochosterwitz © Bild: NEWS/Sebastian Reich

Lautstark quält sich der grüne Fiat Panda über die schmale Straße. 14 Tore gilt es zu passieren, bis man schließlich in 750 Metern Höhe vor dem einschüchternd prächtigen Tor der Burg Hochosterwitz steht. Das Steuer des bürgerlich dimensionierten Fahrzeugs führt gekonnt Graf Karl Khevenhüller-Metsch. "Das Auto hat schon mein Vater angeschafft. Die Leute in der Gegend nennen es das Fürsten-Mobil", lächelt der Aristokrat, glaubhaft amüsiert über das Erstaunen, das sein Fahrzeug bei Unkundigen auslöst.

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Burg Hochosterwitz
© NEWS/Sebastian Reich Burg Hochosterwitz thront auf einem schroffen Kalkfelsen

Anno 2009 rief ihn die Pflicht von Madrid ins Kärntner Hochosterwitz. Wiewohl der jüngste von drei Brüdern, übernahm Graf Karl Burg und Ländereien: Der älteste Bruder, laut Erbfolge eigentlich hauptzuständig, wollte den Lebensmittelpunkt Rom nicht aufgeben und verzichtete. Ein weiterer Bruder lebt in Südamerika, auch ihn konnte das wilde Kärnten nicht locken. Auf Geheiß des 1587 verwichenen Urahnen Georg Khevenhüller darf die Burg seit nunmehr 16 Generationen nur in männlicher Linie weitergegeben werden, die Schwestern schieden somit von vornherein aus.

Burg Hochosterwitz
© NEWS/Sebastian Reich An den Wänden prangen Jagdrelikte.

Karl Khevenhüller-Metsch packte also seine Koffer, um mit Gattin Lelia und den vier Kindern ins Kärntner Hinterland zu retirieren. Ein Schritt, der für den gräflichen Nachwuchs kein einfacher war, mussten doch Freunde, Schule und das gewohnte Leben zurückgelassen werden. Statt unbeschwerter Tage unter spanischer Sonne standen auf einmal Mittelalterfeste in Originalkostümen im Beisein der stramm stehenden Khevenhüller-Garde auf dem Familienplan.

Burg Hochosterwitz
© NEWS/Sebastian Reich Der historische Ziehbrunnen im Innenhof wird von einstöckigen Gebäuden eingefasst.

Schutz- und Fluchtburg

Hochosterwitz selbst diente in seiner 500- jährigen Geschichte den Khevenhüllers nie als Wohnsitz. Von Anfang an war sie als Schutz- und Fluchtburg für die Bevölkerung konzipiert, Stützpunkt für das Heer und Zufluchtsort gegen einfallende Horden. Das Gefühl, in "seiner" Burg zu logieren, kennt der Graf bis heute nicht. "Ich sehe sie als ein Familiengut, das über Jahrhunderte erhalten wurde. Ich bin jetzt der Verwalter und gebe es an die nächste Generation weiter", zeigt er Pragmatismus.

Burg Hochosterwitz
© NEWS/Sebastian Reich Der Burgheer auf dem Balkon.

Mag er die Erhaltung des Erbes somit eher aus der Position des Managers sehen: Der faszinierenden Familiengeschichte kann er sich doch nicht entziehen. "Es gibt Portraits von meinen Ahnen, die sehr authentisch gemalt wurden. Genau so haben die ausgeschaut, als sie hier gelebt haben. Da läuft es einem schon kalt den Rücken runter. Das sind 500 Jahre alte Bilder von Leuten, die meine direkten Vorfahren sind. Das bewegt einen schon", sagt er und repräsentiert mit einem Mal eine lange und glänzende Familiengeschichte.

Burg Hochosterwitz
© NEWS/Sebastian Reich Insgesamt 14 Tore führen hinauf zur Burg.

Familie Khevenhüller wohnt, wie Generationen vor ihr, in Niederosterwitz. Freiherr Georg Khevenhüller ließ das Gebäude 1560 errichten. Seither wurde es oft umgebaut und adaptiert, zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Urgroßeltern des heutigen Hausherrn. Gegen die Burg mit ihren 30.000 Quadratmetern Dachfläche nimmt sich das Anwesen bescheiden aus. Jagdtrophäen des Großvaters schmücken die Wände und Gänge des warmen und gemütlichen Wohnsitzes. Ob der Graf lieber in der Burg wohnen würde? "Es ist ein ganz eigenes Gefühl, wenn man oben auf der Burg ist. Es herrscht Ruhe und man vergisst die Hektik. Vielleicht ziehe ich herauf, wenn ich einmal meine Ruhe haben will", so Khevenhüller.

Burg Hochosterwitz
© NEWS/Sebastian Reich Einer von drei Teppichen, die Georg Graf Khevenhüller vor fast 500 Jahren anfertigen ließ, dient als Wandschmuck.

Das "Geschäft" des Grafen

Auch wenn die Besucherzahlen schon besser waren, kommen doch an die 60.000 Besucher jährlich, um in der Rüstkammer den Restbestand der Khevenhüller-Harnische zu begutachten. Dem Trend folgend beleben neben dem Museum auch Ausstellungen und Veranstaltungen das Aufkommen. "Um den Touristen gerecht zu werden, tanzen wir auch Schuhplattler und ziehen uns eine Rüstung an", übt sich der Burgherr in trockenem Sarkasmus.

Burg Hochosterwitz
© NEWS/Sebastian Reich Der Renaissance- Altar stammt aus der Burgkirche. Der betende Ritter stellt den Ahnen Georg Khenvenhüller dar.

Jährlich gehen bis zu 400.000 Euro in die Erhaltung der Burg. Mit den Eintrittsgeldern ist da nicht viel auszurichten, Subventionen sind kaum zu bekommen. Als sichere Einnahmequelle dient das Geschäft des Grafen: Karl Khevenhüller ist als Projektentwickler im Bereich der erneuerbaren Energie tätig, betreibt Windparks in Spanien und bereist die Welt in Sachen Windenergie. Auch für Kärnten gibt es Pläne, vor deren Umsetzung es jedoch noch einige Hürden zu überwinden gilt.

Burg Hochosterwitz
© NEWS/Sebastian Reich Hier findet man alles, was man für den Kampf braucht.

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