Bundestagswahl von

Unterkühltes Duell

Leichte Vorteile für Peer Steinbrück in einer TV-Debatte ohne echte Highlights

Merkel und Steinbrück im TV-Duell. © Bild: REUTERS/ARD/Max Kohr/Pool

Das deutsche TV-Duell folgte ganz anderen Regeln als die unzähligen Duelle in Österreich: Einerseits gibt es nur ein einziges Kanzlerduell, während in Österreich unzählige Debatten stattfinden. Andererseits ließ das deutsche Duell kaum Raum für journalistische Zwischenfragen, war die Debatte doch in ein strenges Regelkorsett eingebunden. Vier Moderatoren standen einander im Weg und moderierten mehr oder weniger ungebremste Wahlreden der Kandidaten. Am Ende hatte SPD-Kandidat Peer Steinbrück leichte Vorteile.

Spannung kam kaum jemals auf im deutschen TV-Duell, dafür sorgten schon die Regeln der Debatte, die offenbar vorsahen, dass jeder der beiden Kandidaten abwechselnd die Meinung zu einem Themenblock äußern durfte, wozu die vier Moderatoren - wenn überhaupt – nur zaghafte Zwischenfragen stellten.

Gegenüber den österreichischen Duellen hatte die Debatte aber auch klare Vorteile: Die politischen Überzeugungen der Kandidaten und ihre Konzepte standen gegenüber Showeffekten und inszenierten Streitigkeiten im Vordergrund. Trotzdem hinterlässt die Debatte insgesamt einen bitteren Beigeschmack.

Eine Debatte für die Polit-Elite

Denn die Aneinanderreihung von Parteiprogrammen und Wahlversprechen setzt beim Publikum sehr viel voraus. Auf dieser Grundlage kann nur sinnvoll entscheiden, wer sich intensiv mit der Materie beschäftigt hat und viel Vorwissen, sowie ein sehr starkes Interesse an der deutschen Bundespolitik hat. Im Grunde also eine Debatte für die Bildungs- und Politik-Elite. Eine Einordnung der Argumente durch die Kandidaten selbst, oder kritische Nachfragen der Moderatoren gab es nämlich kaum. Den Faktencheck mussten die Zuseher somit zur Gänze allein bewältigen.

Denn die vier Moderatoren (zwei vom Privat-TV und zwei aus dem öffentlich rechtlichen Rundfunk) standen sich die meiste Zeit im Weg. Ihre Rolle war äußerst begrenzt auf das Anmoderieren, die Rolle als Stichwortgeber und das Stellen zaghafter Nachfragen. Stefan Raab, der erstmals mitmoderieren durfte, wirkte zumindest am Anfang trotzdem sichtlich nervös und Peter Kloeppel, von RTL, beschränkte sich überhaupt die meiste Zeit darauf herumzustehen und zu schweigen. Die beiden weiblichen Moderatorinnen, Anne Will und Maybrit Illner schmissen die Debatte im Grunde alleine.

Steinbrück mit Humor

Klar war also, die Stars des Abends waren die beiden Kandidaten. Nun sind aber weder Angela Merkel noch Peer Steinbrück ausgewiesene Show-Charaktere. So ist es kein Wunder, dass das Duell über weite Strecken unterkühlt wirkte und kaum jemals Spannung aufkam. Das liegt aber auch an den Regeln der Debatte selbst, die es den Kandidaten nur sehr eingeschränkt ermöglichte auf die Argumente ihres jeweiligen Herausforderers einzugehen.

Merkel trieb ihre ohnehin schon eher nüchterne Art auf die Spitze und gab ganz die souveräne Kapitänin des „Dampfschiff Deutschlands“, das man erfolgreich durch stürmische See segelte und möglichst den „Weiter so“-Kurs halten solle. Peer Steinbrück wirkt speziell auf österreichische Zuseher schon wegen seiner norddeutschen Art ohnehin eher unterkühlt, war aber sichtlich gut vorbereitet. Der SPD-Chef gab sich sehr angriffig und die vielen Fettnäpfchen die ihn bislang durch den Wahlkampf begleiteten, ersetzte er diesmal durch einen – wenn auch spröden - Humor.

Angela Faymann

In der Sache war die Rollenverteilung nicht so wie man sie aus Österreich kennt. Werner Faymann könnte wohl auch viele Positionen von Angela Merkel vertreten und fände einige von Peer Steinbrück – beispielsweise die Ablehnung es Steuerabkommens mit der Schweiz – wohl zu radikal. Und auch Michael Spindelegger würde zwar naturgemäß mehr Positionen der CDU-Kanzlerin Angela Merkel als von Peer Steinbrück unterstützen, hätte aber wohl auch mit manchen recht wirtschaftsfreundlichen Positionen des SPD-Chefs kein Problem.

In der Sache sprach sich Peer Steinbrück für mehr soziale Gerechtigkeit aus, forderte gesetzliche Mindestlöhne, eine staatliche Pflegeversicherung, einen Kurswechsel in der Eurokrise und eine Bekämpfung des immer größer werdenden Niedriglohnsektors in Deutschland.

Die Schlandkette und die verweigerte Antwort

Angela Merkel vermied hingegen nach Möglichkeit konkrete Positionierungen und empfahl eine Fortsetzung der bisherigen Regierungspolitik - die sie naturgemäß erfolgreich fand – mit nur leichten Korrekturen. Wirklich ins Schwimmen geriet sie nur in der NSA-Causa als sie dem US-Geheimdienst im Wesentlichen einen Persilschein ausstellte, schon alle deutschen Gesetze einzuhalten.

Die österreichischen Zuseher wird freuen, dass sich beide Kandidaten klar gegen eine PKW-Maut für Ausländer aussprachen. Insgesamt blieben die großen Emotionen aber Mangelware. Einer der stärksten Momente war noch, als Steinbrück mit gespielter Entrüstung die Beantwortung der frage ob Politiker genug verdienen, verweigerte (Steinbrück hatte im Wahlkampf anegegeben, dass Politiker zu wenig verdienen und war dafür heftig kritisiert worden Anm. d. Red.). „Sie glauben nicht im Ernst, dass ich zu dieser Frage je wieder etwas sagen werde“, meinte er. Für ein weiteres Highlight sorgte Angelas Kette, die als „Schlandkette“ sofort einen eigenen Twitteraccount bekam und binnen kürzester Zeit tausende Follower gewann.

Leichte Vorteile für Steinbrück

Schon diese „Highlights“ zeigen, dass das Duell eher emotionsarm war. Es wurde deutlich, dass die SPD die Regierungspolitik deutlich korrigieren will und dabei tunlichst verschweigt, dass die meisten von ihr kritisierten Reformen einst von SPD und Grünen eingeführt wurden. Angela Merkel hingegen vermied bei allen heiklen Fragen – allen voran die Rettungspakete für Griechenland – jede Positionierung die eventuell Wähler vergraulen konnte.

Am Ende hatte Peer Steinbrück wohl leichte Vorteile. Allein schon weil er inhaltlich wesentlich konkreter wurde und als klarer Außenseiter ins Rennen ging. Auch die Umfrage der ARD zum Thema gab Steinbrück einen Punktsieg. Er schnitt laut den Befragten für 60 Prozent besser ab als erwartet. Bei den unentschiedenen Wählern gewann Steinbrück ebenfalls deutlich und auch bei allen Befragten schnitt er etwas besser ab. Für einen K.o.-Sieg war das Format aber ohnehin viel zu stark reguliert. Diesen hätte Steinbrück aber wohl gebraucht, läuft sein Wahlkampf doch bislang alles andere als erfolgreich.

Kommentare

derpradler

Diese Debatte war verglichen mit den österreichischen "Debatten" ein Übrflieger. Von den Redakteuren, die wirklich das HIntergrundwissen besaßen das ein Redakteur haben sollte, bis hin zur ruhig und serösen Debatte der Diskutanten, war an diesem Gespräch nichts auszusetzen..

Laleidama

der Priol wir in seiner Anstalt Medikamente beim Anblick der Mutti gebraucht haben.....und dann setzt sie sich noch für eine maktorientierte Demokratie ein..?????wer hat ihr den das eingesagt.....

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Die Titanic rast durchs Eismeer. Die Brücke ist leer und verlassen.
Unten im Schiff die große Show: Wahl zum besten Mittagsmenü von morgen.

S/A/R melden

Das das Deutsche Land sowas wie Merkel überhaupt 2 mal hintereinander wählen kann ist verblüffend. Dank dem Ami ****kriechen hat man auch Ihr den Thron erlassen.

Forest w.
Forest w. melden

Die Amerikaner haben eh Angst das Ölpreis in Euro nicht mehr wie gewohnt in Dollar gehandelt wird ,drum machen sie Ja kriege etc solche angsthasen aber naja die amis haben Macht aber bis jetzt auch jeden Krieg verloren!

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