Fakten von

Hofburg-Wahl: Immer wieder
unabhängige Kandidaten

Irmgard Griss ist nicht die erste Parteifreie, die Präsidentin werden will

Fakten - Hofburg-Wahl: Immer wieder
unabhängige Kandidaten © Bild: News Deak Marcus E.

Irmgard Griss will also Bundespräsidentin werden. Das gab die ehemalige Höchstrichterin und Vorsitzende der Hypo-Untersuchungskommission am Donnerstag bekannt. Damit ist Griss erst die dritte wirklich unabhängige Kandidatin der jüngeren Vergangenheit, die sich für das höchste Amt im Staat bewirbt. Einige andere bezeichneten sich zwar auch als unabhängig, waren es aber in Wahrheit nicht - zumindest nicht so richtig.

THEMEN:

Ob Griss nun tatsächlich Präsidentin wird oder nicht: Ihre Chancen, das beste Ergebnis aller bisherigen Unabhängigen einzufahren, stehen sehr gut. Bislang ist die diesbezügliche Rekordhalterin Gertraud Knoll, die bei der Bundespräsidenten-Wahl 1998 beachtliche 13,6 Prozent erreichte. Freilich war aber auch Knoll nicht ganz ohne Unterstützung. Abgeordnete gleich dreier Parteien, nämlich von SPÖ, Grünen und dem Liberalen Forum, hatten die evangelische Theologin unterstützt.

Bei der gleichen Wahl trat auch Richard Lugner an und erreichte mit 9,9 Prozent das zweitbeste Ergebnis aller Unabhängigen. Der dritte Unabhängige, Karl Walter Nowak, blieb mit 1,9 Prozent weit unter einem Zehntel - ebenso wie all die anderen in den bisher zwölf Volkswahlen. Wobei viele von ihnen dann doch mehr oder weniger direkt einer Partei zuzuordnen waren.

Freda Meissner-Blau erreichte etwa 1986 5,4 Prozent der Stimmen und zählt auch als unabhängige Kandidatin - weil ihre Grünen erst ein Jahr später in den Nationalrat einzogen.

Auch Fischer und Klestil offiziell unabhängig

Als vorgeblich unabhängige Kandidaten zogen zuletzt auch die amtierenden Präsidenten in ihre Wiederwahl - wobei aber immer Parlamentsparteien offiziell empfahlen, ihnen die Stimme zu geben. So ging der 1992 von der ÖVP aufgestellte Klestil 1998 als Unabhängiger in die Wiederwahl, unterstützt durch Wahlempfehlungen von ÖVP und FPÖ. Heinz Fischer - 2004 von der SPÖ nominiert - trat 2010 als Unabhängiger an, die SPÖ finanzierte allerdings mit einem Wahlfonds seinen Wahlkampf mit, und auch die Grünen gaben eine Wahlempfehlung für ihn ab.

Quasi gemeinsamer Kandidat der beiden Traditionsparteien war 1980 Rudolf Kirchschläger. 1974 hatte den Parteifreien die SPÖ nominiert, bei der Wiederwahl gab auch die ÖVP eine Wahlempfehlung für ihn ab. Damit gelang Kirchschläger 1980 der Rekord: Er legte 1980 die Latte auf 79,9 Prozent, Fischer blieb 2010 mit 79,3 Prozent nur knapp darunter.

Um das Amt des Bundespräsidenten beworben haben sich bisher 31 Österreicher in den zwölf Volkswahlen seit 1951. Sieben Kandidaten traten bei zwei Wahlen an - darunter nicht nur Bundespräsidenten, die sich um eine Wiederwahl bewarben, sondern auch Heide Schmidt. Sie tat dies für zwei unterschiedliche Parteien, erst für die FPÖ, dann für das LIF.

Immer wieder Kandidaten ohne Partei

Kandidaten ohne Parlamentspartei im Hintergrund gab es bei den Wahlen 1951, 1963, 1980, 1986, 1998 und 2010. 1951 waren es zwei, Ludovica Hainisch vom "Ergokratischen Verband aller Schaffenden" sowie der Privatmann Johannes Ude, 1963 Josef Kimmel von der "Europäischen Föderativen Partei". 1980 trat Norbert Burger für die NDP an. 1986 wurde der aus der FPÖ ausgetretene Otto Scrinzi von einzelnen FPÖ-Politikern und der NDP unterstützt. Als unabhängige Kandidatin trat damals auch Meissner-Blau an.

Nachdem 1992 alle Parlamentsparteien (wie zuvor nur 1951) Kandidaten ins Rennen geschickt hatten, gab es 1998 formal nur eine Parteikandidatin, Heide Schmidt für das LIF. Klestil bewarb sich als unabhängiger Kandidat, unterstützt von ÖVP und FPÖ. Am Stimmzettel standen noch drei weitere Kandidaten "ohne Partei": Knoll, Lugner und Nowak.

2004 gab es ein Duell zwischen SPÖ-Bewerber Heinz Fischer und ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner ohne sonstige Mitbewerber. 2010 war Barbara Rosenkranz die einzige von einer Parlamentspartei, der FPÖ, nominierte Bewerberin. Fischer stand als Unabhängiger (von SPÖ und Grünen empfohlen) am Stimmzettel, Rudolf Gehring hatte die Christen-Partei hinter sich, die es allerdings nie ins Parlament geschafft hatte.

Kommentare

Irmgard Griss ist eindeutig unter den gehandelten Kandidaten die beste Wahl. Hoffentlich schafft sie es. An zweiter Stelle steht meines Erachtens Van der Bellen. Alle anderen kann man vergessen (mangelnde Bildung, mangelnde oder despotische Umgangsformen, keine Vorbildwirkung).

Fischer unabhängig? Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ich krieg mich nicht mehr ein! Der war weder als Nationalratspräsident unabhängig noch als BP. Das ist und war ein ewiger roter Parteisoldat auch wenn er das Bücherl formal zurückgegeben hat. Aber seine Denkmaschine hat er immer behalten und die war so ROT angestrichen wie nur was! Und so hat er auch seine Ämter ausgeübt!

Nudlsupp melden

@rigi999: Etwas Sparsamkeit würde sicher auch der Politik gut tun, doch das Amt des Bundespräsidenten sollten wir nicht versuchen abzuschaffen. Wir leben in einer priviligierten Zeit, wie noch keine Generation vor uns, dennoch erfüllt das Amt des Bundespräsidenten (nicht nur) eine sehr wichtige verfassungsrechtliche Rolle, die wir nicht leichtfertig aufgeben sollten. Rechtspopulisten.....

Nudlsupp melden

mögen sich mit dieser Forderungen aus eigennützigen Gründen anfreunden können, wir Demokraten sollten auf so billigen Populismus jedoch nicht hereinfallen. Daß wir in der Vergangenheit Regierungen hatten, die mangels Rückhalt beim Volk unterirdisch zur Angelobung mussten, kann nicht dem Amt des Bundespräsidenten angelastet werden.

annas

bitte nicht schon wieder, zu alt und überhaupt kein Thema ...

Seite 1 von 1