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Piesinger schießt Austria k.o.

Zwei Treffer des Jokers drehen Partie zugunsten von Sturm - Sieg dank Abseitstors

Piesinger jubelt © Bild: GEPA pictures/ David Rodriguez Anchuelo

Der Auftakt der 23. Bundesliga-Runde hat am Mittwoch die Krise bei der Wiener Austria weiter verschärft. Bei Sturm Graz verloren die Favoritner nach einem Last-Minute-Tor von Simon Piesinger nach einer 1:0-Führung noch mit 1:2 (0:0) und verloren vor dem Wiener Derby am Sonntag im Kampf um die Europacupstartplätze weiter an Boden. Sturm hingegen durfte mit dem ersten Dreier im Frühjahr aufatmen.

Alexander Grünwald hatte die erst nach dem Seitenwechsel aktivere Austria in einer insgesamt enttäuschenden Partie in Führung gebracht (59.), Piesinger (71., 95.) belohnte die späte Offensive der Hausherren aber mit drei Punkten und erhöhte vermutlich weiter den Druck auf Austria-Coach Gerald Baumgartner, der zuletzt nach dem 0:1 bei Schlusslicht Wiener Neustadt ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war. In der Tabelle verkürzte der Tabellenfünfte Sturm vor den restlichen Spielen der Runde am Mittwoch den Rückstand auf den WAC auf einen Punkt. Die Austria liegt bei einer Partie weniger drei Zähler hinter Sturm auf Rang sechs.

Fünf Neue bei Sturm

Sturm-Coach Franco Foda musste aufgrund der Sperren von Ehrenreich und Schick umstellen, nahm aber mehr Änderungen vor. So feierte Innenverteidiger Kamavuaka sein Bundesligadebüt, Avdijaj erhielt erstmals vom Start weg das Vertrauen, im Sturm erhielt Ex-Austrianer Kienast die Gelegenheit zur Revanche. Bei der Austria waren Zulechner (Auge) und der vermeintliche kränkelnde Sikov doch fit geworden und fanden sich in der Startelf wieder. Dort standen auch Stryger Larsen (für den gesperrten Koch), Serbest und Royer, die in Wiener Neustadt nicht von Beginn an gefragt gewesen waren.

Offenbacher im Spiel Sturm gegen Austria
© GEPA pictures/ David Rodriguez Anchuelo Kampf war Trumpf bei Sturm gegen Austria

Das Spiel enttäuschte in der ersten Hälfte auf voller Länge. Zwar begann die Partie mit einem schönen Offenbacher-Weitschuss, den Lindner übers Tor drehte (5.), verheißungsvoll. Doch 7.698 Fans, darunter lediglich 200 Liebhaber der "Veilchen", sahen offensiv etwas bemühtere Blackys, die aber gegen eine gut sortierte Gäste-Defensive keinen Stich machten. Die Schussversuche von Kienast (16.) und von der aktiven Schalke-Leihgabe Avdijaj (20.) blieben die einzigen nennenswerten.

Austria spielte ängstlich

Gerade der Austria war die Angst, in Rückstand zu geraten, anzumerken. Sie versuchte über eben jene gefestigte Verteidigung ins Spiel zu kommen, kam bei diesem Unterfangen aber nicht weit. Gefährlichkeit deuteten die Favoritner nur in der 19. Minute an, als Gorgon beim Abschluss von Klem gestört wurde, bzw. bei einem Royer-Freistoß, den Gratzei ohne Probleme wegfaustete (33.).

Das Bild änderte sich aber nach dem Seitenwechsel. Und als Gratzei nach einem Konter gerade noch rechtzeitig vor Royer eingriff (53.), war dies quasi eine Vorankündigung. Royer war es nur gut fünf Minuten später, der mit einem Dribbling über das halbe Feld die Führung der Austria einleitete: Seinen Pass nach rechts außen verwertete der kurz davor für Holzhauser eingewechselte Grünwald mit einem herrlichen Knaller ins Kreuzeck (59.).

Stankovic pustet
© GEPA pictures/ David Rodriguez Anchuelo Einmal durchblasen, die drei Punkte bleiben in Graz

Super-Joker Piesinger

Doch Sturm, seit dem Seitenwechsel in der Offensive abgemeldet, schlug gerade in dieser Phase violetter Stärke zurück - ebenfalls durch einen "Joker": Piesinger, der den angeschlagenen Kamavuaka ersetzte, war nach einem Offenbacher-Freistoß mit dem Kopf vor Rotpuller zur Stelle. Lindner hatte die Hand zwar noch am Ball, konnte den Ausgleich (71.) aber nicht verhindern. Sturm nahm das 1:1 zum Anlass, die Schlagzahl noch einmal zu erhöhen, Edomwonyi (78., 85.) und Gruber (85.) fanden im Finish sogar gute Möglichkeiten auf den Siegestreffer vor.

Die Austria hingegen, deren Austauschkontingent bereits erschöpft war, versuchte sich ab der 84. Minute in Unterzahl über die Zeit zu quälen, weil sich Larsen bei einer defensiven Rettungsaktion gegen Gruber verletzt hatte. Als alle schon mit einem Remis rechneten, schlug wieder Piesinger zu: Ein verlängerter Offenbacher-Freistoß kam via des im Abseits gestandenen Kienast zu Piesinger, der zum vierten Mal in dieser Saison traf.

Piesinger-Tor gegen Austria
© GEPA pictures/ David Rodriguez Anchuelo Der entscheidende Moment: Simon Piesinger trifft in Minute 95

SK Sturm Graz - FK Austria Wien Endstand 2:1 (0:0)

Graz, UPC Arena, 7.689, SR Schörgenhofer

Tore: 0:1 (59.) Grünwald
1:1 (71.) Piesinger
2:1 (95.) Piesinger

Reaktionen zum Spiel

Franco Foda (Sturm-Trainer): "Klar sind wir sehr glücklich mit diesem Spielausgang. Mit der ersten Hälfte war ich sehr zufrieden, wir hatten eine sehr gute Spielanlage. In der zweiten Hälfte hat sich das Spiel gedreht, Austria war aggressiv und hat uns unter Druck gesetzt. Wir haben aber gekämpft. Wir hatten in der zweiten Hälfte 20 Minuten lang zu viele Ballfehler. Ich wäre auch mit dem 1:1 zufrieden gewesen. Das zweite Tor war abseits. Letzte Woche hatten wir in Wien Pech, diesmal das Glück."

Simon Piesinger (Doppeltorschütze Sturm): " Für die Moral und das Selbstvertrauen bringt so ein Last-Minute-Sieg viel."

Anel Hadzic (Sturm-Spieler): "Über 90 Minuten gesehen, haben wir uns den Sieg redlich verdient, wir haben ihn schwer erkämpft. Ich spiele alle Positionen, und dort, wo die Mannschaft mich braucht. Wir haben einen sehr guten Charakter in der Mannschaft, die Abwehr hat trotz der Umstellungen gut funktioniert. Simon (Piesinger) brauchen wir für Standards.

Gerald Baumgartner (Austria-Trainer): "Es war ein sehr intensives Spiel von zwei Mannschaften, die um jeden Zentimeter gekämpft haben. Nach einem wunderschönen Führungstreffer von Grünwald haben wir uns leider zwei Tore aus Standards eingefangen, wobei das zweite Tor ein klares Abseits war, dass der Assistent sehen muss. Ich habe einen sehr gut Draht zur Mannschaft, die Mannschaft will unbedingt, und das Spiel hätte auch 1:1 enden müssen. Ich versuche, das berufliche vom Privaten fernzuhalten, sonst würde mir manchmal der Kopf explodieren. Am Ende bin ich erstarrt, Fußball kann brutal sein. Im Profifußball hat jeder Druck, manchmal erschlägt er dich fast. Ich kann nicht beantworten, ob ich morgen noch Trainer bin."

Franz Wohlfahrt (Austria-Sportdirektor): "In der ersten Hälfte war Sturm besser, hat mehr für das Spiel getan. Unsere Antwort in der zweiten Hälfte war sehr gut, sie haben gekämpft. Das 2:1 war ein klares Abseits, da gibt es Dinge, die in einer beschissenen Situation noch dazukommen. Die Moral, die die Mannschaft in der zweiten Hälfte gezeigt hat, ist Voraussetzung. Unser Problem ist momentan, dass wir viele Verletzte haben."

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