Bundesliga wieder im ORF: Liga-Boss
Pucher nimmt Premiere-Deal gelassen

Klub-Bosse Kartnig und Edlinger erfreut über Wechsel Fernseh-Rechte sollen in Paketen vergeben werden

Gelassen-neutral und nicht gerade euphorisch kommentierte Bundesliga-Präsident Martin Pucher den Wechsel der frei empfangbaren Übertragungen von ATV zum ORF. "Wir haben da keine Einflussnahme. Wir haben davon kurzfristig erfahren. Unser Partner ist Premiere. Wenn sich Premiere einen neuen Partner nimmt, entzieht sich das unseren Einflussmöglichkeiten", so Pucher.

Der Bundesliga sei vor allem wichtig, dass die Fußballfans ihre Mannschaften auch im Free-TV sehen können. "Das ist gewährleistet. Für die nächsten Monate ist das positiv. Bis 30. Juni 2007 gibt es da keine Problematik", sagte Pucher. Man wolle jedenfalls genau beobachten, ob Premiere den Vertrag mit der Bundesliga ordentlich erfülle.

Ob die Kooperation zwischen Premiere und ORF den Preis des Bundesliga-Pakets, das demnächst neu ausgeschrieben wird, drücken werde, "wird man sehen", meinte Liga-Boss Pucher auf Nachfrage der APA. "Für die laufende Periode hat sich wirtschaftlich nichts geändert. Für die mittelbare Zukunft glaube ich nicht, dass das ein Präjudiz für die Vergabe ist."

Zufriedenheit bei Kartnig und Edlinger
Rundum zufrieden zeigte sich unterdessen Sturm Graz-Präsident Hannes Kartnig. "Gott sei Dank, möglicherweise können wir jetzt neue Sponsoren gewinnen", so Kartnigs erste Reaktion. "Ich freue mich, dass der ORF eingestiegen ist, das ist ganz wichtig. Ich habe immer gesagt, dass wir den ORF brauchen, er ist der stärkste Sender in Österreich. Einige wollten aber nur das Geld sehen."

Punkto Neuausschreibung meinte Kartnig, dass der Liga immer klar gewesen sei, "dass wir nicht mehr so ein Paket machen wie bisher". Man wolle alle Sender im Boot haben. Dass die Rechte weniger wert sein könnten, "glaube ich nicht".

Auch Rapid-Präsident Rudolf Edlinger war erfreut. "Ich sehe das als positive Situation, weil dadurch die Reichweite gesteigert wird. Welche Auswirkungen dies auf die Neuverhandlungen haben wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, da ich die Einzelheiten des Vertrages nicht kenne. Natürlich habe ich die Hoffnung, dass kein Preisverfall eintritt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Premiere und der ORF nicht einen angemessenen Preis bezahlen. Gerade bei der derzeitigen finanziell angespannten Lage einiger Vereine wäre dies ja kontraproduktiv", erklärte Edlinger, der gestand: "Beim Abschluss des Vertrages 2004 dachte ich, dass sich ATV besser entwickeln wird - das ist nicht der Fall gewesen".

Rechte werden in Paketen vergeben
Die TV-Rechte der heimischen Bundesliga werden bis Ende des Jahres ausgeschrieben, der Vertrag zwischen Bundesliga und dem Pay-TV-Sender Premiere läuft mit der aktuellen Saison 2006/07 aus. Über die Modalitäten wurde in den vergangenen Wochen bereits heftig spekuliert. So dürften die Fernsehrechte ab der Saison 2007/08 nicht mehr in einem großen Exklusivvertrag, sondern in mehreren Paketen vergeben werden. Bisher kolportierten Plänen zufolge könnten verschiedene Sender dann etwa die Rechte für einzelne Live-Spiele sowie für Zusammenfassungen erwerben.

Derzeit liegen die Live-Rechte für Österreichs zwei Profi-Fußball-Ligen (T-Mobile Bundesliga und Red Zac Erste Liga) exklusiv bei Premiere. Der Bezahlsender legte für den Dreijahresvertrag mit der Bundesliga im Jahr 2004 rund 42 Millionen Euro auf den Tisch. Als Sublizenznehmer für die von der Bundesliga geforderte Free-TV-Präsenz fungierte der Privatsender ATV. Dieser zahlte pro Jahr 2,7 Millionen Euro an Premiere. Den Vertrag mit ATV hat Premiere nun aber aufgekündigt und stattdessen den ORF ins Boot geholt, der für ein adaptiertes Paket mit einem Live-Spiel pro Runde und einer Spieltag-Zusammenfassung am Tag nach den vier Samstag-Partien deutlich mehr als drei Millionen Euro zahlen dürfte.

Neben der Bundesliga laufen künftig auch die Zusammenfassungen der Red Zac Erste Liga im ORF. Unklar ist hier noch der genaue Sendezeitpunkt und die Frage, ob die Erste Liga in den ORF-Hauptprogrammen oder auf ORF Sport plus läuft.

(apa/red)