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Gegen die negative Energie:
Die Austria unter Andi Ogris

David de Paulas 4. Trainer in knapp 15 Monaten soll endlich wieder für Erfolge sorgen

David de Paula jubelt © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

David de Paula wechselte im Jänner 2014 von Wolfsberg zu Austria Wien. Er folgte dem Ruf von Coach Nenad Bjelica. Knapp 15 Monate später ist der Kroate in Wien-Favoriten längst Geschichte, genauso wie dessen Nachfolger Herbert Gager, genauso wie dessen Nachfolger Gerald Baumgartner. „Die Aufgabe für einen Trainer bei der Austria ist keine leichte. Die Austria ist ein großer Club, das ist natürlich auch mit Druck verbunden“, findet er diplomatische Worte für die Situation im Verein, der andernorts schon als Trainerfriedhof betitelt wurde. Bei seinem mittlerweile vierten Übungsleiter, Andi Ogris, gilt es für den Spanier, sich aufs Neue zu beweisen. So wie auch für die gesamte Mannschaft.

„Die erste Option ist immer der Trainer, aber wir Spieler müssen selbstkritisch genug sein und unsere eigenen Leistungen hinterfragen“, nimmt sich David de Paula stellvertretend für seine Kollegen an der eigenen Nase und gesteht im Gespräch mit NEWS.AT die Mitschuld an der prekären Situation der Austria ein. „Unter der Woche arbeiten wir stets gut, in den Spielen tun wir uns dann aber oft schwer.“

Zwar gab es im Laufe der Meisterschaft unter dem mittlerweile beurlaubten Trainer Gerald Baumgartner „Phasen, in denen wir guten Fußball gezeigt haben“, Konstanz kehrte allerdings nicht ein. Die Konsequenz vor dem Spiel am Samstag bei Meister Red Bull Salzburg (16 Uhr LIVE im Ticker): Platz 7 nach 26 Runden, 8 Punkte Rückstand auf Rang 4, der zur Europa-League-Qualifikation berechtigt.

Neue Spielsysteme und der ständige Druck

Die Gründe für die Misere liegen auch für den 30-Jährigen einerseits an den Trainerwechseln gepaart mit veränderter Spielphilosophie („Es dauert automatisch ein bisschen, bis man sich aneinander gewöhnt hat“) andererseits am Druck, der seit Saisonbeginn auf allen Akteuren lastet. „Als Spieler bekommt man natürlich etwas mit, das Ambiente ist aktuell ja nicht das ruhigste. Alle sind ein wenig angespannt.“

David de Paula beim Einlauf
© GEPA pictures/ Martin Hoermandinger David de Paula und Co. müssen sich beweisen

Genau diese Anspannung zu lösen, ist nun für die verbleibenden zehn Spieltage Hauptaufgabe von Andreas Ogris. Knapp zwei Wochen leitet die violette Club-Legende nun schon das Training. Für de Paula genug Zeit, um ein erstes positives Resümee zu ziehen. „Es herrscht ein frischer Wind, er versucht, die Freude zurück auf den Platz zu bringen.“

Training unter Ogris: Taktik, Fitness, Freude

Wer nun glaubt, unter Ogris werde auf dem Trainingsgelände nur – gut wienerisch „Schmäh geführt“, der irrt. „Wir haben eineinhalb Wochen sehr gut trainiert, viel im taktischen aber auch im körperlichen Bereich gearbeitet“, verdeutlicht de Paula: „Eines der wichtigsten Ziele war es aber, die negative Energie loszuwerden.“

Diese negative Energie erreichte die Fußballer sowohl in Form von Medienkritik als auch von den Rängen im eigenen Stadion. Für den Legionär, der 2012 nach Österreich gewechselt war, verständlich. „Die Fans haben allen Grund dazu, unzufrieden zu sein. Noch haben wir ihnen wenig Freude bereitet. Als Fans und Mitglieder wollen sie natürlich gute Resultate und eine erfolgreiche Mannschaft sehen. Es sind ihre Farben, die sie lieben und daher verlangen sie von den Verantwortlichen genauso wie von den Spielern eine entsprechende Leistung.“

Andi Ogris beim Training
© GEPA pictures/ Mario Kneisl Andi Ogris versucht Freude zurück ins Spiel der Austria zu bringen

Die Farben repräsentieren

Einen Trainer zu installieren, der das berühmte Violett in seiner DNA hat, macht daher zur Beschwichtigung des Anhangs Sinn und rang auch dem Nicht-Kenner österreichischer Fußball-Geschichte Respekt ab. „Es war beim ersten Mal beeindruckend, eine Club-Legende vor sich zu haben – jemanden, der diese Farben wirklich repräsentiert“, erinnert sich de Paula an die erste Einheit unter Ogris.

Doch was zeichnet den 50-Jährigen nun aus? „Es hat sich schnell herausgestellt, dass er ein Trainer ist, der auf die Spieler zugeht. In der ersten Woche wurde viel gesprochen. Er hat klargemacht, was er von der Mannschaft erwartet und auch Einzelgespräche mit jedem Spieler gesucht.“

Damit hat Ogris auch einen zentralen Punkt getroffen, denn Spiele gewinnen kann er nicht. Das machen seine Schützlinge und sei es aus Eigeninteresse. "Wir spielen nicht nur für den Trainer, sondern auch für uns selbst." Im konkreten Fall des Spaniers, der wohl auch am Wochenende wieder als Rechtsverteidiger aushelfen muss, heißt das: Für einen neuen Vertrag. Denn die Option auf Verlängerung liegt bei der Austria.

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