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Austria Wien: Der tiefe
Fall nach dem Meistertitel

Nach der verpassten Europa-League-Qualifikation kündigen Wiener Konsequenzen an

Hosiner im Bundesliga-Spiel Austria gegen Sturm © Bild: GEPA pictures/ Christian Ort

Ein Jahr nach dem 24. Titel der Clubgeschichte liegt die Austria am Boden. Mit einem 1:2 gegen Sturm Graz verpassten die Wiener im Saisonfinale in dramatischer Manier die Europacup-Teilnahme. Dass dies zum zweiten Mal in den jüngsten drei Saisonen der Fall ist, erzürnte die Chefetage. Die Tage von Herbert Gager als Trainer scheinen gezählt, zu hinterfragen ist aber in erster Linie das Auftreten der Profis.

Jene Mannschaft, die vor fünf Monaten den ersten Sieg in der Champions League feierte, präsentierte sich in den entscheidenden Runden völlig von der Rolle. Dass in Minute 89 noch dazu der Elfmeter zum Ausgleich, der aufgrund des späten 3:3 in Innsbruck (90.) gereicht hätte, vergeben wurde, passte ins Bild. Auf Pech redete sich bei den Verantwortlichen nach elf Saisonpleiten und nur 53 Punkten aus 36 Runden aber niemand hinaus.

Sport-Chef Thomas Parits, dessen Zukunft sich in der Aufsichtsratssitzung der Austria am Montagabend entscheidet, gab sich wortkarg, weitaus klarere Worte fand da schon Markus Kraetschmer. "Wir werden das beinhart analysieren. Wir haben nun zweimal in drei Jahren den Europacup verpasst. Das ist einfach viel zu wenig und nicht der Anspruch von Austria Wien", erklärte der Wirtschafts-Vorstand.

Geknickte Austrianer im Bundesliga-Spiel gegen Sturm
© GEPA pictures/ Christian Ort

Emotionslose Kicker

Unverständnis äußerte Kraetschmer dafür, dass sich die vor dem Spiel zum Siegen verdammte Mannschaft derart emotionslos präsentierte. "Ich verstehe nicht, wie man so in ein Finale gehen kann, habe nicht den Eindruck gehabt, dass wir hier alles unternehmen um die drei Punkte zu holen", sagte der Manager, der sich nicht nur über den materiellen Schaden ärgerte. "Wir haben mit der (Europa League) Qualifikation budgetiert, das geht auf plus/minus Null hinaus. Viel größer ist der Imageschaden."

Heuer muss die Austria die internationalen Spiele damit wieder von der Couch aus verfolgen, nachdem man im vergangenen Herbst in der Champions League im Konzert der Großen mitspielen durfte. Die Auftritte in der Königsklasse täuschten aber lange Zeit darüber hinweg, dass die Leistungen in Meisterschaft und Cup - in der 2. Runde kam das Out gegen Regionalligist Kalsdorf - mehr als dürftig waren.

Jun im Bundesliga-Spiel Austria gegen Sturm
© GEPA pictures/ Christian Ort

Bjelicas Worte bleiben hängen

Nenad Bjelica, dessen Aussage von satten Spielern nun wieder nachhallt, musste nach der zweiten Frühjahresrunde gehen, Gager übernahm bis Saisonende. Die Hoffnung des ehemaligen Amateure-Coaches, die Profimannschaft langfristig zu betreuen, dürfte sich nicht erfüllen. Zum Trainingsstart am 10. Juni wird ein neues Gesicht an der Linie stehen.

Gager selbst nahm die Mannschaft nach Schlusspfiff in Schutz. Er habe im Unterschied zur desaströsen Leistung in Grödig in der Vorwoche großen Einsatz und Willen gesehen, erklärte der 44-Jährige. Dass es demnach am Können der Beteiligten liege, wollte er nicht verneinen. "Natürlich ist es auch eine Qualitätsfrage, ob man sich in entscheidenden Situationen durchsetzen kann", sagte Gager.

Trägt der Stadionsprecher Teilschuld?

Als Knackpunkt bezeichnete der Coach das 1:2 durch Daniel Beichler (87.). Eine Minute zuvor hatte Tomas Jun ausgeglichen, was zu einer kuriosen Szene führte. Die Austrianer jubelten ausgelassen vor der Fantribüne, nachdem vom Stadionsprecher Grödigs 3:2 in Innsbruck im Unterschied zu den übrigen Toren im Tivoli-Stadion nicht durchgesagt wurde. Beim Wiederankick wirkten die Hausherren, über den Spielstand im Westen informiert, einigermaßen überrascht - und kassierten prompt den nächsten Gegentreffer.

"Es wurde dann durchgesagt, dass wir noch ein Tor brauchen. Dementsprechend haben wir am Feld agiert, alles nach vorne geworfen. Sturm hat die Räume eben genutzt", meinte Austria-Torhüter Heinz Lindner. Der Schlussmann zeigte sich selbstkritisch. "Wenn man nicht in der Lage ist, einen dieser Matchbälle zu nutzen, dann hat man es nicht verdient. Im Endeffekt bleibt nur die Enttäuschung. Wir haben es selbst vermasselt."

Fünf Punkte in zwei Runden verspielt

Die Austria gab schlussendlich einen Fünf-Punkte-Vorsprung auf Grödig innerhalb von drei Runden aus der Hand. 1:1 in Innsbruck trotz über halbstündiger personeller Überlegenheit, 1:2 in Grödig und nun 1:2 gegen Sturm - nach Schlusspfiff gab es in der Generali Arena hängende Köpfe und Pfiffe von den Rängen. Dass sich die Austria den Europacup schlussendlich nicht verdient hat, untermauerte jedoch auch die direkte Bilanz gegen die unmittelbare Konkurrenz.

In zwölf Spielen gegen Salzburg, Rapid und Grödig gingen die "Veilchen" bei je drei Niederlagen gegen die drei Top-Clubs neun Mal als Verlierer vom Platz. Die Austria holte in diesen Spielen nur sieben von 36 möglichen Zählern. "In der Liga waren wir zu wenig dominant, haben auch zu wenig Spitzenspiele dominiert", erkannte Markus Suttner. Der Teamspieler sprach trotz des erstmaligen Erreichens der Champions League von einer "Saison zum vergessen".

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