Andi Ogris und Didi Kühbauer:
Zwei Freunde als Konkurrenten

Von der Brisanz auf dem Rasen über Freundschaft im ÖFB-Team hin zum 1. Trainer-Duell

von Ogris gegen Kühbauer © Bild: GEPA pictures/ Philipp Brem

Wenn man die Namen Didi Kühbauer und Andreas Ogris hört, muss man zwangsläufig ans Wiener Derby denken. Sofort hat man diese Bildikone von Ihnen beiden vor Augen, bei der Sie Kopf an Kopf stehen. Dürfen wir so etwas auch am Sonntag erwarten?

Andreas Ogris: Nein, das wird es nicht geben, weil wir jetzt in einer anderen Position sind. Das Foto ist aus unserer aktiven Zeit auf dem Feld. Als Trainer wird es wohl nicht dazu kommen, dass wir Stirn an Stirn oder Nase an Nase stehen. Ich freue mich, wenn ich ihn sehe. Er war ein Wegbegleiter in meiner Karriere, sowohl als Gegner als auch als Mitspieler in der Nationalmannschaft. Wir werden uns ganz normal begrüßen und sind über 90 Minuten Konkurrenten. Danach wird das aber wieder vorbei sein.

Wie würden Sie die aktuelle Beziehung zu Didi Kühbauer beschreiben?

Ogris: Freundschaftlich. Ich denke, dass es eine gewisse freundschaftliche Verbundenheit gibt, die im Moment halt nicht so intensiv ist, da Didi in Wolfsberg ist und ich in Wien bin. Trotz allem freuen wir uns immer, wenn wir uns sehen oder miteinander telefonieren. Und wenn die Möglichkeit besteht und wir Zeit haben, werden wir uns beide zusammen sicher auch auf das eine oder andere kleine Bier setzen.

Was Sie beide verbindet, ist die Leidenschaft und der Einsatz für den jeweiligen Verein. Kann man so etwas auch den Spielern "einimpfen"?

Ogris: In einem gewissen Grad kann man als Trainer eingreifen. In Wahrheit muss mir aber in dem Augenblick, in dem ich für die Austria einen Vertrag unterzeichne, bewusst sein, dass ich für den Verein alles geben muss, solange mein Vertrag läuft. Somit solltest du das als Trainer gar nicht erst einfordern müssen. Natürlich gibt es immer wieder Spieler, die etwas ruhiger und introvertierter sind. Bei denen gilt es, das herauskitzeln. Auf der anderen Seite gibt es Spieler, die man sogar bremsen muss, weil sie im Match zu sehr Zeichen setzen wollen und übermotiviert sind. Das Ideal liegt wie so oft in der Mitte. Eines ist jedenfalls klar: Trägt jemand das Wappen der Austria auf der Brust, muss er für den Verein 100 Prozent geben.

Kühbauer und Ogris mit Blumen
© GEPA pictures/ Philipp Brem Didi Kühbauer als Gratulant zu Andi Ogris' 50. Geburtstag

Erzählen Sie jungen Spielern oder Legionären dann Anekdoten, um ihnen etwas von dem Austria-Geist mitzuteilen und vor Augen zu führen, für welchen Verein sie auflaufen?

Ogris: Ich bin weit davon entfernt, irgendwelche alten Geschichten zu erzählen. Es gibt die eine oder andere Situation im Training, in der ich darauf hinweise, dass es bei uns damals nicht anders war. Prinzipiell liegt es nicht in meinem Interesse, über die alte Zeit zu reden, sondern über das, was wir jetzt und in Zukunft haben. Darüber unterhalten wir uns im Moment auch viel mehr als über die alten Zeiten.

Didi Kühbauer oder Andreas Ogris als Spieler hätte man in München wohl als „Aggressive Leader“ bezeichnet. Sehen Sie derartige Führungsspieler im aktuellen Austria-Kader?

Ogris: Ich glaube schon, dass wir derartige Spieler im Kader haben. Ich bezeichne sie immer als Winner-Typen, einfach positive Menschen, die mit Leistung und Einsatzbereitschaft Dinge erzwingen wollen. Im Moment ist es allerdings schwer, da das Selbstvertrauen unter den letzten Leistungen und vor allem Ergebnissen ein wenig gelitten hat. Die Burschen bekommen von links und rechts auf den Deckel. Auch das Umfeld ist nicht das ruhigste. Da müssen wir versuchen, das aufzufangen und ins Positive umzuleiten. Vielleicht gelingt es uns auch, die Spieler bei ihrer Ehre zu erwischen: Wenn schon alle auf uns hinhauen, müssen wir ihnen erst recht beweisen, dass wir besser sind.

Wie beurteilen sie die Trainerarbeit von Didi Kühbauer?

Ogris: Ich finde, dass Didi einen sehr guten Weg eingeschlagen und viele gute Dinge bei seinen bisherigen Trainer-Stationen bewegt hat. Ich lese immer wieder, dass Didi nur ein Motivator sei. Motivation allein macht aber keinen guten Trainer aus. Didi hat auch viel Fingerspitzengefühl mit jungen Menschen, aber auch taktisches Verständnis und eine gute Ausbildung, die ihn zum Top-Mann machen. Ich bin überzeugt, dass der WAC nicht seine letzte Station sein wird, sondern weitaus größere Aufgaben auf ihn warten.

Ogris und Kühbauer beim Trainingslager
© GEPA pictures/Franz Pammer Didi Kühbauer und Andi Ogris beim Nationalteam

Rapid?

Ogris: Ich denke, dass Didi Kühbauer irgendwann in seiner Laufbahn als Trainer zu Rapid zurückkehren wird.

Sie haben das Fingerspitzengefühl angesprochen; eine Eigenschaft, die auch ihnen von Spielern stets nachgesagt wird.

Ogris: Ich versuche einfach, als Trainer so gut wie möglich auf meine Mannschaft einzuwirken. Ich versuche hineinzuhören und bin bereit, mit meinen Spielern über alles zu diskutieren. Das Feedback der Spieler sollte für jeden Trainer ein ganz wichtiger Punkt sein. Wie haben sie die Situation gesehen? Dann sage ich, wie ich die Situation gesehen habe und irgendwann werden wir auf einen grünen Zweig kommen. Ich möchte diese Gespräche nicht missen. Manchmal gibt es als Trainer dann aber auch Momente, wo das Reden nichts mehr bringt, und du Taten setzen musst. Auch da müssen die Spieler mitziehen und das tun sie im Moment.

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