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Bundesliga ruft Zukunftsoffensive aus

Zuschauerschnitt von 10.000 Fans angestrebt - Imagekampagne wird ausgeweitet

FUSSBALL - BL, Meisterteller © Bild: GEPA pictures

Mit neuem Meisterteller im Gepäck ruft die Fußball-Bundesliga die Zukunftsoffensive aus. Mit dem gemeinsam mit dem ÖFB ausgearbeiteten Konzept "Bundesliga 2020" verfolgt Österreichs Oberhaus das Ziel, die Liga entgegen Imageproblemen und Zuschauerschwund in den kommenden Jahren neu zu positionieren.

Die im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Wien präsentierten "visionären" Vorhaben sind hochgesteckt. Sportlich wird ein Fixplatz in der Champions League angestrebt oder die Anzahl von 25 in Österreich ausgebildete Kickern in den fünf europäischen Topligen. Wirtschaftlich ein nachhaltig positives Eigenkapital aller Bundesligisten. Der infrastrukturelle Bereich bleibt jedoch die größte Baustelle.

So wird ein Zuschauerschnitt von 10.000 Fans pro Spiel bei 90 Prozent Stadionauslastung angestrebt. Zum Vergleich: Nach der aktuellen Herbstmeisterschaft lag der Schnitt bei 6.643 Besuchern, in der Vorsaison vermeldete die Liga mit Saisonende ein Minus von 9,6 Prozent bei den Zuschauerzahlen. "Wir haben mit Blick auf die EURO 2008 zu wenig daraus gemacht", meinte Liga-Präsident Hans Rinner. "Dass es so weit gekommen ist, dass wir vor 300, 500 und 800 Zuschauern spielen, ist ein Problem."

Modernisierung der Stadien notwendig

Abhilfe soll - wie bereits mehrfach ins Auge gefasst - eine Modernisierung der Spielstätten schaffen, oder wie der in Wien weilende CEO der Schweizer Liga, Claudius Schäfer, feststellte: "Man verdient nur mit einem modernen Stadion Geld im Fußball."

Anvisiert wird laut Konzeptpapier, dass zumindest zehn Stadien in Österreich "die wirtschaftlichen und sportlichen Ziele optimal unterstützen". Diesbezüglich sah Rinner den Wegfall der Übergangsregelung bei Aufstieg von der zweithöchsten in die höchste Spielklasse als ersten Schritt. Dass Österreichs Topliga den Ruf einer Dorfclub-Liga hat, sei mit Blick auf Versäumnisse in der Vergangenheit demnach auch ein wenig selbst verschuldet.

Ligaformat bleibt unverändert

Am derzeitigen Ligaformat von zehn Clubs in der höchsten Spielklasse wird sich nichts ändern. Die Idee einer 16er-Liga mit drei Regionalligen darunter wischte Vorstand Christian Ebenbauer vom Tisch: "Das perfekte Format gibt es nicht. Es gibt keinen Vorteil ohne Nachteil."

Richtig sei laut Meinung der Beteiligten, dass der heimische Kick durch die Nähe zu Deutschland allzu leicht schlecht aussehe. "Wenn Sie in Mittel- oder Westösterreich Bundesliga sagen, denken die meisten Leute daran, dass sie Samstagabend ARD einschalten", meinte ÖFB-Präsident Leo Windtner. Die Bundesliga wieder zu einer österreichischen Marke zu machen, ist für den Oberösterreicher Ziel Nummer eins.

Umfangreicher Maßnahmenkatalog

Diesbezüglich hat die Liga bereits eine Markenanalyse in Auftrag gegeben. Dabei sei laut Vorstand Christian Ebenbauer beispielsweise das Preis-Leistungs-Verhältnis in den Stadien bekrittelt worden. Rund hundert Maßnahmen will man nun setzen. Diese umfassen Ankick-Zeiten ebenso wie eine Neugestaltung der Bundesliga-Homepage oder die Überlegung, nach Spielen Interviews direkt im Stadion auf der Videowall zu zeigen. Großes Thema bleibt auch die Sicherheit in den Stadien.

Als erste Charme-Offensive bei den heimischen Fans bittet die Bundesliga ab Freitag (9.00 Uhr) zur Abstimmung. Nach 40 Jahren wird ein neuer Meisterteller kreiert, auf der Liga-Homepage (www.bundesliga.at) stehen zwei Modelle für beide Leistungsstufen zur Wahl. Diese läuft bis 24. Februar, das Design mit den meisten Stimmen gewinnt. Bei der Meisterfeier 2015 wird dann schon mit der neuen Trophäe gefeiert.

Kritik von Spielergewerkschaft

Der Spielergewerkschaft VdF (Vereinigung der Fußballer) greift das von der heimischen Fußball-Bundesliga vorgestellte "Konzept 2020" zu kurz. Dass die Liga bei ihren Bestrebungen zur "visionären" Erneuerung der obersten Spielklasse vor allem den infrastrukturellen Bereich ins Auge gefasst hat, sei nur ein Teilbereich der Problemsituation.

"Es wurde mit keinem Wort auf die strukturellen Bedingungen der Spieler eingegangen. Es geht auch darum, wie kann ich den Beruf Fußballer ausüben und bis ins nächste Jahrzehnt dafür Bedingungen schaffen", meinte Rudolf Novotny, der Geschäftsführender Sekretär der VdF, am Freitag. Die VdF würde sich demnach erwarten, dass die Situation der Profis wie finanzielle Sicherheit ebenso aufgegriffen wird wie das Bestreben nach schönen Stadien.

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