Die neue Bundesheer-Reform von

Cyber-Krieger und Badeschlapfen

Minister Klug will den Wehrdienst attraktivieren - Kritiker orten Worthülsen

Bundesheer, Feature © Bild: APA/Neubauer

Nach außenhin herrscht eitel Wonne: Der Wehrdienst soll attraktiver werden, tönt SPÖ-Verteidigungsminister Gerald Klug seit Monaten. Hinter den Kulissen gärt es jedoch. Nach der Volksbefragung im Jänner, bei der sich eine Mehrheit für die Wehrpflicht ausgesprochen hatte, musste schnell ein Reformpaket her. Erste Teile sind gerade angelaufen. NEWS liegen zahlreiche Unterlagen zur Umsetzungsplanung vor. Und gerade hinter einigen Lieblingsprojekten des Ministers stehen nicht zu übersehende Fragezeichen.

Problem 1: Cyber-Krieger.

Wenig klingt moderner und spannender als das Stichwort "Cyber-Sicherheit" - also Computer- und Daten-Sicherheit. Klug meinte zuletzt, dass geeignete Rekruten eine "Cyber-Grundausbildung" durchlaufen sollen, wo sie die Prüfung zum sogenannten Computerführerschein machen können. Dafür erntete der Minister im Sommer beim Europäischen Forum Alpbach Gelächter. Wie soll ein 18-Jähriger mit Computerführerschein die Republik vor Hackerangriffen schützen? Jetzt heißt es aus dem Verteidigungsressort auf Anfrage: "Rekruten, die im Bereich Cyber-Defence eingesetzt werden sollen, haben bereits höhere Fähigketen im EDV-Bereich als einen Computerführerschein" - etwa HTL-Absolventen. Welche konkreten Aufgaben auf diese zukommen, ist Thema einer Arbeitsgruppe.

Den Computerführerschein wiederum sollen alle Rekruten freiwillig machen können. Dabei hakt es jedoch: Eine flächendeckende Computer-Ausbildung in den Kasernen sei "nicht zweckmäßig", steht in einer internen Stellungnahme. Die Ausbildung an externen Ausbildungsstätten sei wiederum "nicht zulässig", da "keine militärische Notwendigkeit" gegeben sei. Später hieß es dann aber auf einmal, dass freiwillige Ausbildungen an zivilen Ausbildungsstätten "grundsätzlich zur Zeit auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen nicht möglich" wären -"mit Ausnahme des Computerführerscheins".

Bleibt das faktische Problem: Im Rahmen sogenannter "Freizeitbörsen" können Grundwehrdiener schon seit 1998 den Computerführerschein erwerben. Seit 2008 haben das aber lediglich zehn genutzt. Im Heer meint man nun, es wäre besser, Sprachausbildungen "in Deutsch oder einer Fremdsprache" anzubieten.

Problem 2: Gratis-Internet.

Auf besondere Kritik stößt intern auch der Plan, Gratis-Internet via WLAN für Rekruten einzurichten. Ende Oktober soll ein Probebetrieb in vier Kasernen bzw. Truppenübungsplätzen starten. Ursprünglich war ein Testlauf in bis zu zehn Liegenschaften angedacht. Man wollte aber jedenfalls unter der Grenze von 100.000 Euro bleiben, ab der eine Ausschreibungspflicht besteht. In der Truppe wird gemunkelt, der WLAN-Gesamtausbau könnte Kosten im Millionenbereich verursachen -und das, obwohl viele Jugendliche ohnehin einen Handytarif mit unbegrenztem Internetzugang hätten.

Problem 3: Unmut im Kader.

Wenig Freude mit der Reform gibt es bei Berufssoldaten. Klug will, dass weniger Rekruten Betreuungsdienste verrichten. Es wird zur Schließung von Kader-Cafeterias bzw. zu Zusammenlegungen mit den Soldatenheimen der Rekruten kommen. NEWS liegt eine Schwarze Liste mit 42 Cafeterias vor, die auf dem Prüfstand stehen. "Es ist frustrierend, wenn man auf den Kader total vergisst", ist zu hören. Bezweifelt wird, dass es genügend Ausbildner für die frei werdenden Rekruten gibt.

Künftig sollen übrigens Rekruten wiederholt zu ihrer Situation und zu ihren Vorgesetzten befragt werden. NEWS liegt ein Muster-Fragebogen vor. Amüsant: In der Rubrik "Militärische Rahmenbedingungen" soll beantwortet werden, inwieweit man "schon Probleme mit alkoholisierten Kameraden" hatte. Und für Stellungspflichtige gibt es ein besonderes Zuckerl: Seit Oktober können sie nach der Musterung die erhaltene Kleidung mitnehmen: ein T-Shirt, eine Hose und Badeschlapfen.

Entscheidend für den Erfolg der Reform dürften freilich andere Fragen sein: Wie rasch kann die millionenschwere Sanierung von Unterkünften vorangetrieben werden? Und: Wird irgendwann vielleicht doch der Sold erhöht?

Kommentare

Für was benötigt Österreich ein Berufsheer? Wir brauchen Soldaten, die für das Land da sind, und nicht für fremde Machenschaften! a.l.

Ganz normal ist die Reform sicherlich nicht !

stabilis melden

Milizheer sofort abschaffen und durch Berufsheer ersetzen! Alles andere führt in genau den Bullshit den man o.a. lesen kann. Wir brauchen keine gezwungenen Rekruten mehr, ein Berufsheer wäre bei geringeren Kosten wesentlich effizienter. Und dann noch 6 Monate Sozialdienst für alle Geschlechter und es passt im Land!

Ignaz-Kutschnberger
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Entschuldige ...aber die letzte Volksabstimmung darüber war vor nicht mal 1 Jahr...willst jetzt alle 3 Monat eine??

Markus Pirker
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Nur zu dumm, das NEWS-Redakteure nicht wissen, was es bedeutet, wenn man unbegrenzten Internetzugang am Smartphone hat: nämlich Steinzeitgeschwindigkeiten, weshalb man als Nutzer dann gezwungen wird, teure Zusatzmengen zu kaufen. Jeder Rekrut würde deshalb erfreut sein, wenn man kostenloses WLAN währen der Wehrpflichtzeit nutzen kann, um sein eigenes Fullspeed-Datenvolumen bestmöglich zu schonen!!

eintiroler melden

so weit kommts noch, dass wir Steuerzahler euch den Gratisinternetzugang bezahlen, geht's noch (Millionenbereich!!!!)????
Ihr sollt den Wehrdienst ableisten wie wir damals und nicht auf Steuerkosten im verblödeten Facebook und Co. surfen und stundenlang chatten.

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

Ich bin für wöchentlich zusätzlich 4 Gratis-Kondome, 2 Bier, 1 Tafel Schokolade und einen Eislutscher...

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