Bulgarien von

Premier als Top-Kicker

Fans wählen Ministerpräsidenten zum Fußballer des Jahres. Er würde annehmen.

Bulgarien - Premier als Top-Kicker © Bild: Reuters/Reed

Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow ist zum Fußballer des Jahres gewählt worden. Der 52-jährige Politiker und Spieler des in der dritten Liga engagierten Amateurclubs Witoscha (Bistriza) konnte sich in der Internet-Abstimmung deutlich mit 44% (3.501 Stimmen) durchsetzten. Er distanzierte bei der in der Nacht zum Montag zu Ende gegangenen Wahl den Zweitplatzierten, Dimitar Berbatow von Manchester United (24% oder 1.955 Stimmen), deutlich. Angesichts der offenbaren Beliebtheit wird heimische Politiker wohl der Neid packen.

Das letzte Wort bei der Kür zum Fußballer des Jahres 2011 haben aber 200 Sportjournalisten. Sie müssen sich nicht an das Ergebnis der Fan-Abstimmung halten, aber wie das Internetportal mediapool.bg kommentiert, sei es schwer, diese zu umgehen. Die Kommentatoren des privaten Radiosenders Darik erklärten die Ergebnisse als eine Art "Protestvotum" der Anhänger gegen die schlechte Leistungen der Profispieler sowohl in der Nationalelf als auch in der ersten Liga. Außerdem sei man der Nominierungen von Berbatow überdrüssig. Der Stürmerstar, derzeit meist nur Reservist bei Manchester United, hat den Preis seit 2003 schon siebenmal gewonnen.

Heuer gelten erstmals neue Regeln bei der Wahl des Fußballers des Jahres. Den Fans wurde die Möglichkeit eingeräumt, im Internet Namen vorzuschlagen und abzustimmen. Unter die ersten 20 kamen jeweils nur zwei Spieler der bulgarischen Großclubs Lewski Sofia und ZSKA Sofia und des aktuellen Meisters Litex Lowetsch.

Er würde annehmen
Premier Borissow erklärte mittlerweile selbst, dass er kein Problem damit habe, den Preis zu erhalten, da er so viel für den Fußball getan habe. Das Internetportal mediapool.bg zitierte ihn weiter: Bei dieser Auszeichnung wäre es genauso wie bei der Schönheit der Frauen und der Potenz der Männer - keiner würde zugeben, dass er nicht besser ist als die anderen. Borissow forderte die Journalisten aber auf, bei ihrer endgültigen Entscheidung den "besten Jungfußballer des Jahres" zu küren. Er wolle sich als Amateurfußballer nicht mit Profis wie Berbatow, Martin Petow oder Stilijan Petrow vergleichen.

Der Premier, der in seiner Jugend Karateleistungssportler und danach auch Trainer gewesen ist, setzt sich tatsächlich für den Sport ein, geben Beobachter zu. Er unterstützte den Bau einer modernen Sporthalle in der Hauptstadt Sofia. Dort will er gemeinsam mit Fußball-Legende Hristo Stoitschkow auch ein neues Nationalstadion haben. Zuletzt setzte er sich dafür ein, einen Sponsor für seine Lieblingsmannschaft Lewski Sofia zu finden.

Wichtige Mittagspartie
Borissows Vorliebe für Fußball brachte ihm aber auch einige Probleme. 2010 wurden Aufnahmen von Telefongesprächen publik, in denen er den Zollchef zur Wiedereinstellung eines entlassenen Freundes von ihm aufforderte, mit dem er zur Mittagszeit Fußball spielt. Im Mai 2009 kurz vor den Parlamentswahlen brach sich Borissow - damals noch Bürgermeister der Hauptstadt Sofia - bei einem Mittagsspielchen den Fuß. Nach dem Parlamentssieg erklärte er, dass er die Linken "auch auf nur einem Fuß hinkend" geschlagen hat.