Bulgarien startet zwei Atomreaktoren neu:
Gaskrise Vorwand für Kosloduj-Aktivierung

Parlament beschließt Neustart trotz Gaslieferungen Reaktoren waren nach EU-Bedenken außer Betrieb

Bulgarien startet zwei Atomreaktoren neu:
Gaskrise Vorwand für Kosloduj-Aktivierung

Trotz der Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen hat das bulgarische Parlament den Neustart von zwei Reaktoren im umstrittenen und vor dem EU-Beitritt des Landes abgeschalteten Atomkraftwerk Kosloduj an der Donau beschlossen. Österreichs Umweltminister Berlakovich tat umgehend seine Ablehnung des Planes kund.

Für den Neustart waren 140 der bulgarischen Parlamentarier bei 48 Gegenstimmen und 23 Enthaltungen. Die Entscheidung wurde mit der Gaskrise sowie der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise begründet. Die Regierung des Landes wurde beauftragt, in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission das Anfahren der 440-Megawatt-Blöcke sowjetischer Bauart vorzubereiten.

Umweltminister Berlakovich hat umgehend Widerstand gegen die bulgarischen Pläne angekündigt. Für Bulgarien gelte das gleiche wie für die Slowakei im Fall des AKW Bohunice, betonte Berlakovich in einer Aussendung. "Die Schließungsvereinbarung ist im EU-Beitrittsvertrag verankert und nicht verhandelbar", unterstrich der Minister. "Jeglichen Versuch, nun die Gunst der Stunde zu nutzen, um über die Hintertür die Atomkraft zu forcieren und unsichere Reaktoren wieder zu aktivieren werde ich nicht akzeptieren", betonte er.

Bulgarien hatte die beiden Reaktorblöcke nach einer entsprechenden Verpflichtung in seinem EU-Beitrittsvertrag 2006 stillgelegt. Nach dem Beitrittsvertrag darf Bulgarien allerdings in einer wirtschaftlichen Notsituation die EU-Kommission um Wiederinbetriebnahme ersuchen. Die Klausel ist auf drei Jahre nach dem EU-Beitritt des Landes 2007 befristet und läuft mit Ende dieses Jahres aus.
(apa/red)