Bürgerkrieg in Sri Lanka immer brutaler: Gewalt erreicht nun Hauptstadt Colombo

Autobombe in Wohnviertel tötet auch 3-jährigen Bub Ferrero-Waldner geschockt über Massaker an Helfern

Der wieder aufflammende Bürgerkrieg in Sri Lanka hat jetzt auch die Hauptstadt Colombo erreicht. Bei der Explosion einer Autobombe in einem Wohngebiet starben nach Militärangaben zwei Menschen, darunter ein dreijähriger Bub. Das zweite Opfer war der Leibwächter eines Tamilen-Politikers, dessen Gruppe sich wiederholt gegen die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) gestellt hat. Der Politiker selbst wurde bei dem Anschlag in der Stadt im Südwesten des Inselstaates verletzt. Die tamilischen Rebellen liefern sich seit Monaten wieder heftige Kämpfe mit dem Militär im Norden und Osten des Landes. Dabei starben wieder mindestens zwei Polizisten und ein Soldat.

Ein Augenzeuge sagte Reuters, er habe die in ein Tuch gehüllte Leiche eines Kindes gesehen. Neben dem Toten habe ein älterer Mann geweint. Die zweite Leiche liege noch in dem Lieferwagen, in dem der Sprengsatz deponiert gewesen sei. Der Anschlag ereignete sich nahe einer Schule. "Warum haben sie mir meinen Enkel genommen, sie hätten mich töten sollen: Lasst uns alle zusammen gegen die Terroristen kämpfen", sagte der Großvater des getöteten Kindes.

Seit Jahresbeginn schon mehr als 800 Tote
In dem wieder aufflammenden Bürgerkrieg starben seit Jahresbeginn mehr als 800 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten. Im Streit um eine Wasserversorgungseinrichtung im Nordosten Sri Lankas kommt es derzeit auch wieder zu den ersten Kämpfen am Boden seit einer Waffenstillstands-Vereinbarung 2002. Die Tamilen-Rebellen kämpfen seit zwei Jahrzehnten um mehr Autonomie im Norden und Osten Sri Lankas. In dem Konflikt starben insgesamt mehr als 65.000 Menschen.

Die jüngsten Gefechte beschränkten sich allerdings auf den Norden des Inselstaates, die Hauptstadt Colombo blieb bisher verschont. Dies gilt auch für die Touristengegenden, die südlich von Colombo liegen.

Ferrero-Waldner geschockt über Massaker an Helfern
Für Entsetzen sorgte am Wochenende auch ein mutmaßliches Massaker an 17 örtlichen Tsunami-Helfern einer französischen Hilfsorganisation nahe Trincomalee im Nordosten Sri Lankas. Die Regierung kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. Dies hatte unter anderem die Europäische Union gefordert. "Wir sind zutiefst geschockt angesichts der Welle der Gewalt gegen Zivilisten und Entwicklungshelfer in Sri Lanka", erklärte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Die Regierung wirft den Tamilen-Rebellen vor, das Massaker verübt zu haben. Doch Angehörige der Opfer haben Zweifel an dieser Darstellung. Sie sehen das Militär als Täter. In der Vergangenheit haben Verfechter der harten Linie in der Regierung den Hilfsorganisationen oft vorgeworfen, die Rebellen zu unterstützen.

Die französische Gruppe "Bündnis gegen den Hunger" hat nach der Tötung ihrer Mitarbeiter alle Aktivitäten in dem Land eingestellt. Die Helfer waren überwiegend per Kopfschuss getötet worden. Dies war weltweit der schwerste Angriff auf zivile Helfer seit dem Bombardement auf das UN-Hauptquartier in Bagdad 2003, als 24 Menschen starben.

(apa)