Bücherverbrennung durch Rechtsextreme in Sachsen-Anhalt: SPD zeigt sich empört!

Bürgermeister sah zu und trat aus Linkspartei aus

Eine von Rechtsextremen inszenierte Bücherverbrennung in Pretzien in Sachsen-Anhalt ist von der SPD scharf verurteilt worden. Nach dem Vorbild der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten das Tagebuch der Anne Frank öffentlichkeitswirksam ins Feuer zu werfen, sei "eine schwer wiegende Grenzverletzung, die das Andenken Ermordeter in den Dreck zieht", sagte der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz.

Den Tätern müsse mit "voller Härte des Gesetzes" begegnet werden. Der wegen des Vorfalls scharf kritisierte Bürgermeister des Ortes, Friedrich Harwig, trat unterdessen aus der Linkspartei aus.

Wiefelspütz befürchtet nach dem Vorfall auch negative Außenwirkungen für das Ansehen Deutschlands in der Welt. "Ich hoffe, dass dieser Vorgang nicht das Bild beeinträchtigt, das Deutschland gerade in den letzten Tagen zeigt", sagte er mit Blick auf die Fußball-WM.

Rechtsextremisten hatten Berichten zufolge am 24. Juni in Pretzien nahe Magdeburg die Sonnenwende mit einer Tanzveranstaltung und einem offenen Feuer gefeiert. Zunächst soll eine amerikanische Flagge in dem Feuer verbrannt worden sein. Dann soll ein Teilnehmer das weltbekannte Tagebuch der von den Nazis ermordeten Anne Frank in die Flammen geworfen haben. Eine Mitarbeiterin des zuständigen Ordnungsamtes hatte die Veranstaltung schließlich abgebrochen. Der Ortsbürgermeister Harwig soll der Veranstaltung tatenlos zugeschaut haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen drei Verdächtige.

Der Landesverband der Linkspartei teilte am Mittwoch mit, dass ein Schreiben Harwigs eingegangen sei, in dem dieser ohne Begründung seinen Austritt aus der Partei erklärt habe. Die Partei hatte Harwig zuvor aufgefordert, sein Parteibuch abzugeben und sein Amt niederzulegen. (apa)