BuchtiPP: Alexander von Humboldt - Über einen Versuch den Gipfel des Chimborazo zu ersteigen

Allein Reisende, welche die Gipfel des Mont-Blanc und des Monte-Rosa aus der Nähe gesehen haben, vermögen den Charakter dieser erhabenen, ruhigen und majestätischen Szene zu begreifen. Die Masse des Chimborazo ist so ungeheuer, daß der Teil, den das Auge in Höhe der Schneegrenze mit einem Blick erfaßt, siebentausend Meter breit ist ...

Auf den eisigen Höhen des Chimborazo // „Am 23. Juni 1802 erstiegen wir den Chimborazo ...“

Es war ein mehr denn waghalsiges Unternehmen: mit spärlicher Ausrüstung („wir trugen kurze Stiefel, einfache Kleidung, hatten keine Handschuhe“), ohne genauere Ortskenntnis, an einem „dunklen und nebligen Tag“, der einer schneereichen Nacht gefolgt war, brach Alexander von Humboldt auf, den mutmaßlich höchsten Berg der Welt, den Chimborazo, zu besteigen. „Vor Kälte erstarrt“ bleiben außer Humboldt sowie zwei Begleitern, einem Diener und zwei Indianern alle an der Grenze des ewigen Schnees zurück. Auf ca. 5000 Meter Höhe sind dann auch die beiden Indianer „trotz aller Drohungen“ nicht mehr zum Weitergehen zu bewegen, sie „versichern, sie würden sonst vor Atemnot sterben“. Doch die anderen ziehen trotz des gefährlichen Weges weiter durch den Schnee:

"Der Weg war kaum 5-6 Zoll [13-16cm], manchmal keine 2 Zoll [5cm] breit. Der Hang zur Linken war von erschreckender Steilheit und mit an der Oberfläche gefrorenem (verkrustetem) Schnee bedeckt. Zur Rechten gab es kein Atom Schnee, aber der Hang war mit großen Felsbrocken übersäht (bedeckt). Man hatte die Wahl, ob man sich lieber die Knochen brechen wollte, wenn man gegen diese Felsen schlug, von denen man in 160-200 Toisen [300-400 Meter] Tiefe schön empfangen worden wäre, oder ob man zur Linken über den Schnee in einen noch viel tieferen Abgrund rollen wollte. Der letztere Sturz schien uns der grauenvollere zu sein. Die gefrorene Kruste war dünn, man wäre vom Schnee begraben worden ohne Hoffnung, je wieder aufzutauchen. Aus diesem Grund neigten wir unseren Körper immer nach rechts."

Über die Autoren:
Oliver Lubrich, geboren 1970 in Berlin, unterrichtet seit 1995 am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin. 2004 erschien die von ihm herausgegebene Anthologie Reisen ins Reich 1933 – 1945. Ausländische Autoren berichten aus Deutschland. Gemeinsam mit Ottmar Ette gab er bei Eichborn Alexander von Humboldts Kosmos und Ansichten der Kordilleren heraus.

Ottmar Ette, geboren 1956 im Schwarzwald, hat seit Oktober 1995 den Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft an der Universität Potsdam inne. Für die Edition von Alexander von Humboldts Reise in die Äquinoktial-Gegenden (1991) wurde Ottmar Ette mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis ausgezeichnet.

SERVICE:
Ottmar Ette & Alexander von Humboldt & Oliver Lubrich
Alexander von Humboldt. Über einen Versuch den Gipfel des Chimborazo zu ersteigen
Hardcover mitSchutzumschlag
3-8218-0767-9
19,90 € [D]