Buchrezension über den Gott zum Anfassen:
E. Follath 'Das Vermächtnis des Dalai Lama'

Ein weiser Clown zwischen Gandhi und Groucho Marx Dr. Erich Follath ist Reporter des Magazins »Spiegel«

Buchrezension über den Gott zum Anfassen:
E. Follath 'Das Vermächtnis des Dalai Lama'

Wer ist der Mann, der den meisten Deutschen als ihr größtes Vorbild gilt, noch vor Benedikt XVI. – und den Chinas KP-Führung als Vaterlandsverräter beschimpft? Ein Erleuchteter, weltentrückt heilig und jenseits aller Kritik? Oder ein politisch kühl kalkulierender Machtmensch? Vertraut er seinen morgendlichen BBC-Nachrichten oder den Würfeln, die er gelegentlich wirft? Was ist das Vermächtnis Seiner Heiligkeit, für seine Heimat Tibet, für den "Rest der Menschheit"?

Spiegel-Autor Erich Follath kennt den Gottkönig schon über 15 Jahre, hat ihn mehrfach im Himalaya-Ort Dharamsala besucht und auf Reisen begleitet. Allein in den letzten Monaten führte er mehrere ausführliche Gespräche mit dem Dalai Lama. Follath hat auch Tibet öfter besucht und sich in den Klöstern von Lhasa und Shigatse ein Bild von der schwierigen politischen Lage und der inbrünstigen Gläubigkeit der Bevölkerung gemacht. Er sprach mit chinesischen Feinden des Dalai Lama und diskutierte mit ungeduldigen jungen Tibetern, die den Weg der Gewaltlosigkeit verlassen wollen, ebenso wie mit seinen Bewunderern im Westen.

Der "wahre" Dalai Lama
Im Gegensatz zu den vielen halb religiösen, halb esoterischen, zusammenhanglos versammelten Zitatenschätzen in Buchform, die unter den Namen des Dalai Lama auf dem Markt sind, zeigt Erich Follath den "wahren" Dalai Lama: seine Bedenken hinsichtlich einer allzu schnell wachsenden buddhistischen Gemeinde in Europa und den USA, seine Pläne für die tibetische Heimat, wo die Kompromissbereitschaft gegenüber Peking trotz des Schwurs der Gewaltlosigkeit endet; seine Befürchtungen, die KP Chinas könne, nach der Wahl des eigenen Panchen Lama, nun bald auch einen zweiten Dalai Lama bestimmen; seine Skepsis gegenüber einem Nachfolger und seine Gedanken darüber, wo denn – wenn überhaupt – eine Reinkarnation gefunden werden könnte.

Gottkönig und Popstar
Häufig verblüffend, manchmal wegweisend, gelegentlich anrührend sind die Geständnise des Dalai Lamas - er zieht in diesem Buch erstmals seine Lebensbilanz. Er spricht über Triumphe und Tragödien, berichtet von privaten Träumen einer "Pensionierung" wie über seine Begegnungen mit den bedeutendsten Politikern der Welt. Der Gottkönig erweist sich in der Beschreibung Follaths als eine Mischung aus Mahatma Gandhi und Groucho Marx. (red)

Dr. Erich Follath
Das Vermächtnis des Dalai Lama
Ein Gott zum Anfassen

Link: collection-rolf-heyne.de