Brutaler Doppelmord in Deutschland: Hintergründe liegen weiterhin im Dunkeln

Zwei 17-Jährige hatten Ehepaar kaltblütig erstochen Täter wollten wohl Herausgabe von Auto erzwingen

Brutaler Doppelmord in Deutschland: Hintergründe liegen weiterhin im Dunkeln

Das Motiv für den Doppelmord in Mecklenburg-Vorpommern ist noch nicht geklärt. Die Angaben der verhafteten beiden 17-jährigen Schüler seien nicht nachvollziehbar und zum Teil so abenteuerlich, dass sie erst genauer überprüft werden müssten, sagte der Schweriner Oberstaatsanwalt Christian Pick. Als sicher gelte jedoch, dass sie die Herausgabe eines Autos der überfallenen Familie erzwingen wollten.

Noch am Sonntagabend hatte das Amtsgericht Hagenow Haftbefehl gegen die beiden Gymnasiasten erlassen. Ihnen wird Totschlag, Geiselnahme und schwerer Diebstahl vorgeworfen.

Die Jugendlichen haben das Verbrechen weitgehend zugegeben. Gegenüber einem Zeugen sollen sie deutlich gemacht haben, dass sie einen Menschen töten wollten. Das allerdings bestreiten sie. Das Amtsgericht habe deswegen die Haftbefehle wegen Totschlags erlassen und nicht, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, wegen Mordes.

Die Jugendlichen hatten in der Nacht auf Sonntag in Tessin bei Boizenburg (Kreis Ludwigslust) ein Ehepaar an der Tür seines Hauses erstochen und anschließend eine 15-Jährige als Geisel genommen. Der 16-jährige Sohn des Ehepaares konnte in ein Zimmer flüchten und die Polizei alarmieren. Die Täter flüchteten im Auto der Ermordeten mit ihrer gefesselten und geknebelten Geisel, kamen aber nicht weit. Nach wenigen Metern rammten sie ein parkendes Auto und blieben liegen. Umstellt von Polizei gaben sie nach etwa einer Stunde auf. Die Geisel blieb unverletzt.

Die Burschen hatten den 46 Jahre alten Familienvater laut Pick beim Öffnen der Tür erstochen und dann seine fünf Jahre jüngere Frau getötet. Die 15-Jährige, die ebenfalls aus dem Dorf stammt und zuvor mit ihren Peinigern unterwegs gewesen sein soll, sei zuvor in einen Schuppen gesperrt worden.

An der Schule der 17-Jährigen hatte man keine Erklärung für das Verbrechen. Es habe keine Auffälligkeiten bei ihnen gegeben, sagte Norbert Stern, Leiter des Gymnasiums Boizenburg. "Ich spüre in unserer Schule überall nur tiefste Trauer nach diesem unfassbaren Vorfall." Mitschüler, Eltern und Lehrer seien gleichermaßen geschockt.

Die Bürgermeisterin von Tessin, Gertrud Geistlinger, zeigte sich im TV-Sender N24 ratlos: "Ich kann mir die Tat nicht erklären. Und unsere Menschen im Ort auch nicht. Es ist eine Tat, die man mit normalem Verstand nicht begreifen kann." Sie sagte, der Sohn des getöteten Ehepaars habe die Täter gut gekannt. Sie besuchten zwar getrennte Schulen in Boizenburg, kämen aber mittags gemeinsam mit dem Bus wieder zurück. "Und sie verbringen viel Freizeit zusammen auf dem Dorfsportplatz. Deshalb ist das nicht zu verstehen, warum diese Familie ausgesucht wurde, warum überhaupt diese Tat passiert ist."

(apa/red)