"Bruno hat niemanden bedroht!": Italo-WWF
will Deutschland wegen Abschuss klagen!

Italien verlangt offiziell Rückgabe des toten Bären PLUS: 'Bruno-Business' ist brummendes Geschäft

Italien hat offiziell die "Rückgabe" des toten Braunbären "Bruno" verlangt. Ein entsprechendes Fax aus Rom sei am Dienstag eingegangen, sagte der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn, auf Anfrage. "Wir werden uns vorurteilsfrei mit der Anfrage befassen." Sobald Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) eine Entscheidung getroffen habe, werde diese mitgeteilt. Am Donnerstag will der Minister vor dem Landtag ausführlich zum Fall "Bruno" Stellung nehmen.

Rom begründet seine Forderung nach "Auslieferung" des toten Tieres damit, dass "Bruno" zum EU-finanzierten Projekt "Life Ursus" gehörte. "Der Braunbär war Teil eines auf italienischem Staatsgebiet durchgeführten Projekts zur Wiedereingliederung der Braunbären in der Adamello-Brenta-Gruppe und ist somit Eigentum des italienischen Staates", heißt es in dem vom italienischen Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio persönlich unterzeichneten Schreiben. Scanio berufe sich dabei aber nicht auf eine bestimmte rechtliche Grundlage, sagte Eichhorn dazu.

Wohin in Italien der Kadaver des am Montag vor gut einer Woche im Rotwandgebiet abgeschossenen jungen Bären gebracht werden solle, sei unklar. Unklar blieb auch, was dann weiter mit dem Tier geschehen sollte.

Am Dienstag kamen in Trient erstmals Bärenexperten der Alpenanrainer zusammen, um über ein gemeinsames Bärenmanagement zu beraten. Im Mittelpunkt standen wildbiologische Fragestellungen. Ein weiteres Treffen ist im August im schweizerischen Chur geplant.

Italo-WWF will klagen
Der italienische WWF hat unterdessen seine Rechtsanwälte damit beauftragt, Deutschland wegen des Abschusses des Braunbären "Bruno" im Spitzingseegebiet zu verklagen. "Unsere Rechtsanwälte meinen, dass die rechtlichen Bedingungen für eine Klage wegen Beschädigung der Umwelt gegeben sind. Der Bär ist ein Symbol und sein Schutz ist für ganz Europa wichtig", so der Präsident von WWF Italia, Fulco Pratesi.

Laut den WWF-Experten sei Bruno um 4.50 Uhr erschossen worden, während die Abschussverordnung erst einige Stunden später unterzeichnet worden sei.

Geschäfte mit Bruno brummen
Gut eine Woche nach dem Tod von Braunbär "Bruno" brummen auch die Geschäfte mit dem zottigen Vierbeiner: Nach rasch aufgetauchten Solidaritäts-T-Shirts oder Trauerflaggen für den auch "JJ1" genannten Bären bringen nun auch große Süßwaren- und Stofftierunternehmen Waren mit Bruno-Bezug auf den Markt.

Der Süßwarenkonzern Haribo kündigte am Dienstag in Bonn an, ab Ende Juli "Bruno Braunbär"-Schaumzucker zu verkaufen. Der schwäbische Stofftierherstellers Steiff bietet bereits einen Trauerflor tragenden Braunbären an, der Thüringer Sammelplüschtier-Anbieter Schildkröt vermarktet eine "Bruno mein Bärenfreund"-Sonderedition.

(apa)