Brückenbauer im Pentagon: Robert Gates bleibt als Verteidigungsminister im Amt

Barack Obama wünscht sich sanften Übergang Künftige Irak-Politik wird mit Spannung erwartet

Brückenbauer im Pentagon: Robert Gates bleibt als Verteidigungsminister im Amt © Bild: Reuters

Auf seinem Schreibtisch im Pentagon hat Robert Gates einen Kalender stehen, der die Tage bis zum 20. Jänner 2009 zählt. An diesem Tag endet die Amtszeit von Präsident George W. Bush, und der 65 Jahre alte Verteidigungsminister hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich dann mit Freude zur Ruhe setzen will.

Dem Countdown-Kalender wird Gates aber noch einige Tage anfügen müssen: Der designierte Präsident Barack Obama will den Minister zunächst im Amt belassen, dies gab er am Montag bekannt. Mit der Personalie signalisierte Obama seinen Wunsch nach einem sanften Übergang. Er honorierte damit aber auch ganz persönlich die Amtsführung von Gates.

Das Ausmaß der Ablehnung, die viele von Obamas Anhängern dem scheidenden Präsidenten Bush und dessen Regierung entgegenbringen, lässt sich kaum überschätzen. Umso bemerkenswerter ist Gates' Leistung, sich in diesem polarisierten Umfeld Respekt über die Parteigrenzen hinweg verschafft zu haben.

Schwieriger Einzug ins Pentagon
Als er 2006 sein Amt antrat, fand er das Pentagon in desolatem Zustand vor: Der Irak-Krieg war zum Debakel geworden, der umstrittene Führungsstil seines Vorgängers Donald Rumsfeld hatte das Personal aufgerieben. Gates führte einen nachdenklichen Ton im Pentagon ein, anders als Rumsfeld gilt er als aufgeschlossen für Ideen, die von seinen eigenen abweichen.

Hoch angerechnet wird Gates die Entschlossenheit, mit der er gleich nach seinem Amtsantritt einen militärischen Strategiewechsel im Irak einleitete. Im Verbund mit Irak-Kommandant David Petraeus stockte er die US-Truppen auf und setzte eine letztlich erfolgreiche Anti-Guerrilla-Strategie durch, die den Aufständischen die Basis entzog.

"Gates hat das Pentagon in schwerer Zeit übernommen", lobte Obama am Montag. "Er hat das Vertrauen der Militärführung gewonnen und sich den Respekt auf beiden Seiten des Kongresses erarbeitet."

Nicht verborgen bleiben die Widersprüche von Obamas Personalentscheidung: Obama war ein Gegner der Truppenaufstockung. Gates seinerseits lehnte Obamas Wahlkampfversprechen ab, die US-Truppen binnen 16 Monaten weitgehend aus dem Irak zurückzuziehen. Mit Spannung wird in Washington beobachtet, welche Irak-Politik die beiden nun verfolgen werden.

Einig in punkto Afghanistan
Einig sind sich Gates und Obama in der Bewertung des Afghanistan-Einsatzes, der für Obama oberste militärische Priorität hat. Beide wollen die Zahl der US-Truppen aufstocken, um den schlingernden Einsatz zu retten. Wie Obama hat sich auch Gates für die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba ausgesprochen, das den Ruf der USA im Ausland so sehr belastet.

Ähnlich sind sich beide in ihrem analytischen Temperament. Gates hält immer wieder nachdenkliche Reden, bei denen sich das Zuhören lohnt. So ließ er kürzlich mit der Warnung vor einer "schleichenden Militarisierung" der US-Außenpolitik aufhorchen, er mahnte eine Stärkung von Diplomatie und Entwicklungshilfe an - ungewöhnliche Töne für einen Pentagon-Chef, die Obama beeindruckt haben dürften.

Mit Gates' Nominierung kann Obama sein Wahlkampfversprechen einhalten, auch Republikaner in sein Kabinett zu berufen. Gates hat Erfahrung darin, Präsidenten unterschiedlicher Couleur zu dienen. Seine Karriere startete er beim Auslandsgeheimdienst CIA, wo er in 27 Jahren insgesamt sechs verschiedenen Präsidenten diente.

Von 1991 bis 1993 war er Chef des Mega-Behörde. Danach wechselte er als Präsident an eine große Universität nach Texas, bis Bush ihn 2006 überraschend ins Kabinett berief. Seine politische Prägung hat Gates im Kalten Krieg erhalten. Einen Doktortitel erlangte er mit einer Promotion zur Geschichte der Sowjetunion.

(apa/red)