Britischer Reporter: Keine Belege für Gasangriff in Douma

Nahost-Kenner Fisk im "Independent": In Video gezeigte Opfer litten offenbar an Luftknappheit

Ein Reporter der britischen Zeitung "Independent" stellt nach einer Besichtigung vor Ort und Zeugenbefragungen westliche Behauptungen infrage, wonach es in der ehemaligen islamistischen Rebellenhochburg Douma in Syrien einen Giftgasangriff gegeben habe. Der langjährige Nahost-Kenner Robert Fisk fand nach eigenen Angaben keine Belege dafür.

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Vielmehr scheine es sich bei den Opfern um Menschen gehandelt zu haben, die durch den im Zuge der Kämpfe und Bombardements aufgewirbelten intensiven Staub an Luftknappheit litten. Das vor allem im Westen verbreitete Video, das zeigen soll, wie Menschen durch Abspritzen mit Wasser von angeblichem Giftgas gereinigt wurden, sei zwar echt. Doch seien die Opfer womöglich nicht von Chlorgas oder Sarin gereinigt worden, sondern von Staub, schrieb Fisk diese Woche im "Independent":

Fisk berief sich unter anderem auf den Arzt Dr. Assim Rahaibani. Dieser sagte den Angaben zufolge, die Menschen hätten nicht unter Giftgas gelitten, sondern unter Sauerstoffmangel in den mit Müll gefüllten Tunneln und Kellern, in denen sie lebten. In einer Nacht des Windes und heftigen Granatbeschusses sei ein Staubsturm hervorgerufen worden.

Der 58-jährige Arzt habe keine Scheu gehabt, seinen Namen zu nennen, während sich die meisten westlichen Medien stets auf "ungenannte Ärzte" und Oppositionsquellen beriefen, fügte Fisk hinzu.

Ferner beschrieben Einwohner Doumas in dem auch von einigen deutschsprachigen Medien übernommenen Bericht, sie seien nicht mit den Islamisten vor den Truppen des Machthabers Bashar al-Assad geflohen. Die Assad-Gegner hätten in Douma ein Terrorregime errichtet und sich Bunkeranlagen von der Bevölkerung in Sklavenarbeit erbauen lassen. Von den von Fisk befragten Bewohnern berichtete einer, ein Cousin von ihm sei von Mitgliedern der Rebellengruppe "Jaish al-Islam" (Armee des Islam) hingerichtet worden.

Laut dem Bericht von Fisk kamen während der Luftangriffe sogenannte Weißhelm-Leute in einen Bunker und versetzten die dort ausharrenden Zivilisten mit lauten Rufen "Gas! Gas!" in Panik und begannen mit Wasser imaginäres Gas aus ihren Augen zu waschen. Die Bilder davon gingen durch die westlichen Medien und lieferten US-Präsident Donald Trump, der britischen Premierministerin Theresa May und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ihren Angriffsgrund.

http://go.apa.at/MlVRXBNp ("Independent"-Artikel)

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