Britischer Premier Blair geht in Pension:
"Trete innerhalb von zwölf Monaten zurück"

Laut Medienberichten soll Premier am 4. Mai gehen Keine Angaben zu Nachfolger - PLUS: Die Favoriten!

Der britische Premierminister Tony Blair wird nach Londoner Presseberichten spätestens im Juni 2007 aus dem Amt scheiden. Die "Financial Times" berichtete zusammen mit anderen Zeitungen, dass sich Blair und Finanzminister Gordon Brown bereits auf einen Zeitplan für den Machtwechsel verständigt hätten. Der Schatzkanzler gilt innerhalb der Labour-Partei als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge. Offiziell gab es keine Bestätigung für einen Rücktrittstermin.

Nach tagelanger massiver Kritik hatte Blair bestätigt, dass er innerhalb von zwölf Monaten zurücktreten werde. Damit kam er Forderungen aus der eigenen Partei nach, sich genauer zu seiner politischen Zukunft zu äußern. Die Hoffnung vor allem der Parteilinken, dass sich Blair auf einen Termin festlegen werde, erfüllt sich jedoch nicht. Der 53-Jährige gehört zu den dienstältesten europäischen Regierungschefs. Im kommenden Mai wäre er genau zehn Jahre im Amt.

Weiter innerparteiliche Konflikte
Der parteiinterne Streit setzte sich trotz Blairs Ankündigung fort. Das Verhältnis zwischen dem Premierminister und seinem wahrscheinlichsten Nachfolger Brown gilt inzwischen als schlecht. Der Finanzminister ging in einer Rede in Edinburgh mit keinem Wort auf die Führungskrise ein. Ex-Innenminister Charles Clarke warf Brown im "Evening Standard" vor, sich "völlig dumm" verhalten zu haben. Der Schatzkanzler hätte den Aufstand gegen Blair "mit einem Fingerschnipsen" beenden können.

Vom linken Parteiflügel sowie von den Gewerkschaften gab es hingegen weiterhin Kritik am Partei- und Regierungschef. Blair wurde weiter gedrängt, einen genauen Termin zu nennen. Der Generalsekretär des Gewerkschaftsbunds TUC, Brendan Barber, warnte vor den Gefahren einer "andauernden Ungewissheit", und Derek Simpson, Generalsekretätr der Amicus-Gewerkschaft, erklärte, Blair hätte bereits zurücktreten sollen. Mit Spannung werden nun seine Auftritte bei einem Gewerkschaftskongress in der kommenden Woche sowie beim Labour-Parteitag in Manchester erwartet, der am 24. September beginnt.

Rücktritt nach Wahlen in Schottland & Wales?
Nach Informationen verschiedener Zeitungen sieht die Absprache zwischen Blair und Brown so aus: Im Februar gibt der amtierende Premierminister bekannt, dass er nach den Regionalwahlen in  Schottland und Wales am 4. Mai 2007 als Labour-Chef zurücktreten wird. Die Entscheidung über die Nachfolge in Partei und Regierung soll dann innerhalb von sechs Wochen in einer parteiinternen Abstimmung fallen. Mitte Juni wäre der Machtwechsel dann perfekt.

Umfragen: Blair soll eher früher als später gehen
In Großbritannien werden die Forderungen nach einem schnellen Rücktritt von Blair immer lauter. Eine Mehrheit der Briten sprach sich in Umfragen für einen früheren Abtritt des Premierministers aus. Demnach wünschen sich 58 Prozent der Befragten Blairs Rückzug noch vor Ende des Jahres. 44 Prozent sprachen sich für einen Abgang schon in diesem Monat aus. Selbst innerhalb seiner Labour-Partei forderten 38 Prozent, dass Blair sich zumindest in diesem Herbst verabschiedet.

Die Frage, wann und ob Blair sein Amt an seinen Nachfolger abgibt, beschäftigt seine Partei nun schon seit zwei Jahren. Nur unter großen Verlusten war der seit 1997 amtierende Labour-Chef im Mai 2005 wiedergewählt worden. Anschließend hatte er verkündet, er werde seinen Stuhl noch vor Ablauf seines dritten Mandats räumen. Laut Medienberichten war dies Teil eines Stillhalteabkommens zwischen Blair und Brown. Die kommende Parlamentswahl muss spätestens im Mai 2010 stattfinden. Seit Monaten fällt Labour - nicht zuletzt wegen Blairs umstrittenen Kurs im Irak- und im Libanon-Krieg - immer weiter in der Wählergunst; Umfragen sehen erstmals seit Jahren wieder die Konservativen vorne.
(apa/red)