Britische Polizei verhindert "Massenmord": Neun Flugzeuge sollten gesprengt werden!

Terrorpläne standen bereits kurz vor der Ausführung Flüssigsprengstoff in Plastik-Flaschen im Handgepäck?

Britische Polizei verhindert "Massenmord": Neun Flugzeuge sollten gesprengt werden!

Die britische Polizei hat eine Serie von Terroranschlägen großen Ausmaßes vereitelt. Knapp fünf Jahre nach den Attentaten des 11. September 2001 planten Terroristen demnach, Sprengstoff im Handgepäck an Bord mehrerer in die USA fliegender Flugzeuge zu schmuggeln und laut Vizepolizeichef Paul Stephenson einen "Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß" zu verüben. Die Sicherheitsmaßnahmen im Luftverkehr wurden drastisch verschärft, was Europa-weit zu Behinderungen führte.

Nicht näher beschriebene "Verschwörer" wollten laut Scotland Yard mehrere Flugzeuge auf dem Weg von England in die USA in die Luft sprengen. Sie planten den Angaben zufolge einen "Massenmord unvorstellbaren Ausmaßes". 21 Verdächtige wurden im Zusammenhang mit den Anschlagsplänen festgenommen. Die Täter wollten im Handgepäck Bomben an Bord der Maschinen schmuggeln und auf Transatlantikflügen zünden. Offenbar sollten die Anschläge mit Flüssigchemikalien verübt werden. Experten zufolge lässt die Vorgehensweise auf die Extremistengruppe Al-Kaida schließen.

Der britische Innenminister John Reid erklärte, Terroristen hätten geplant, mehrere Flugzeuge durch Explosionen zum Absturz zu bringen. Die Polizei zeigte sich zuversichtlich, die Hauptverdächtigen des Komplotts gefasst zu haben, das nach US-Einschätzung die Handschrift von Al-Kaida trägt. An dem Terrorplan seien bis zu 50 Menschen beteiligt gewesen, hieß es. Sie seien noch nicht in den Flugzeugen gesessen, dem Abflug aber sehr nahe gekommen.

Flüge in USA als Ziele
"Dies sollten simultane Anschläge auf mehrere Ziele sein, gerichtet gegen Flugzeuge mit dem Ziel Vereinigte Staaten", sagte ein Sprecher der britischen Polizei. Ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes sagte, die mutmaßlichen Attentäter hätten Flugzeuge von United Airlines, American Airlines, Continental Airlines und weiteren Fluglinien sprengen wollen. Sie hätten Flüge im Visier gehabt, die von Großbritannien aus zu "wichtigen Urlaubszielen" in den USA gingen - wie New York, Washington, Los Angeles, Boston und Chicago.

Die britische Nachrichtenagentur Press Association und der Sender BBC meldeten unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Attentäter bis zu neun Maschinen gleichzeitig explodieren lassen wollten. Laut BBC sollten jeweils drei Flugzeuge fast zeitgleich getroffen werden.

Bisherigen polizeilichen Erkenntnissen zufolge wollten die Täter Flüssigsprengstoff in die Maschinen schmuggeln und in der Luft zur Explosion bringen. Als Zünder seien elektronische Wecker, Laptops und Taschenrechner vorgesehen gewesen. In britischen Sicherheitskreisen hieß es, der Plan hätte innerhalb der nächsten Tage ausgeführt werden können.

Ermittlungen seit Monaten
Der Chef der Anti-Terror-Einheit der Londoner Polizei, Peter Clarke, erklärte, gegen die Verdächtigen sei seit Monaten ermittelt worden. "Der mutmaßliche Plan hat globale Dimensionen", sagte er. Die Polizei durchsuchte Gebäude im Großraum London sowie in Birmingham. Die Verdächtigen kamen laut Polizei aus Großbritannien, obwohl zunächst unklar war, ob sie alle britische Staatsbürger sind. Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy sagte, die Terroristen seien offenbar pakistanischer Herkunft.

In Großbritannien trat die höchste Sicherheitsstufe in Kraft. Premierminister Tony Blair, der in der Karibik Urlaub macht, informierte in der Nacht US-Präsident George W. Bush. Wegen des Anti-Terror-Einsatzes mussten mehrere hundert internationale Flüge von oder nach Großbritannien gestrichen werden. Allein im Vereinigten Königreich waren nach offiziellen Angaben rund 400.000 Menschen von dem Chaos betroffen.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen
Auf dem Londoner Flughafen Heathrow, dem größten Europas, wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft. In den Wartehallen bildeten sich lange Schlangen. British Airways (BA) kündigte an, dass die Mitnahme von Handgepäck bei einem Start von britischen Flughäfen nicht mehr erlaubt sei. Die Passagiere dürften nur noch Reisedokumente, Brillen und einige wenige andere Wertsachen mit an Bord nehmen. Am Abend wurde der Flughafen Heathrow wieder für den Verkehr freigegeben.

US-Präsident George W. Bush sagte in einer kurzen Ansprache, der Terrorplan erinnere daran, dass sich sein Land "im Krieg gegen islamische Faschisten" befinde. Die USA seien heute sicherer als vor dem 11. September 2001. Bushs Sprecher Tony Snow hatte zuvor betont, die geplanten Anschläge seien eine "direkte" Bedrohung für die USA gewesen.

In den USA wurde zum ersten Mal die höchste Terrorwarnstufe "rot" für alle Flüge von Großbritannien in die USA ausgerufen. Für alle anderen Flüge galt die zweithöchste Warnstufe "orange". Heimatschutzminister Michael Chertoff erklärte, man könne nicht sicher sein, dass die Bedrohung durch die Terroristen vollkommen ausgeschaltet sei. Hinter dem Plan könne das Terrornetzwerk Al-Kaida stehen.

Auch die US-Behörden untersagten Passagieren, Flüssigkeiten und Gels an Bord mitzunehmen, darunter Zahnpasta, Sonnencreme und Make-up. Bei Flügen der Austrian nach New York und Washington dürfen die Passagiere ab sofort kein Handgepäck mehr in den Passagierraum mitnehmen. Austrian-Sprecher Johannes Davoras sagte am Donnerstagabend gegenüber der APA, man habe diese Entscheidung vor dem Hintergrund der Beschlüsse der US-Behörden getroffen. Die Regelung gelte bis auf weiteres. Handgepäck wird wie ein Koffer eingecheckt und damit im Frachtraum mitgenommen.

(apa/red)