Britische Ministerin erklärte Rücktritt: Browns Kabinett kommt weiter nicht zur Ruhe

Familiäre Gründe: Premier zeigt aber Verständnis BBC: Hoon könnte EU-Kommissar Mandelson ersetzen

Britische Ministerin erklärte Rücktritt: Browns Kabinett kommt weiter nicht zur Ruhe

Nur einen Tag nach der Parteitagsrede des britischen Premierministers Gordon Brown hat Verkehrsministerin Ruth Kelly aus privaten Gründen ihren Rücktritt erklärt. Sie wolle sich mehr um ihre Familie kümmern, ihre Entscheidung habe keinerlei politische Gründe, sagte die 40-jährige Mutter von vier kleinen Kindern auf dem Labour-Parteitag in Manchester.

Brown betonte im Sender BBC, er habe als Vater Verständnis für Kellys Schritt, Downing Street sei seit Mai von ihrer Absicht informiert gewesen. "Es gibt keine politischen Probleme zwischen Ruth und mir." Er wies auch Spekulationen zurück, wonach weitere Rücktritte von Ministern folgen würden.

Kelly wird zur nächsten Kabinettsumbildung, die möglicherweise kommende Woche stattfindet, ihr Amt niederlegen. Sie ist seit Juli 2007 Verkehrsministerin, als Brown das Regierungsamt von Tony Blair übernommen hatte. Am Dienstag hatte Brown eine viel gelobte Rede auf dem Parteitag gehalten, in der er sich als Garant für Stabilität präsentierte. Der Premier ist seit Monaten im Umfragetief und steht auch nach parteiinterner Kritik stark unter Druck.

Uneinigkeit bei Embryonen-Gesetz
Nach Kellys Rücktrittsankündigung kamen Spekulationen auf, dass sie wegen eines umstrittenen Embryonen-Gesetzes abdankt, das demnächst verabschiedet werden soll. Die katholische Ministerin hatte sich gegen entsprechende Pläne Browns gestellt. Die kontroverse Gesetzesnovelle gestattet britischen Wissenschaftlern voraussichtlich ab 2009, zu Forschungszwecken Hybrid-Embryonen aus menschlichem und tierischem Erbgut zu schaffen. Kelly betonte jedoch, Brown sei eine "überragende Figur in der Labour-Party".

Kelly hatte mehrfach Schlagzeilen wegen ihres religiösen Bekenntnisses gemacht. Bei ihrer Ernennung 2005 verteidigte sie ihre Kontakte zum Opus Dei, meldete die Kathpress.

Unterdessen berichtete die BBC unter Berufung auf Regierungskreise, dass Labour-Fraktionschef Geoff Hoon möglicherweise EU-Kommissar Peter Mandelson ersetzen soll. Hoon sagte jedoch, er führe keine Gespräche, die für ihn "besonders relevant" seien. Außenminister David Miliband, der immer wieder als möglicher Brown-Nachfolger im Gespräch ist, sagte zu einer bevorstehenden Kabinettsumbildung, er hoffe stark, seinen Job zu behalten. "Ich bin sehr glücklich, den Job zu machen, den ich mache." Allgemein wird nicht erwartet, dass Miliband den Posten verliert.

(apa/red)