Brigitte Mohnhaupt (57) kommt frei: RAF-Führungsfigur der "2. Generation" im Porträt

War an Morden des "Deutschen Herbst" beteiligt

Wenn Brigitte Mohnhaupt in sechs Wochen aus dem Gefängnis im bayerischen Aichach entlassen wird, schließt sich für sie ein Kreis: Die einstige Führerin der zweiten Generation der linksradikalen deutschen Terrorgruppe "Roten Armee Fraktion" (RAF) wurde vor fast genau 30 Jahren schon einmal aus der Haft entlassen. Danach beteiligte sie sich an mehreren Morden im "Deutschen Herbst" 1977, für den die Öffentlichkeit sie als Symbolfigur sieht.

Die Frage nach dem Umgang mit dieser Vergangenheit stellt sich nach 30 Jahren wieder neu, wie die öffentliche Debatte über ihre Freilassung zeigte. Die heute fast 58-jährige verurteilte Mörderin ist die Verbindung zwischen der scheinbar fernen Vergangenheit der RAF und der Gegenwart.

Vor 35 Jahren, im Sommer 1972, wurde die am 24. Juni 1949 in Rheinberg am Niederrhein geborene Studentin, die Journalistin werden wollte, zum ersten Mal verhaftet. 1971 hatte sie sich der RAF angeschlossen und für sie Waffen beschafft. Dafür wurde sie zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, von denen sie die letzten Monate in der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim verbrachte, auf einer Etage mit den RAF-Anführern Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Deren Auftrag gemäß wurde Mohnhaupt nach der Entlassung im Februar 1977 zur Schlüsselfigur der "zweiten Generation" der RAF, nachdem die Führungsfiguren der ersten Generation in Haft saßen oder Selbstmord begingen.

Als neue Chefin stand sie hinter den Attentaten vom Herbst 1977, auch wenn deren genauer Hergang ungeklärt ist. Sie wurde 1985 wegen Beteiligung an den Morden an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, an Dresdner-Bank-Vorstandssprecher Jürgen Ponto und an Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer verurteilt. Mittlerweile gilt als gesichert, dass sie Ponto damals in dessen Haus persönlich erschossen. Zwischen den Taten und ihrer Festnahme 1982 lebte sie im Untergrund. Sie wurde schon einmal 1978 in Jugoslawien festgenommen. Weil die BRD-Regierung aber einen Austausch gegen mehrere Exil-Kroaten ablehnte, durfte sie in ein Land ihrer Wahl ausreisen. 1981 war sie am gescheiterten Attentat auf den amerikanischen General Frederick Kroesen beteiligt.

1982 wurde sie in einem Wald in Hessen verhaftet, wo die RAF ein Depot angelegt hatte; fünf Tage später wurde auch Christian Klar gefasst, dessen Gnadengesuch beim deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler in den vergangenen Wochen ebenfalls zur neuen RAF-Debatte beitrug. Im April 1985 erging gegen die beiden mit fünf Mal lebenslänglich plus 15 Jahren das bisher härteste Urteil. Mit Klar ist sie das am längsten inhaftierte Mitglied der RAF. Wie er zeigte auch Mohnhaupt im Prozess und im Gefängnis keinerlei Reue oder Distanzierung von ihren Taten. Als die verbliebene RAF 1992 einen Gewaltverzicht erklärte, lehnte sie dies 1993 in einer "Spaltungserklärung" ab.

1998 erklärte die RAF ihre Auflösung. Aus der Zeit, die damit zu Ende zu gehen schien, ist Mohnhaupt mit Klar, Eva Haule und Birgit Hogefeld die letzte Gefangene. Ihr Schicksal ragt aus einer fern und fremd scheinenden Vergangenheit in die Gegenwart. Angehörige der Opfer und konservative Politiker haben gegen ihre Freilassung protestiert. Sie fordern Reue oder zumindest eine öffentliche Stellungnahme der Täter zu ihren Taten, was Mohnhaupt und Klar bisher verweigern. Mohnhaupt erklärte, das Thema RAF sei für sie erledigt. Die Bundesanwaltschaft hat ihre Freilassung beantragt. Auch Mohnhaupt soll eine Chance auf Resozialisierung haben. Am Montag kündigte das Oberlandesgericht Stuttgart ihre Freilassung am 27. März auf Bewährung an. (apa)