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Brexit: Darüber zeigen
sich Konzerne besorgt

Brexit: Die Konsequenzen eines Austritts aus Sicht namhafter Unternehmen

Brexit-Symbolbild © Bild: imago/Ralph Peters

Kunden, Mitarbeiter, Töchter, Werke - namhafte Unternehmen haben vielfältige Beziehungen nach Großbritannien. Ein Austritt der zweitgrößten Wirtschaftsmacht Europas aus der EU hätte daher auch vielfältige Konsequenzen.

Im schlimmsten Fall müssten die Unternehmen Zölle auf Waren zahlen, die sie ausliefern, oder hätten Probleme, Personal zwischen den Standorten auszutauschen, weil die Regeln für die Freizügigkeit der Arbeitnehmer nicht mehr gelten. Da Experten im Falle eines Brexits mit einer kräftigen Abwertung des britischen Pfunds rechnen, kämen auch Abschreibungen auf Investitionen auf die Konzerne zu: In dem Land mit seinen 64 Millionen Einwohnern wären dann ein Werk, Maschinen oder Firmenanteile auf einen Schlag weniger wert.

Noch bleiben viele Unternehmen gelassen. Sie setzen darauf, dass selbst bei einem Votum der Briten im Juni für einen Ausstieg in der darauffolgenden zweijährigen Übergangszeit doch noch vieles geregelt werden könnte, um die Auswirkungen abzumildern. Es folgt ein Überblick über die wichtigsten deutschen Konzerne mit besonderen Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien und worüber sie sich die größten Sorgen im Brexit-Fall machen:

BMW

Für den Autobauer ist Großbritannien das einzige Land, in dem alle drei Marken - BMW, Mini und Rolls-Royce - mit Werken vertreten sind. In Oxford produzieren rund 4500 Beschäftigte den Mini. Zum Produktionsnetzwerk gehören zudem das Komponentenwerk in Swindon (etwa 800 Mitarbeiter) sowie das Motorenwerk in Hams Hall (rund 900 Beschäftigte). Großbritannien ist außerdem die Heimat der Superluxusmarke Rolls-Royce. Seit 2003 werden unter der Ägide der Münchner im südenglischen Goodwood die teuren Limousinen von Hand gefertigt. Knapp 1200 Beschäftigte arbeiten in der Manufaktur, auch Fachleute aus der Möbel- oder Modeindustrie. Für das Image und die Marke Rolls-Royce ist die Fertigung in Großbritannien von zentraler Bedeutung. Deshalb macht der BWM-Spitze der Gedanke an einen möglichen Brexit in diesem Fall mehr Sorgen. Der Mini ist als Marke internationaler und die Autos werden von Auftragsfertigern auch in Österreich und in den Niederlanden gebaut.

Davon abgesehen sieht BMW das Thema aber gelassen. Der Konzern bereite sich nicht speziell darauf vor, sagt Vertriebschef Ian Robertson, seines Zeichens Brite. Auch Szenarien habe man nicht in der Schublade. "Wir warten ab und treffen dann eine Entscheidung." Auch wenn sich die Briten im Juni gegen den Verbleib in der EU entschieden, "würde sich nicht alles auf Knopfdruck ändern", sagt er mit Blick auf die zweijährige Übergangsfrist. Ob und wann es Handelsbeschränkungen oder Zölle gebe, müsse man sehen.

SIEMENS

Der Münchener Konzern wandte sich in einem Brief an seine 14.000 Mitarbeiter in Großbritannien, wo er seit fast 170 Jahren Geschäfte macht: "Falls Großbritannien die EU verließe, würde Siemens seine Geschäftsaktivitäten dort nicht beenden. Ein Austritt könnte aber bei zukünftigen Investitionsentscheidungen eine Rolle spielen." Siemens liefert vor allem Energietechnik auf die Insel und baut zahlreiche Windparks vor ihrer Küste. In Nordost-England vollendet der Konzern derzeit eine Fabrik für Windkrafttechnik mit geplanten 1000 Mitarbeitern. Im Falle eines EU-Austritts fürchtet Siemens eine kurzfristige Wirtschaftskrise in Großbritannien und eine lang anhaltende Unsicherheit. über das künftige Verhältnis zur EU.

E.ON /RWE

Sollte es in Folge eines Brexit zu einem Konjunktureinbruch oder einer Abwertung des Pfund kommen, würde dies RWE und E.ON treffen. Für sie gehört Großbritannien mit diversen Kraftwerken, Windrädern, Tausenden Mitarbeitern und Millionen Strom- und Gaskunden zu den wichtigsten Auslandsmärkten. Wie stark die Auswirkungen wären, darüber wird bei den Versorgern gerätselt. Die komplexen wirtschaftlichen Auswirkungen ließen sich kaum abschätzen, erklärte E.ON. "Auch hätte Großbritannien eine Reihe von konjunkturpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten, um Folgen für die britische Wirtschaft und das Wachstum zu beeinflussen." RWE kämpft in dem Land bereits mit Verlusten. Von einer Abwertung des Pfunds könnten die hochverschuldeten Versorger allerdings auch profitieren. E.ON hat Pfund-Anleihen im Wert von 4,7 Milliarden Euro ausgegeben, RWE sogar im Volumen von 6,4 Milliarden Euro.

LUFTHANSA

Ryanair, easyJet und auch die Lufthansa haben sich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stark gemacht. Die ohnehin unter dem Preisdruck und Überkapazitäten leidende Branche kann sich eine schwächere Nachfrage nicht leisten - und genau die drohe, sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Ich bin sicher, der Brexit würde zu einer Reduzierung des europäischen Wachstums führen und das führt zu einer Nachfragereduzierung auch beim Kunden." Ryanair droht sogar damit, bei einem Brexit Investitionen in Großbritannien zurückzufahren. "Das ist nicht geplant", stellt Spohr für die Lufthansa klar. Größere Auswirkungen auf das Luftverkehrsrecht befürchtet er bei einem EU-Abschied nicht. "Der Luftverkehr ist per se natürlich internationaler und über Grenzen hinweg gehender aufgestellt, dass man weniger betroffen ist als andere Branchen."

DEUTSCHE BAHN

Die Bahn hat 33.000 Mitarbeiter in Großbritannien, mehr als zehn Prozent ihrer Beschäftigten. Sie arbeiten vor allem beim Nahverkehrsbetreiber Arriva, den die Bahn 2010 kaufte und in dem sie die gesamten internationalen Aktivitäten im Regionalverkehr gebündelt hat. Im nächsten Jahr soll die profitable Tochter mit einem Minderheitsanteil privatisiert werden - möglicherweise über einen Börsengang in London, wo der Konzern schon mal gelistet war. Auch deswegen beurteilt Bahnchef Rüdiger Grube einen Brexit kritisch: "Ein Ausstieg der Briten aus der EU hätte eindeutig negative wirtschaftliche Konsequenzen für unsere Tochtergesellschaften", warnte er in einem Interview. "Die Wachstumsstrategie der DB beruht auf internationalem Warenhandel, der Freizügigkeit des Personenverkehrs und der Nachfrage nach Transport- und Mobilitätsdienstleistungen in der gesamten EU. Sollte das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil des Binnenmarkts sein, würde es erheblich schwieriger, diese Strategie erfolgreich umzusetzen."

DEUTSCHE BANK

Das Institut beschäftigt in Großbritannien mehr als 8000 Mitarbeiter, darunter zahlreiche Investmentbanker. Das Geldhaus hat vor einiger Zeit eine Expertengruppe eingerichtet, die mögliche Reaktionen auf einen Brexit durchspielt. Das Institut könnte bei Bedarf etwa Handelsgeschäfte von London nach Frankfurt verlagern, sagte Vorstandschef John Cryan kürzlich der "Financial Times". Schwerwiegende Folgen hätte ein Brexit für Deutschlands größtes Geldhaus nicht, sagten mehrere hochrangige Manager der Nachrichtenagentur Reuters. Wichtig sei vor allem, dass die Bank auf mögliche Marktschwankungen nach einem EU-Austritt Großbritanniens vorbereitet sei. Auch die Systeme des Instituts müssten für einen Belastungstest am 23. Juni gewappnet sein.

Kommentare

christian95 melden

Bald sind unsere Ersparnisse nicht mehr Wert!
Der Linke "Dragi" in der EZB hat bisher an der Politik vorbei 1.650 Mrd.!!!!! Euro an die Schuldenländer verteilt. Davon alleine nach Griechenland 433 Mrd. - Und nichts hat sich geändert! Griechenland ist weiterhin pleite, die Schuldenländer brauchen noch mehr Geld.
Statt vor "Brexit" zu warnen, sollte man vor dieser "EU" mit dem Euro warnen!!!

christian95 melden

Man kann zwar ohne Probleme (und so wie Griechenland mit falschen Zahlen) der EU und dem Euro beitreten, aber austreten ist viel zu kompliziert??? Ich glaubs.
Da haben offensichtlich einige Bonzen Angst um ihr Pfründe. Die Haftung von den derzeitigen 1.650 Mrd. trägt JEDER Bürger" - Und das wir jedes Monat um knapp 100 Mrd!!! mehr.

christian95 melden

Kärnten hat für ihre Hypo überschaubare Haftungen übernommen. (Unbestritten viel zu hohe)
Rot-Schwarz-Grün haben Haftungen für die EZB ohne Bgrenzug übernommen!!! Die können also das 100.fach oder sogar das 1.000.fache unseres Budgets vergeben und die Menschen im Land haften noch immer! Wie solche Haftungen ausgehen sieht man in Kärnten: Die Banken bekommen mind. 90%, den Rest schreiben sie

christian95 melden

von der Steuer ab!
ALLES, wirklich ALLES haftet der Steuerzahler!
Unsere Kinder und Enkelkinder werden "morgen" die Schulden der EZB begleichen müssen. Derzeit braucht Griechenland schon 89 Jahre um schuldenfrei zu sein. 2014 waren es noch 79 Jahre. Je früher wir diese EU verlassen um so billiger wird es!

strizzi1949
strizzi1949 melden

Und was hat das alles mit dem obigen Artikel zu tun? Wenn Sie schon überall Ihren Senf dazugeben müssen, dann halten Sie sich wenigstens ans Thema!

christian95 melden

Gar nichts passiert!
Würden diese Horrormeldungen stimmen wäre die Schweiz längst bankrott.
Offensichtlich braucht man immer wieder "Warnungen" um die Menschheit zu unterdrücken. Das war im Mittelalter die Religion und Hexenverbrennung, bei den Römern die Sklaverei, beim Hitler die Todesstrafe und nun können wir ohne EU nicht mehr leben?

higgs70
higgs70 melden

Und dass da ein gewaltiger Unterschied ist zwischen einem Nicht-Eintritt (Schweiz) und einem Austritt, ist Ihnen noch nicht in den Sinn gekommen? Bei zweiterem gibts nämlich reichlich vieles zu klären,bilaterale Verträge vorbereiten,Rechtliches, eigene Infrastruktur anpassen, usw.
Es nur zu fordern ohne über die Kosten und Konsequenzen zu sprechen ist Etikettenschwindel.

parteilos melden

Eine Wirtschaft hat nichts mit der EU zu tun. Sicher ist es einfacher zu handeln ohne Zoll- aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. Ich handle mit Asien, dass ohne Probleme-

higgs70
higgs70 melden

Über Grundsätzliches kann man streiten und weil ich schon immer ein großer Fan von Leopold Kohr war, habe ich damals auch mit nein gestimmt und hier nie ein Hehl daraus gemacht, dass wir nach meinem Wunsch nie reingegangen wären, aber es ist ein Unterschied einen Linienbus nicht zu besteigen oder bei voller Fahrt rauszuspringen.Denn selbst wenn Sie von den Kosten die die Wiedereinführung der eigenen Währung unmittelbar mit sich bringen würde,absehen,wird uns der Rest Europas alles wofür wir mithaften unmittelbar in Rechnung stellen,weil die nicht zuwarten werden bis wir uns durch Währungstechnisches rausschummeln können,das würde uns schwer ins Schleudern bringen;überdies dürfte sich die enorme Sympathie die uns in dem Falle entgegenschlagen wird,auch in der Außenhandelsbilanz wiederfinden.Die Eier aus dem Kuchen wieder rauszuholen ist immer problematisch.Sogar unser oberster Zahnschlosser hat die Idee ja schon still zu Grabe getragen.

Aber hier gehts ohnehin um die Briten.

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