Breitbeinig von

Manspreading-Verbot:
Kommt nach Madrid jetzt Wien?

Madrid verbietet breitbeiniges Sitzen in den Öffis. In Wien bleibt man gelassen.

Breitbeinig - Manspreading-Verbot:
Kommt nach Madrid jetzt Wien? © Bild: Flickr/ Richard Yeh/ WNYC

Auf New York folgt Madrid: In den Metropolen wird breitbeinig sitzenden Männern in öffentlichen Verkehrsmitteln der Kampf angesagt. Für die Wiener Linien ist das sogenannte Manspreading kein Thema.

Nachdem New York bereits vor zwei Jahren mit einer großangelegten Kampagne auf das Problem aufmerksam machte, folgt jetzt Madrid mit einem Verbot: Die Zeit des breitbeinigen Sitzens in öffentlichen Verkehrsmitteln, das auch gerne mal zwei Sitzplätze einnehmen kann, ist vorbei. Manspreading nennt sich dieses Phänomen, welches die männliche Angewohnheit mit gespreizter Beinhaltung zu sitzen, beschreibt.

Durch eine Online-Petition mit 12.000 Unterschriften machten die Aktivistinnen der feministischen Gruppe Microrrelatos Feministas die städtischen Verkehrsbetriebe Madrids EMT auf das Phänomen aufmerksam. Diese haben reagiert und via Twitter verkündet, dass in den Bussen der spanischen Hauptstadt zukünftig Verbotsschilder hängen werden mit der Aufschrift "Respektiere den persönlichen Raum anderer". Die Schilder ähneln der Kampagne aus New York, die mit dem Spruch "Dude ... Stop the Spread, Please!" auf sich aufmerksam machte.

Kritik an der männlichen Einnahme von Raum

Beim Begriff "Manspreading" geht es aber nicht nur darum, dass die gespreizte Beinhaltung die Bewegungsfreiheit der Sitznachbarn einschränkt, sondern es geht auch um den oft selbstverständlichen Umgang damit. Die Kritik an der Sitzgewohnheit geht einher mit der Kritik an der Vorstellung, dass Männern der öffentliche Raum gehört und Frauen sich hier unterordnen müssen. Das Thema sorgt auch online für rege Diskussionen und so ist von Bildersammlungen gespreizter Männerbeine in den Öffis bis hin zum nächsten Problem, der Frauenhandtasche auf dem Nebensitz, alles dabei.

Weshalb sitzen viele Männer breitbeinig?

Laut einer Studie von 2016 spreizen Männer fünfmal so oft ihre Beine in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Frauen. Zum Ursprung des breitbeinig sitzenden Mannes gibt es verschiedene Theorien. Der Blog EconoMonitor veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Analyse, die zu dem Schluss kommt, dass der männliche Körperbau der Grund für die gespreizten Beine sei. In einem Interview mit der deutschen Tageszeitung "taz" erklärte Ina Hunger, Professorin für Sportwissenschaften an der Universität Göttingen, dass dies nicht stimmt: "Es gibt keine geschlechtsspezifische Anatomie, die Männer dazu zwingt, breitbeinig zu sitzen." Sie sieht den Grund für das Verhalten in einem anerzogenen Körpergefühl. Bereits Buben werde beigebracht, dass sie mehr Raum einnehmen können als Mädchen.

Der kanadische Premierminister und Feminist Justin Trudeau zeigt, dass Manspreading für ihn kein Muss ist:

Kein Thema für Wiener Linien

Die Wiener Linien sehen dem Problem gelassen entgegen. "Manspreading ist bei uns nicht das große Thema", erläutert Daniel Amann, Pressesprecher der Wiener Linien. In regelmäßigen Fahrgastbefragungen gehen die Verkehrsbetriebe den größten Störfaktoren in Bus, Straßenbahn und U-Bahn nach. Dies ist derzeit vor allem stark riechendes Essen, Alkohol und Hunde ohne Beißkorb. Eine mögliche Erklärung für die größere Brisanz des Themas in New York oder Madrid sei die Anordnung der U-Bahnsitze: "In New York sitzt man nicht wie bei uns in Vierersitzen, sondern seitlich nebeneinander", so Amann. "Dabei ist leichter mehr Platz einzunehmen als in den Wiener Schalensitzen, die mit Abstand zueinander den Platz vorgeben." Auch wenn das Thema Manspreading derzeit bei den Wiener Linien wenig präsent ist, behalten diese das Problem im Auge. "Grundsätzlich sind die Sitzplätze dafür da sich hinzusetzen - und zwar nur ein Sitzplatz pro Person, nicht eineinhalb."