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Es reicht, ich heirate!

Ela Angerer über topmodische Brautkleider von der Stange

Ela Angerer © Bild: News

Seit drei Tagen will ich heiraten. Warum? Weil es so viele topmodische Brautkleider gibt. Von der Stange, also zum Preis eines normalen Abendessens, bekommt man luftige Roben im 70’s-Style, in denen man sich so cool und frei fühlen könnte wie einst Jane Birkin an der Seite von Serge Gainsbourg. Zuerst brachten große Textilketten wie Zara und Asos eigene „Bridal Collections“ auf den Markt. Jetzt punktet auch H&M mit Traumkleidern für den schönsten Tag. Präsentiert von Julia Restoin Roitfeld, die kein gewöhnliches Model ist, sondern Tochter der vielbewunderten Ex-Chefin der französischen „Vogue“. Besser geht’s eigentlich gar nicht. Darauf fallen wir Trend-Konsumentinnen natürlich sofort herein. Laut Statistik wird in Mitteleuropa jede zweite Ehe geschieden. In Großstädten eher noch mehr. Egal. Zuerst der Kleiderkauf. Dann ab in die Buchhandlung. Hier wählt man unter rund 600¬einschlägigen Buchtiteln – etwa: „Grün heiraten: 100 Tipps für ein umweltfreundliches Fest“. Der Arbeitsmarkt erholt sich nicht. Die Flüchtlingskrise geht weiter. Der IS schickt jetzt auch noch kleine Mädchen mit Sprengstoffgürteln ins Gefecht. Warum über die schlechte Nachrichtenlage verzweifeln, wenn man sich in den Bund fürs Leben stürzen kann? Nicky Hilton heiratete im Kensington-Palast, Schriftsteller Frédéric Beigbeder auf der Südseeinsel Bora Bora. Ich gehe vielleicht nur drei Straßen weiter, sehe auf dem Standesamt aber mindestens so gut aus. Dort stehe ich dann und rufe: „Ja, ich will!“ Die Ehe wird dann hoffentlich wunderschön. Falls nicht: Die Brautkollektionen im übernächsten Jahr sind sicher auch wieder ganz toll. Genau darauf setzen auch die klugen Leute bei Zara und H&M.

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