Brau-Union-Insideraffäre: Prozess gegen 16 beschuldigte Bierbrauer startet im Herbst

Sollen Insiderwissen über Verkauf genutzt haben Ursprünglich sollten 30 Personen angeklagt werden

Der Verkauf des österreichischen Bierkonzerns BBAG/Brau Union an Heineken landet vor Gericht. Justizministerin Karin Gastinger (B) hat dem Vorhabensbericht von Staatsanwalt Georg Krakow Rechtskraft verliehen. Und zwar ohne Einschränkungen und Weisungen. Mit dem Prozessbeginn wird im Frühherbst gerechnet, berichten "Die Presse" und die "Oberösterreichischen Nachrichten".

Demnach wird Krakow Strafantrag gegen alle von ihm ins Visier genommenen 16 Personen stellen. Dies sind prominente Vertreter der BBAG-Eigentümerfamilien und deren Angehörige. Darunter unter anderem Ex-BBAG-Boss Karl Büche und dessen Frau Ulrike, Familienanwalt und Aktionärssprecher Ludwig Beurle und dessen Vater Christian (Ex-Konzernchef und Ex-Präsident der Industriellenvereinigung). Ihnen allen wird vorgeworfen, sie hätten in der Zeit zwischen Oktober 2002 und Mai 2003 ihr Insiderwissen über den geplanten Verkauf des Braukonzerns genutzt und sich durch den stark steigenden Aktienkurs illegale Vermögensvorteile von mehr als fünf Mio. Euro verschafft. Ursprünglich war von mehr als 30 Verdächtigen die Rede.

Diesen so genannten "Primärinsidern" drohe, da der Fall nach den alten Rechtsvorschriften verhandelt wird, laut Bericht maximal zwei Jahre Haft oder 360 Tagsätze. Nach dem seit 2005 geltenden verschärften Börsegesetz wäre das maximale Strafausmaß fünf Jahre. Den Sekundärinsidern - durchwegs Verwandte - droht bis zu ein Jahr Haft oder ebenfalls 360 Tagsätze.

Ludwig Beurle und Karl Büche wiesen wiederholt jeglichen Verdacht von sich und betonten, sie hätten während der Transaktion peinlich genau alle Vertraulichkeitsbestimmungen eingehalten. Ein hunderte Seiten dickes Gegengutachten wurde vorgelegt.

Es war einer der größten Deals der heimischen Industriegeschichte, als im Mai 2003 die Eigentümerfamilien der Brau Union den heimischen Bierkonzern an den holländischen Reisen Heineken verkauften. Der Kaufpreis machte insgesamt ein Volumen von 1,9 Mrd. Euro aus. Den 16 Verdächtigen, für sie gilt die Unschuldsvermutung, wird ein illegaler Gewinn von 5,2 Mio. Euro aus diesem Deal vorgeworfen. (apa/red)